Gedankenspiele: 3x Studien, 6x Instrumente, 1x Snapchat

Gedankenspiele: 3x Studien, 6x Instrumente, 1x Snapchat

Der D21-Digital-Index 2023/2024, der Algorithm Report 2024, der Communications Trend Radar 2024: Der Monat Februar war wieder einmal ein Monat der Studien. Und diese lieferten wirklich interessante Ergebnisse – gerade für Konzeptioner und Strateginnen. Zeit also, drei von ihnen gleich in meine monatlichen Lesetipps zu packen. Und dann war da noch eine Kampagne von Snapchat, die mich zum Nachdenken gebracht hat.

Viel Spaß also mit den Gedankenspielen.

In eigener Sache

D21-Digital-Index 2023/2024: Fit für die digitale Gesellschaft? Nur teilweise!
Nur die aufgeschlossene Mitte und die zuversichtlichen Profis sind fit für die digitale Gesellschaft. Der Rest droht, nicht mit dem digitalen Wandel Schritt halten zu können. Dies ist das Ergebnis des D21-Digital-Index 2023/2024, der jährlich die Fortschritte bei unserem Weg in die digitale Welt beobachtet. Auch dieses Jahr lassen sich die Einblicke wieder hervorragend für eine integrierte Kommunikationsstrategie nutzen. In meinem Beitrag habe ich mir daher die Ergebnisse genauer angesehen, die für Strategen besonders relevant sind.

Weitere Studien

  • LinkedIn: Insights aus dem Algorithm Report
    Der LinkedIn-Berater Richard van der Blom hat ein Update des LinkedIn Algorithm Reports publiziert. Die gut 123 Folien starken Insights liefern wieder eine gute Orientierung, anhand derer man die eigene LinkedIn-Strategie ausrichten sollte.
  • Corporate Communication: 5 Trends des Communications Trend Radar
    Informationsinflation, KI-Kompetenz, Arbeitskräftewandel, Integrität von Inhalten und Entschlüsselung des Menschen heißen die 5 Trends, die der Communications Trend Radar 2024 identifiziert hat. Marie-Christine Schindler ordnet die Trends nach ihrer Bedeutung für die Unternehmenskommunikation ein.

Kampagne

  •  “Less social media. More Snapchat.
    Zur aktuellen Diskussion um die Zukunft von Social Media passt diese neue Kampagne. Darin positioniert sich Snapchat als Anti-Pol von Social Media und stellt das Private und die wirklichen Freunde in den Fokus. Ein spannender Ansatz, auch wenn sich Snapchat nicht von der Kritik an den Plattformen ausnehmen kann.

Digitale Kanäle

  • Newsletter: Welche Kriterien sind bei einer Migration relevant?
    Wer sich gerade darüber Gedanken macht, einen Newsletter aufzusetzen oder aber den bestehenden zu hinterfragen, der sollte sich diesen Leitfaden ansehen. Denn er liefert wichtige Punkte, die nicht nur bei der Migration zu berücksichtigen sind.
  • Webseiten: Anleitung zur Barrierefreiheit
    Im Jahre 2025 tritt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) in Kraft. Dann müssen alle Webseiten barrierefrei gestaltet sein, damit möglichst viele Menschen die Internetangebote nutzen können. Doch was bedeutet dies konkret? Und wie sollten Unternehmen vorgehen? Diese Anleitung liefert eine richtig gute Checkliste.
  • X: Warum die Hoffnung auf einen Twitter-Nachfolger vergeblich ist
    „Die meisten Menschen brauchen kein neues Twitter. Sie wollen nicht lesen, sondern sehen und hören.“ Spannende Schlussfolgerung aus der angeblichen Suche nach einem neuen Twitter samt Bewertung des bisherigen Kandidaten: Mastodon, Bluesky, Threads.
  • Instagram: So erstellst du erfolgreiche Reels
    Was ist ein Reel? Was zeichnet es aus? Und wie wird es möglichst einfach erstellt? Dieser Beitrag liefert eine perfekte Schritt-für-Schritt-Anleitung – speziell für Einsteiger.
  • LinkedIn Posts: So nutzt du die Formate
    Welche Posting-Formate gibt es bei LinkedIn? Und wie sollte ich sie am besten nutzen? In diesem Artikel finden sich gute und hilfreiche Tipps zur Länge, zu Inhalten, zum CTA etc.; schade ist nur, dass nicht angegeben wird, dass die Angaben alle aus dem Report von Richard van der Blom stammen.
  • Influencer: Disrupten KI-Models die Creator Economy?
    KI-Models überschwemmen gerade Instagram. Followerzahlen und Umsätze boomen. Die Branche wächst enorm und verändert das Influencer-Business. Und viele Menschen scheinen sich nicht daran zu stören. Mich schaudert es. OMR wirft einen Blick auf eine Branche.

D21-Digital-Index 2023/2024: Fit für die digitale Gesellschaft? Nur teilweise!

D21-Digital-Index 2023/2024: Fit für die digitale Gesellschaft? Nur teilweise!

Nur die aufgeschlossene Mitte und die zuversichtlichen Profis sind fit für die digitale Gesellschaft. Der Rest droht, nicht mit dem digitalen Wandel Schritt halten zu können. Damit ist der Weg in die digitale Gesellschaft noch weit. Dies ist das Ergebnis des D21-Digital-Index 2023/2024. Jährlich gibt er Auskunft darüber, inwiefern die Digitalisierung die verschiedenen Lebensbereiche durchdrungen hat und wie gut die Menschen ab 14 Jahren hierzulande in der Lage sind, mit den Anforderungen des digitalen Wandels umzugehen.

Wie ich in meinem jährlichen Blick auf den D21-Digital-Index schon mehrfach geschrieben habe, zählt diese Studie zu den wichtigsten Untersuchungen in Deutschland. Schließlich gibt sie gute Einblicke, die sich bei der Entwicklung einer digitalen, integrierten Kommunikationsstrategie nutzen lassen. So hilft es beispielsweise, anhand der 6 geschilderten Personas die digitalen Kompetenzen der eigenen Zielgruppen besser einzuschätzen. Darum will ich mich auch auf die Punkte aus der aktuellen Ausgabe fokussieren, die strategisch besonders relevant sind.

  • Der Digitalisierungsgrad: Dieser hat sich mit 58 von 100 Punkten im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert und hängt im Mittelfeld fest. Zwar können immer mehr Menschen in Deutschland an der digitalen Welt teilhaben. Jedoch sinkt deren Fähigkeit, künftig mit dessen Entwicklungen Schritt zu halten. Dies liegt daran, so die Studienmacher, „dass die deutsche Bevölkerung zwar an vielen Stellen bereits »kann«, aber nicht unbedingt »will«.“ Dies betrifft insbesondere die Generationen X und älter. Große Unterschiede beim Digitalisierungsgrad zeigen sich ebenfalls zwischen den Bildungsniveaus. Einfach gesagt: je geringer die Bildung, desto geringer auch der Digitalisierungsgrad.
Die digitalen Basiskompetenzen beim D21-Digital-Index 2023/2024
  • Digitale Kompetenzen: Digitale Kompetenzen sind eine wichtige Voraussetzung, damit sich die Menschen souverän in der digitalen Welt bewegen. Doch tut sich hier ein kräftiger Gap auf. Gerade einmal 50 Prozent der Bevölkerung verfügt über digitale Basiskompetenzen, wenn auch mit leicht positiver Tendenz. Während die »Digitalen Profis« über fortgeschrittene digitale Kompetenzen verfügen und auch die »Digitale Mitte« mit dem digitalen Wandel Schritt halten kann, nehmen die »Digitalen Vermeider« praktisch nicht an der digitalen Welt teil. Noch immer gibt es viele, die das digitale Leben verdrängen, aussitzen oder ablehnen – und die aus Sicht von Kommunikationsstrategen daher über andere, eher herkömmliche Kanäle anzusprechen sind.
6 Personas beim D21-Digital-Index 2023/2024

  • Digitale Resilienz: Gerade mal 61 Prozent und damit sogar 3 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr sind für den fortschreitenden digitalen Wandel gewappnet, da sie über wichtige Resilienzfaktoren verfügen. Das bedeutet, dass nur etwa 6 von 10 Bürgern über mindestens 3 der 5 definierten Resilienzfaktoren (s. Abbildung) verfügen. Diese Resilienz sinkt besonders stark bei denjenigen, die den steigenden Anforderungen mit Rückzug statt mit proaktiver Anpassung begegnen.
Digitale Resilienz beim D21-Digital-Index 2023/2024

  • Digital Skills Gap: Die Spaltung bei der digitalen Kompetenz ist besonders groß zwischen Menschen mit formal niedriger und Menschen mit hoher Bildung. Auch im Vergleich zu den Vorjahren konnte die Lücke nicht verringert werden. Die Studie spricht von einem Stillstand, von einer Stagnation, hat sich an diesem Gap bezüglich Einstellung und digitaler Kompetenz nichts verändert. Um den Digital Skill Gap zu schließen, müssten die Menschen ihre Kompetenzlücken bewusst erkennen, um sie dann auch gezielt schließen zu können. Doch die Bereitschaft dafür bleibt begrenzt. Dass der Gap gerade auch zwischen den Generationen groß ist und bleibt, sollte nicht weiter überraschen.

  • Künstliche Intelligenz: ChatGPT scheint als einzige KI-Anwendung wirklich Bekanntheit zu genießen. Rund 18 Prozent haben es schon einmal genutzt, bei der Generation Z sind es mehr als doppelt so viele. Dies deckt sich mit den Ergebnissen aus der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie, über die ich hier bereits berichtet habe. Danach ist ChatGPT nicht zuletzt aufgrund der breiten medialen Aufmerksamkeit innerhalb kurzer Zeit bei immerhin fast der Hälfte der Bevölkerung bekannt.

  • Vogel-Strauß-Taktik: KI wird insbesondere die Arbeitswelt in den nächsten 10 Jahren gravierend verändern. 76 Prozent ist durchaus bewusst, dass dadurch Tätigkeiten und Jobs wegfallen werden. Jedoch nur 23 Prozent glauben, dass dies ihren eigenen Job betreffen könnte, was ein bedenkliches Zeichen hinsichtlich unserer eigenen Zukunftssicherheit darstellt.

  • Digitale Fortbildung: Für die Mehrheit ist es klar, dass sie künftig weitere digitale Basiskompetenzen benötigt und dass jeder und jede etwas tun muss, um Schritt zu halten. Angesichts der großen Veränderungen, die im Berufsleben durch KI erwartet werden, ist es dann aber erschreckend, dass gerade mal 18 Prozent die Weiterbildungsangebote vom Arbeitgeber genutzt haben. Damit stagniert ihr Anteil seit Jahren auf geringem Niveau. Überraschend ist der Gap im Bereich der Fortbildung bei jüngeren Generationen: Während der Anteil derer, die sich in der Generation Z informell weitergebildet haben, um 8 Prozentpunkte gestiegen ist, ist er in der Generation Y um 8 Prozentpunkte gesunken.

  • Digitale Nutzung: Die Internetnutzung liegt bei 94 Prozent. Damit hat die große Mehrheit der Deutschen Zugang zum Internet als Grundvoraussetzung für die Teilhabe an der digitalen Welt. Doch diese positiv klingende Zahl ist durchaus kritisch zu betrachten, und zwar in dreierlei Hinsicht:
    – Wir sprechen bei den 94 Prozent von »ab und zu« Nutzung, die tägliche Internetnutzung liegt laut anderer Studien gerade mal bei gut 80 Prozent.
    – Noch immer haben nicht alle einen Zugang zu den digitalen Möglichkeiten, was sich gerade bei ärmeren Bevölkerungsschichten zeigt: Während einkommensstarke Haushalte praktisch alle online sind, haben einkommensschwache Haushalte deutlich seltener einen Zugang zum Netz.
    – Seit Abflachen der Corona-Pandemie stagniert die Ausbreitung des Online-Lebens auf hohem Niveau. Auch bei der mobilen Nutzung setzt sich 2023 der starke Anstieg der vergangenen Jahre nicht fort.

Fazit: Die Spaltung der Gesellschaft besteht folglich weiterhin. Vor allem läuft der Spalt immer stärker zwischen denjenigen, die eine positiv-optimistische Grundhaltung einnehmen und denjenigen, die der fortschreitenden Digitalisierung distanziert bis ablehnend-skeptisch gegenüberstehen. Das heißt: Jeder Wandel beginnt vor allem im Kopf.

Gedankenspiele: 3x Studien, 6x Instrumente, 1x Snapchat

GEDANKENSPIELE: 3x TRENDS, 4x SOCIAL MEDIA, 3x KI & MORE

Der Beginn jedes Jahres beginnt immer mit Vorsätzen: Mehr Partys, weniger Schlafen, lecker Essen, denn das Leben ist zu kurz. Oder: Mehr Entspannen, weniger Arbeiten, bewusster Leben, damit das Lebe­n lang bleibt.

Statt solcher Vorsätze habe ich lieber ein kleines Projekt gestartet: Mein Bahntagebuch2024. Denn Bahnfahren kann so schön sein; wenn es nicht immer diese Verspätungen und andere Nervereien gäbe. Aber ist es wirklich so? Also mache ich einen kleinen Selbstversuch.

Auch ansonsten habe ich wieder 10 Lesetipps und Trends rund um die aktuelle Kommunikationsbranche zusammengestellt. Enjoy it!

Trends.

  • 10 non-obvious trends you need to consider
    Eine Generation Z, die immer stärker über die Social-Media-Kanäle sucht, eine Generation Alpha, die ihre eigene Plattform braucht, Discord, das TikTok bei der GenZ den Rang abläuft und Communitys als die Zukunft des Marketings: 10 spannende Trends, die der US-Marketer Mark Schaefer beobachtet.
  • 9 Social Media Trends 2024
    Nischenplattformen, private Gruppen, Entertainment, Social meets SEO und KI-Content: Ein guter Überblick über Social Media Trends, der sich auch mit meinen Beobachtungen decken und in meinem nächsten Buch verarbeitet sind.
  • 4 Kommunikations-Trends 2024
    KI vs. Authentizität, Nachhaltigkeit, Dark Social und das große Social-Media-Aufräumen: Auch diesen Trends kann ich nur zustimmen, wenn ich mir die aktuellen Entwicklungen ansehe. Darum lohnt es, sich mit diesen 4 Trends etwas näher auseinanderzusetzen.

Social Media.

  • Twitter: Braucht es einen Nachfolger?
    Mastodon, Bluesky, Threads: Wer macht das Rennen als Nachfolger von Twitter? Oder ist es letztendlich X selbst? Dieser Vergleich der Herausforderer lässt den Sieger offen. Vielleicht benötigen wir auch gar keinen.
  • Soziale Netzwerke: Schnell, bunt, umstritten
    Auch bei Stiftungen gehören die sozialen Medien in den kommunikativen Werkzeugkasten. Doch die Arbeit wird immer schwieriger, erfordert sie entsprechende Ressourcen und schnelle Reaktionen auf die Veränderungen. Wie gehen die Organisationen damit um? Einige Beispiele.
  • Lohnt Facebook? 135 Medien im Vergleich
    Es wird immer wieder geschrieben, dass die Reichweiten bei Facebook eingebrochen sind. Lohnt sich für Publisher Facebook noch? Spannende Analyse des Traffics mit guten Schlussfolgerungen für die eigene Strategie.
  • YouTube: Fakten, Daten, Zahlen
    Viele Organisationen behandeln YouTube nur als Ablageort für ihre gedrehten Videos. Welche großen Chancen sie dadurch vergeben, verdeutlichen einige dieser eindrucksvollen Zahlen zur YouTube-Nutzung weltweit und in Deutschland.

KI & more.

  • Wie KI das Internet kaputt macht
    Eine Welle von Schrott- und Klau-Content rollt auf uns mit der KI-Welle zu, so die Computerwoche. Gerade auf Basis bestehender Texte und einfacher Prompts lassen sich in Sekundenschnelle Inhalte kopieren, minimal anpassen und verbreiten. Was ist künftig noch echt und was geklaut?
  • 8 KI-Newsletter, die ein Abo lohnen
    Welche neuen Trends gibt es in der KI-Branche? Wo finde ich Tutorials und die richtigen Tools? Wie kann ich mich über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden halten? Zum Beispiel über einige der hier vorgestellten E-Mail-Newsletter.
  • Words that a text is written by AI
    Transformative, foster, tapestry, all about, think of x as …, it’s like … : All dies sind typische Begriffe, an denen erkenntlich ist, dass bei dem Text zumindest sehr stark mit KI gearbeitet wurde. Ob es solche Begriffsliste auch für die deutsche Sprache gibt?

Mein #Bahntagebuch2024

Mein #Bahntagebuch2024

Es gibt kaum eine Reiseform, die so entspannend und gleichzeitig ökologisch sein kann, wie eine Fahrt mit der Deutschen Bahn. Und gibt kaum eine Marke, die so häufig und heftig in der Kritik steht, wie die Deutsche Bahn: Unpünktlich, schlecht informierend, unsauber und vieles mehr. Doch was ist davon wirklich berechtigt? Was ich wirklich wahr? Was ist nur gefühlt? Also begebe ich mich mal wieder auf die Suche nach einigen Fakten.

Als regelmäßiger Bahnfahrer und Bahn-Fan habe ich mich daher entschieden, wieder ein kleines Bahntagebuch zu führen und hier zu publizieren. Warum wieder? Weil ich dies bereits 2020 gemacht hatte – damals etwas eingeschränkt und erschwert durch Corona. Darin werde ich schön transparent in zeitlicher Reihenfolge alle meine Fahrten aufführen – sowohl die pünktlichen, die positiven, die schönen Fahrten als auch die verspäteten, belastenden, zeit- und nerven-raubenden Momente. Und auch die Gründe für die eventuellen Verspätungen werde ich hier aufzählen – zumindest so weit sie angegeben werden. Ende 2024 werde ich dann Fazit ziehen können, um wirklich herauszufinden, wie pünktlich die Bahn war. Zumindest aus meiner ganz persönlichen Sicht.

Um das Ganze noch übersichtlicher zu machen, werde ich in meinem Bahntagebuch
– alles, was pünktlich ist (max. 3 Minuten Abweichung), in Grün markieren,
– alles, was eine Verspätung von bis zu 20 Minuten hat, in Orange markieren und
– alles andere – ich weiß, nicht überraschend – in der Farbe Rot leuchten lassen.

Apropos Verspätung: Liebe Deutsche Bahn, auch Verspätungen von drei Minuten sind bei mir Verspätungen. Nicht so wie bei Euch!

Eine möglichst gute, pünktliche und reibungslose Fahrt wünsche ich mir selbst

Dominik, der Bahnfahrer

Meine Fahrten 2024

Datum | Fahrtstrecke | Zugnummer | geplante Abfahrtzeit (wirkliche Abfahrtszeit) – geplante Ankunftszeit (wirkliche Ankunftszeit) | Anmerkung

Monat Februar 2024

Monat Januar 2024

Echt oder unecht? Das ist in KI-Zeiten die Frage.

Echt oder unecht? Das ist in KI-Zeiten die Frage.

Vor kurzem durfte ich auf einem Forum einem Vortrag lauschen – über Content, KI und Recht. Natürlich sprachen wir auch über die Möglichkeiten, die über das Thema Texterstellung hinausgehen. Beispielsweise über Bilder, Videos und Audios, die mit menschenähnlichen Stimmen, Tönen und Texten versehen werden – inkl. der Chancen und des Missbrauchs. Steuern wir also auf eine Zeit zu, in der wir nicht mehr zwischen echt oder unecht entscheiden können? Ein längeres Gedankenspiel über eine Entwicklung, die immer mehr an Fahrt zunimmt und mich nachdenklich zurücklässt.

Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich begrüße Sie zur Tagesschau„, erklärt Jens Riewa zum typischen Sound des „Tagesschau“-Jingle. „Heute möchten wir uns bei Ihnen entschuldigen“, führt der Tagesschau-Sprecher fort. „Seit über drei Jahren lügen wir Ihnen dreist ins Gesicht.“

So beginnen einige im Netz kursierende Aufnahmen, die zeigen wollen, wie sich Jens Riewa und seine Kollegin Susanne Daubner für die angeblichen Lügen entschuldigen, die der Sender in den vergangenen Jahren verbreitet habe, speziell zu den Themen Corona und Ukraine-Krieg.

Doch diese Aufnahmen sind Fake, die Stimmen manipuliert. Hier werde die bekannteste deutsche Nachrichtensendung dafür „ausgenutzt, um gezielt Desinformation zu verbreiten“, so Marcus Bornheim, Chefredakteur von ARD-aktuell.

Gefälschte Videos, gefälschte Stimmen, gefälschte Menschen

Doch vielen Menschen haben sich täuschen gelassen, in einem Land, in dem die digitale Bildung und der gelernte Umgang mit digitalen Medien nicht gerade an erster Stelle steht? Oder anders herum gefragt: Können wir uns eigentlich auf die Wirklichkeit verlassen, so wie wir sie wahrnehmen? Vor allem, da wir doch erst am Anfang eines neuen Zeitalters stehen, in dem uns KI mit großartigen Chancen aber auch sonderbaren Blüten begleiten wird?

Denn der ARD-Case ist kein Einzelfall. Wie gut sich Werbevideos per KI immer besser fälschen lassen, zeigt ein zweites Beispiel: Wieder im deutschen Fernsehen, wieder ein öffentlich-rechtlicher Kanal, dieses Mal das ZDF und News Anchor Christian Sievers. In einem Video im Design des Heute-Journals im ZDF-Nachrichtenstudio scheint Sievers öffentlich für ein Finanzprodukt zu werben:

„Wir sprechen von einer neuen KI-gestützten Anlage-Plattform, die bereits Millionen von deutschen Bürgern zur Verfügung steht und ihnen hilft, mit minimalen Investitionen große Geldsummen zu verdienen.“

Natürlich ist es nicht Sievers selbst, sondern ein „digitaler Klon“, der hier lippensynchron berichtet; natürlich sind es nicht die Heute-Nachrichten, sondern ein per KI erstelltes Video mit der geklonten Stimme von Christian Sievers und ganz im ZDF-Design. Auf X schreibt Sievers dazu:

„Der Typ sieht aus wie ich, klingt (fast) wie ich. Aber ich bin es nicht wirklich… Echt nicht. Vorsicht, fiese Betrugs-Masche mit KI in soz. Medien. Schlimme neue Welt. Und von Facebook und Co: Nur Achselzucken.“

Gefakte Promis als Werbe-Testimonials

Auch wenn sich der Fake anhand der bunten Zahlen im Untertitel des Videos leicht erkennen lässt: der Clip belegt, wie weit die Entwicklung im Bereich KI bereits ist, um Videos mit prominenten Köpfen, gefälschten Bildern und geklonten Stimmen künstlich zu generieren; auch, um diese Fakes mit Prominenten dann als Werbung für eigene Produkte einzusetzen. Dies zeigt auch ein drittes Beispiel aus den USA.

Dort hat die KI-App Lisa AI Original-Filmmaterial der US-Schauspielerin Scarlett Johansson dafür genutzt, um in einem Werbespot auf X für die eigene App zu werben – selbstverständlich ohne ihr Wissen und damit unerlaubt. Dazu lächelt sie in die Kamera:

„Was geht ab, Leute? Hier ist Scarlett. Und ich möchte, dass ihr mit mir kommt ….“

Im Anschluss ist weiterhin ihre Stimme zu hören, die für die App wirbt und ihre Chancen lobt. Doch es ist nicht Scarlett, sondern ein KI-Abbild; und es ist nicht ihre Stimme, sondern eine künstlich generierte, geklonte Version ihrer Stimme. Dass sie rechtlich gegen die hinter der App stehende Firma vorgeht, ist nicht überraschend. Und dass der KI-Hype die gesamte Entertainment-Branche aufgeschreckt hat, spiegelt sich im Streik in Hollywood letzten Sommer wider.

Der Boom der KI-Tools

Denn Johansson ist nur ein Beispiel für eine Reihe an Prominenten gerade in den USA, deren Bilder und Stimmen unerlaubt verwendet wurden. Dieser Missbrauch ist eng mit den immer stärker sich verbreiteten KI-Instrumenten zu sehen, die sich immer häufiger dafür rühmen, das echte Leben möglichst realistisch und praktisch 1-zu-1 abbilden zu können.

Beispiel Microsoft: Der aktuell führende KI-Konzern hat einen neuen Text-to-Speech-Avatar vorgestellt, über den sich „realistische sprechende Avatare von echten Personen“ erstellen lassen. Dass solche Entwicklungen Deepfakes und geklonten Stimmen erleichtern, diese Gefahren liegen auf der Hand.

Ist das die Zukunft des Influencer Marketings?

Doch zurück zu Sievers Warnung: „Fiese Betrugs-Maschine mit KI in sozialen Medien“ schrieb er auf X. Doch wenn die Erstellung von AI-Klonen immer leichter wird, was bedeutet dies dann für ein Social Media Marketing? Für ein Influencer Marketing? Mit virtuellen, KI-generierten Influencern?

Virtuelle Influencer gibt es schon seit vielen Jahren. Lil Miquela, Noonoouri, Kami oder Imma sind teils bereits seit 2017 insbesondere auf Instagram „aktiv“. Selbst wenn es in ihren Profilen meist zu lesen ist, dass es sich um künstliche und nicht um echte Figuren handelt, hat dies ihrer Beliebtheit nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Die rein künstlichen Figuren dienen Unternehmen vielfach als Werbefiguren in einem erweiterten Influencer Marketing. Gerade bei der Ansprache junger Menschen sind sie zu einem festen Bestandteil der Kommunikations- und Marketingstrategie geworden.

Ist es den Menschen also fast schon gleichgültig, ob sie mit einem realen Menschen oder einer virtuellen Figur kommunizieren?

KI: Preiswert, schnell und einfach steuerbar

Kein Wunder, dass die KI-Welle dem Bereich virtuelle Influencer einen neuen Schub verliehen hat. Schließlich erleichtern es die KI-Bild-Generatoren, Szenarien zu konzipieren und umzusetzen – und zwar preiswert, schnell und einfach steuerbar. So können die dahinterstehenden Marketingteams diese noch stärker auf die Bedürfnisse der anvisierten Zielgruppen zuschneiden.

Figuren wie YUNA sind dazu teils extrem realistisch gestaltet, sodass die Grenzen zwischen Realität und Virtualität, zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen Menschen und Maschinen immer stärker verschwimmen. Werden damit auch im Influencer-Marketing die Grenzen zwischen echtem und virtuellem Content fallen? Gerade wenn es gelingt, eine Form von emotionaler Verbindung zwischen der künstlichen Figur und den Fans und Followern zu kreieren, aufzubauen und zu pflegen?

In der Welt der KI-Influencer

Anders gefragt: Ist dies eine Frage der Ethik, wenn es nicht mehr darum geht, als Mensch aus Fleisch und Blut eine Reichweite mit persönlichen Themen und Anliegen aufzubauen? Sondern wenn scheinbar menschliche Persönlichkeiten nur noch auf Unternehmensziele getrimmt werden, um junge Zielgruppen gezielt anzusprechen? Oder ist es letztendlich jedermanns eigene Entscheidung, ob er es glaubt oder nicht?

Gerade wenn KI-Influencer von ihren persönlichen Erfahrungen erzählen, von Streit und Liebe, von Familien und Freunden, um die Nähe zu ihrem Publikum aufzubauen, dann wird die Trennung zwischen Mensch und Maschine immer schwieriger zu erkennen. Muss dann nicht noch mehr Wert auf Transparenz gelegt werden, um jegliche Irreführung zu vermeiden?

KI-Doppelgänger als Einnahmequelle

Das Thema KI-Influencer dürfte in den nächsten Jahren deutlich an Fahrt aufnehmen. So haben einige Semi-Prominente und Influencer dies als neue Erlösquelle entdeckt. Denn wie wäre es denn, die eigene Stimme zu lizenzieren, um auf diese Weise viel einfacher Medienpartnerschaften durchzuführen? Diesen Weg geht beispielsweise die Snapchat-Influencerin Caryn Marjorie, die sich unter dem Namen „Caryn.ai“ als „virtual girlfriend“ andient, wie OMR berichtet. Dazu wurde Caryns Sprache und Persönlichkeit in eine AI-Erfahrung umgewandelt – mit ihrer eigenen Stimme.

„Caryn AI brings you a dynamic, one-of-a-kind interaction that feels like you’re talking directly to Caryn herself“, heißt es zu ihrer Figur. Und dies von überall her zu jeder Zeit: „Engage with Caryn AI in real-time through secure messaging, and enjoy private, personalized conversations with your favorite influencer.“

Wenn immer mehr StartUps entstehen, die diese Umwandlung in eine AI-Persönlichkeit ermöglichen: Wie wollen wir künftig noch wissen, ob hinter dieser „Figur“ ein Mensch oder ein KI-Bot steht, ob wir gerade mit dem Promi chatten oder seinem KI-Doppelgänger? Vor allem wenn diese Figuren mittels KI-basierter Übersetzungs-Tools noch alle Sprachen beherrschen? Oder ist dies den Menschen egal – ganz nach dem hier angepassten Bonmot: Mensch oder Maschine, Hauptsache Promi?

Der Ruf nach Verantwortung

Welche Verantwortung haben hier die Plattformen? Und die KI-Tools? Ein Beispiel. Adobe bietet teils täuschend echte, aber KI erzeugte Bilder zum Krieg zwischen Israel und der Hamas an, die jeder mit einer einfachen Suchanfrage sofort findet. Das Problem: Während sie auf der Stockfoto-Bibliothek von Adobe als „generiert mit KI“ gekennzeichnet sind – zumindest auf der Detailansicht –, fehlt auf der Übersichtsseite sowie im Netz jeglicher Hinweis, obwohl sich die Bilder doch gerade auf den Social-Media-Kanälen am schnellsten verbreiten und für viel Aufregung und Verwirrung sorgen.

Doch warum bietet ein Unternehmen KI-generierte Bilder zu solch einem hoch sensiblen Thema überhaupt an? Konnte es nicht schon ahnen, was mit diesen Bildern im Netz passieren würde? Schließlich finden Kriege samt Propaganda auf allen Seiten heute verstärkt im Netz statt. Müssten Stockfoto-Anbieter ihren Umgang mit KI-generierten Inhalten nicht komplett überdenken? Dringend!

Erste positive Ansätze

Dazu sind die ersten Schritte sichtbar – und zwar bei YouTube. Dort hat sich der Anteil an KI-generiertem Video-Content deutlich erhöht. Einerseits sieht YouTube in Generative KI ein Instrument der Kreativität; andererseits auch Gefahren für die Community. Auf diese Herausforderung wird YouTube mit einer neuen Kennzeichnung reagieren. YouTube-Creator müssen künftig KI-generierte Inhalte kennzeichnen. So heißt es:

“Over the coming months, we’ll introduce updates that inform viewers when the content they’re seeing is synthetic. Specifically, we’ll require creators to disclose when they’ve created altered or synthetic content that is realistic, including using AI tools. This is especially important in cases where the content discusses sensitive topics, such as elections, ongoing conflicts and public health crises, or public officials.”

Dies bedeutet keineswegs ein Verbot von KI-Inhalten. Vielmehr müssen dies Creator klar offenlegen – insbesondere dann, wenn sie synthetische Inhalte kreieren, die sensitive aktuelle Inhalte betreffen. Wer dem nicht folgt, muss mit Konsequenzen rechnen, die bis zur Löschung des Videos und Sperrung des Accounts reicht.

“Creators who consistently choose not to disclose this information may be subject to content removal, suspension from the YouTube Partner Program, or other penalties.”

Zudem erhalten YouTube-Nutzer die Möglichkeit, KI-generierte Inhalte zu melden und damit die Verbreitung manipulierter Inhalte auf der Plattform einzugrenzen.

Fazit: Vom Ende menschlicher Kommunikation

Im Mai 2023 schrieb ich ein Gedankenspiel über das „Ende der menschlichen Kommunikation“. Dieses und das damalige Gedankenspiel haben eine große Gemeinsamkeit. Hinter beidem steht die große Frage: Echt oder unecht? Mensch oder Maschine? Emotionen oder Automatismen? Damals schrieb ich:

Warum kommuniziere ich mit euch allen per Messenger, auf Instagram, auf LinkedIn? Ganz einfach: Weil ich mich für die Menschen interessiere – ihre Texte, ihre oft auch anderen Meinungen, ihre Einschätzungen, ihre Erkenntnisse, ja, besonders auch die ganz persönlichen, individuellen Noten. Und egal, wie mich Inhalte erreichen – ob per Mail, per WhatsApp, auf LinkedIn oder Twitter – all diese sind immer ganz eng mit etwas verbunden: Einem Menschen, der dahintersteckt, also ein kluger Kopf, wie die FAZ früher mal in einer Werbung titelte. Doch bleibt dies so?

Geht es nicht in der Kommunikation um den Aufbau und die Pflege von menschlichen, privaten wie beruflichen Kontakten? Oder unterhalten sich künftig zwei KIs miteinander, wie das Bild zu meinem damaligen Gedankenspiel zeigte? Also ohne die Menschen? Und brauchen wir die Menschen dann dazu noch?

Vielleicht müssen wir mal ganz anders denken: Die KI-Tools scheinen es sich auf die Fahne geschrieben, möglichst genau die Menschen zu imitieren. Warum eigentlich, fragt der Sprecher Kassi Wolf auf LinkedIn? Warum will denn KI unbedingt menschlich klingen? „Könnte sie nicht eine eigene Ästhetik haben? Sympathisch, charismatisch aber definitiv nicht-menschlich?“

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