ARD-ZDF-Online­stu­die 2022: 11 Schlussfolgerungen.

ARD-ZDF-Online­stu­die 2022: 11 Schlussfolgerungen.

Die ARD-ZDF-Online­stu­die zählt zu den wich­tigs­ten Stu­di­en in Deutsch­land, was das hie­si­ge Medi­en­ver­hal­ten betrifft. Dazu wer­den jedes Jahr rund 2.000 Men­schen ab 14 Jah­ren vor­wie­gend tele­fo­nisch über ihr Ver­hal­ten im Web und im Social Web befragt, über ihre Inter­net-Nut­zung, ihr Social Media Ver­hal­ten, ihre Strea­ming-Akti­vi­tä­ten und noch eini­ges mehr. Vor gut einer Woche erschien die 2022er-Ver­si­on, die im Zeit­raum vom 7. März bis 10. April durch­ge­führt wur­de. Grund­sätz­lich hat sich der Medi­en­kon­sum im Inter­net deut­lich erhöht – ob in Form von Tex­ten, bei Audio oder Video. Doch eini­ge Zah­len las­sen mich zwei­feln, ver­zwei­feln und grund­sätz­lich posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen anzwei­feln. Ein Gedan­ken­spiel zu zen­tra­len Ergeb­nis­sen und den dar­aus resul­tie­ren­den Kon­se­quen­zen für eine stra­te­gi­sche digi­ta­le wie auch ana­lo­ge Kommunikation.

1) Deutsch­land bleibt eine gespal­te­ne Online-Gesellschaft.

Ergeb­nis: Auch wenn sich die täg­li­che Online-Nut­zung von 76 auf 80 Pro­zent erhöht hat – und dies nach vie­len Jah­ren wie­der etwas stär­ker -, so sind wei­ter­hin 20 Pro­zent nie oder nur sel­ten online. Die­se Ergeb­nis­se decken sich mit dem jähr­li­chen D21-Digi­tal-Index der Initia­ti­ve D21, die die hie­si­ge digi­ta­le Gesell­schaft in Digi­tal Abseits­ste­hen­de, Digi­tal Mit­hal­ten­de und Digi­ta­le Vor­rei­te­rIn­nen auf­teilt. Der wich­ti­ge Hin­weis dort: Bil­dung spielt eine ent­schei­den­de Rol­le, gera­de wenn es um Digi­ta­li­sie­rung und digi­ta­le Medi­en­nut­zung geht. Die Dis­kre­panz bei Bil­dung und Alter fällt auch bei der media­len Inter­net­nut­zung in der ARD-ZDF-Online­stu­die auf: So nutzt die jüngs­te Grup­pe (14–29 J.) das media­le Inter­net fast 6‑mal so lang wie die ältes­te (70 Jah­re plus) – 4 Stun­den 44 Minu­ten vs. 49 Minuten.

Kon­se­quenz: Wir benö­ti­gen wei­ter­hin eine inte­grier­te Kom­mu­ni­ka­ti­on. Gera­de Orga­ni­sa­tio­nen, die Per­so­nen mit gerin­ge­rer Bil­dung bzw. älte­re Men­schen als Ziel­grup­pe defi­nie­ren, müs­sen Off­line-Maß­nah­men drin­gend inte­grie­ren — und dies vor dem Hin­ter­grund einer sehr stark altern­den Gesellschaft.

2) Social Media hat sich wei­ter etabliert.

Ergeb­nis: Die Hälf­te der Deut­schen nutzt die Social-Media-Platt­for­men regel­mä­ßig. Bei der täg­li­chen Nut­zung folgt wei­ter­hin Insta­gram vor Face­book, Snap­chat, Tik­Tok und Twit­ter. Augen­schein­lich sind die hohen Wachs­tums­ra­ten bei Tik­Tok (von 5% auf 8%), Twit­ter (von 2% auf 4%) und Face­book (von 15% auf 20%).

ARD-ZDF-Online­stu­die 2022: Nut­zung von Social Media 

Kon­se­quenz: Dass die Befra­gung vor Elon Musks Macht­über­nah­me bei Twit­ter erfolgt ist, hat den posi­ti­ven Wachs­tums­zah­len sicher­lich nicht schlecht getan. Dies gilt spe­zi­ell für Twit­ter in Deutsch­land. Ansons­ten zeigt sich wei­ter­hin, dass künf­tig jede jun­ge bis mit­tel­al­ter­li­che Ziel­grup­pe ihr eige­nes Netz­werk hat, was es par­al­lel mit Con­tent anzu­spre­chen gilt, was wie­der­um den Auf­wand deut­lich erhöht.

3) Face­book jagt Insta­gram erfolgreich.

Ergeb­nis: Die­se – ver­kehr­te – Welt ver­wun­dert mich wirk­lich stark: Nach­dem in den letz­ten Jah­ren Insta­gram Schritt und Schritt und dann immer stär­ker Face­book als Platz­hirsch unter den Netz­wer­ken bei der täg­li­chen Nut­zung abge­löst hat, holt Face­book laut Stu­die jetzt wie­der auf. Ganz offen: Dass die täg­li­che Face­book-Nut­zung von 15 auf 20 Pro­zent und damit um 33 Pro­zent, wäh­rend Insta­gram von 18 nur auf 21 Pro­zent ange­stie­gen ist, die­ses Ergeb­nis kann ich mir selbst kaum erklären.

Kon­se­quenz: Da ich mir die Zahl über­haupt nicht erklä­ren kann, blei­be ich mit Fol­ge­run­gen etwas vor­sich­tig und war­te lie­ber die 2023er-Zah­len der ARD-ZDF-Online­stu­die ab. Ein­zi­ge Aus­sa­ge: Dass man Face­book nicht abschrei­ben soll­te, ist den meis­ten eigent­lich klar. Nur: War­um dann immer die­se Abge­sän­ge auf das blaue Netz­werk, lie­be Face­book-Unter­gangs­be­schwö­re­rin­nen und ‑autoren, nur weil ihr selbst nicht mehr dort aktiv seid?

4) Snap­chat wird wei­ter­hin falsch eingeordnet.

Ergeb­nis: Snap­chat wird von den Stu­di­en-Machern unter Social Media Ange­bo­te ein­ge­ord­net. Und als eines der am stärks­ten wach­sen­den gezeigt. Nur: Wer sich mit Snap­chat-Usern näher aus­ein­an­der­setzt und viel mit ihnen spricht, wird mer­ken, dass die meis­ten Snap­chat weni­ger als Social-Media-Kanal per Sto­rys, son­dern vor allem als ein Mes­sen­ger-Dienst für klei­ne­re Freun­des­grup­pen nut­zen. Dies erklärt auch die für vie­le über­ra­schend hohen Zahlen.

Kon­se­quenz: Was bedeu­tet dies? Snap­chat soll­te – wenn über­haupt – inner­halb von Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Mar­ke­ting­stra­te­gien eher im Bereich der Mes­sen­ger-Stra­te­gie und nicht unter Social Media Maß­nah­men ver­or­tet sein.

5) Den Deut­schen ist der Daten­schutz gleichgültig.

Ergeb­nis: Nur so lässt sich erklä­ren, war­um Whats­App mit 82 Pro­zent wöchent­li­cher Nut­zung so klar den Markt domi­nie­ren kann. Noch deut­li­cher wird es auf täg­li­cher Ebe­ne. So nut­zen 68 Pro­zent der Deut­schen täg­lich Whats­App, aber nur sehr weni­ge die deut­lich siche­re­ren Mes­sen­ger-Diens­te wie Signal (5%), Three­ma (4%) und das teils umstrit­te­ne Tele­gram (5%). Doch wo haben sich in den letz­ten Jah­ren die Daten­skan­da­le abgespielt?

Kon­se­quenz: Solan­ge nicht die Zahl der Signal- und Three­ma-Nut­ze­rin­nen und ‑Nut­zer deut­lich stei­gert und wir auch nicht mehr selbst Whats­App als unser not­wen­di­ges und unver­meid­li­ches Lieb­lings­tool aus­er­ko­ren, soll­ten wir uns nicht als das Land der gro­ßen Moral­apos­tel bezo­gen auf Daten­schutz auf­spie­len. Glaub­wür­dig­keit benö­tigt hier ein deut­lich ver­än­der­tes Gesicht.

6) Die E‑Mail war tot, es lebe die E‑Mail.

Ergeb­nis: Der Anteil der Men­schen, die regel­mä­ßig E‑Mails nut­zen, stieg im Ver­gleich zum Vor­jahr um fast 10 Pro­zent auf 72 Pro­zent an. Dies ist ein kla­res Ergeb­nis aus der aktu­el­len ARD-ZDF-Online­stu­die. Dabei war in den letz­ten Jah­ren immer dar­über geschrie­ben wor­den, dass die E‑Mail über­flüs­sig sei und schon bald durch Slack & Co. abge­löst wur­de. Viel­leicht funk­tio­niert dies teil­wei­se im Bereich der inter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on. Für die Mehr­heit der Men­schen bleibt E‑Mail ein Tageskommunikationsmittel.

Kon­se­quenz: Lie­be Schrei­ber­lin­ge, eure Grab­re­den über den Tod der E‑Mail waren deut­lich ver­früht. E‑Mail-Mar­ke­ting und ins­be­son­de­re der E‑Mail-News­let­ter sind zen­tra­le Instru­men­te inner­halb (fast) jeder (digi­ta­len) Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie.

7) News­let­ter eta­blie­ren sich als Bindungsmedium.

Ergeb­nis: Schon die letzt­jäh­ri­ge Auf­la­ge hat­te es auf­ge­zeigt: Der E‑Mail-News­let­ter ist zurück. Gut 50 Jah­re nach der ers­ten E‑Mail – sie­he mein Blog-Bei­trag zur gol­de­nen Hoch­zeit im ver­gan­ge­nen Jahr 2021 – kann man jetzt von einem Trend spre­chen. Denn die Zahl der regel­mä­ßi­gen E‑Mail-News­let­ter-Lese­rin­nen hat sich von 21 Pro­zent auf 32 Pro­zent erhöht.

Kon­se­quenz: Immer stär­ker über­neh­men die Algo­rith­men die Macht über die Men­schen, wie ich auch in die­sem Gedan­ken­spiel “Ano­t­her End of Social Media“ län­ger aus­ge­führt habe. In die­ser Zeit wird es immer schwe­rer, Kun­din­nen und Part­ner per Social Media zu bin­den. Gera­de hier kann der E‑Mail-News­let­ter sei­ne her­vor­ra­gen­de Rol­le aus­spie­len. News­let­ter – gera­de per E‑Mail, aber auch per Mes­sen­ger oder Lin­kedIn – soll­ten daher in kei­ner Stra­te­gie feh­len, gera­de um Ziel­grup­pen an Orga­ni­sa­tio­nen und Mar­ken zu binden.

8) Audio-For­ma­te lie­gen im Trend.

Ergeb­nis: Die Audio-Nut­zung im Inter­net ist eben­falls leicht ange­stie­gen. Bei­spiels­wei­se wer­den Pod­casts min­des­tens 1x pro Woche von 30 Pro­zent (+2%) ange­hört – für Hin­ter­grund­be­rich­te, als Infor­ma­ti­ons­me­di­um, als Lern­me­di­um, zum Spaß, aber auch als rei­nes Sekun­där- und damit Hin­ter­grund­me­di­um. Stark gestie­gen ist ins­be­son­de­re die täg­li­che Audio-Nut­zung via Inter­net — bei Pod­casts oder Radio­sen­dun­gen auf Abruf von 4 auf 10 Prozent.

Kon­se­quenz: „Wie, du hast noch kei­nen Pod­cast?“ Die­ser »Scherz« hat sich in den letz­ten Jah­ren unter vie­len Unter­neh­men und Agen­tu­ren ver­brei­tet. In einem digi­ta­len Online-Mix kön­nen sie zusam­men mit Live durch­aus sinn­voll sein. Doch trotz aller Eupho­rie: Die Erwar­tun­gen an den eige­nen Pod­cast soll­ten nicht zu hoch gehängt wer­den. Ein täg­li­ches Mas­sen­me­di­um sind sie – zumin­dest auch laut die­ser Unter­su­chung – wei­ter­hin nicht. Zudem bleibt das Zeit­bud­get der Men­schen wei­ter­hin auf 24 Stun­den pro Tag beschränkt. Nicht, dass dies jemand hier vergisst ;-).

9) Text mutiert zum Star bei der Mediennutzung.

Ergeb­nis: 2 Stun­den und 40 Minu­ten – so hoch ist die media­le Inter­net­nut­zung (Text, Audio, Video) pro Tag. Dies sind immer­hin 24 Minu­ten mehr als im Vor­jahr. Vor allem fal­len die beson­de­ren Stei­ge­rungs­ra­ten beim tra­di­tio­nel­len Medi­um Text auf. So hat sich die Zahl der Nut­zer, die regel­mä­ßig Tex­te im Inter­net lesen, von 20 auf 45 Pro­zent mehr als ver­dop­pelt. Dane­ben konn­te auch Audio (von 30% auf 42%) und Video (von 36% auf 51%) neue Rekord­zah­len ver­zeich­nen. Teil­wei­se sind die­se Stei­ge­run­gen metho­den­be­dingt zu erklären.

Kon­se­quenz: Tex­ten gera­de auch für Online-Medi­en – also mein Kern­ge­biet als Coach und Buch­au­tor 😉 – wird immer wich­ti­ger. Aber nur dann, wenn man die Regeln des Online-Tex­tens für Web­sei­ten, Blogs, News­let­ter oder Social-Media-Kanä­le kennt. Wer also ein Rezept­buch oder ein Text-Coa­ching sucht, ein­fach mal bei mir anfragen …

10) You­Tube darf in kei­ner Stra­te­gie fehlen.

Ergeb­nis: 51 Pro­zent der Men­schen nut­zen täg­lich Video im Inter­net. 19 Pro­zent sehen sich Vide­os auf You­Tube an. Täg­lich! Gera­de bei You­Tube und auf sons­ti­gen Social Media Kanä­len haben sich die­se Zah­len im Ver­gleich zum Vor­jahr deut­lich erhöht. Ansons­ten gilt: „Wel­che Platt­form man auch betrach­tet, über­all lie­gen die Nut­zungs­wer­te ober­halb der im Jahr 2021 ver­zeich­ne­ten und das, obwohl sich die all­ge­mei­ne Medi­en­nut­zung ‚post-pan­de­misch‘ wie­der etwas nor­ma­li­sier­te“, so Stu­di­en­au­tor André Rho­dy.

Kon­se­quenz: Kaum ein Unter­neh­men kommt heu­te ohne Video-Stra­te­gie aus. Ganz im Gegen­teil: You­Tube soll­te ein fes­ter Bestand­teil jeder Stra­te­gie sein, da vie­le You­Tube gera­de als Such­ma­schi­ne nut­zen. Zudem spielt Goog­le die You­Tube-Ergeb­nis­se immer stär­ker in die Such­ergeb­nis­se ein, soll­ten sie den User-Intent der Suchen­den – meist die Ant­wort auf typi­sche W‑Fragen – erfül­len. Und wer will kei­ne hohe Prä­senz bei Goog­le & Co. ;-).

11) Digi­tal Detox könn­te der nächs­te Trend sein.

Ergeb­nis: Digi­tal Detox steht für eine Aus­zeit von jeg­li­chen digi­ta­len Medi­en. Und die­se ist bei uns durch­aus ver­brei­tet, so die ARD-ZDF-Online­stu­die. So haben über 40 Pro­zent schon ein­mal, schon mehr­fach eine digi­ta­le Aus­zeit genom­men. 15 Pro­zent davon schrän­ken ihre Zeit, die sie mit digi­ta­len Medi­en und Gerä­ten in ihrer Frei­zeit ver­brin­gen, sogar ganz regel­mä­ßig ein. Span­nend ist zu lesen, dass dies gera­de unter jün­ge­ren Men­schen, also bei den unter 30-Jäh­ri­gen ver­brei­tet ist: „In die­ser Alters­grup­pe haben zwei Drit­tel bis­her min­des­tens ein­mal ihre Medi­en­zeit bewusst ein­ge­schränkt. Fast genau­so vie­le haben vor, das in Zukunft zu tun.“

Kon­se­quenz: Die Zah­len ver­deut­li­chen, dass das Bewusst­sein über die Macht der Online-Medi­en bei vie­len zumin­dest ange­kom­men ist. Ob sich die­ser Trend, der erst­mals gemes­sen wur­de, wei­ter­ent­wi­ckeln wird, muss sich zei­gen. Inter­es­sant wäre es zu wis­sen, was die Befrag­ten kon­kret unter Digi­tal Detox mei­nen und über wel­chen zeit­li­chen Zeit­raum (Stun­den, Tage, Wochen etc.) sie ihre Nut­zung jeweils ein­schrän­ken. Dies lässt sich aus den aktu­el­len Stu­di­en­ergeb­nis­sen nicht her­aus­le­sen. Soll­te sich die­ser Trend wei­ter ver­stär­ken, wür­de dies stra­te­gisch zu einer gestärk­ten inte­grier­ten Den­ke in der Kom­mu­ni­ka­ti­on füh­ren müssen.

Fazit: Ano­t­her End of Social Media?

„Aktu­ell gehen Ana­lys­ten wie der ame­ri­ka­ni­sche Digi­tal­ex­per­te Scott Rosen­berg vom Beginn einer neu­en Ent­wick­lungs­pha­se von Social Media aus, in der es den Platt­for­men wich­ti­ger wird, den Men­schen attrak­ti­ve Inhal­te aus der gan­zen Welt in die Time­li­ne zu spie­len und die Bedeu­tung des soge­nann­ten Social Graph, sprich die Netz­wer­ke zwi­schen den Usern, zurückzufahren.“ 

ARD-ZDF-Online­stu­die

Die­se Aus­sa­ge ent­spricht auch mei­nen Beob­ach­tun­gen, wie ich in mei­nem letz­ten Gedan­ken­spiel beschrie­ben hat­te. Vor dem Hin­ter­grund die­ser Ent­wick­lun­gen wird es inter­es­sant zu beob­ach­ten sein, wie sich dies auf das Ver­hal­ten der Deut­schen im Netz aus­wir­ken wird. Daher freue ich mich schon auf die ARD-ZDF-Online­stu­die 2023.

Apro­pos Stu­di­en­ergeb­nis­se: Dies waren die für mich wich­tigs­ten Ergeb­nis­sen aus der ARD-ZDF-Online­stu­die. Habe ich etwas ver­ges­sen? Oder falsch inter­pre­tiert? Genau dafür ist übri­gens die Kom­men­tar­funk­ti­on da.

Ano­t­her End of Social Media?!

Ano­t­her End of Social Media?!

In den letz­ten 4 Wochen durf­te ich 4 Vor­trä­ge hal­ten: zu sehr unter­schied­li­chen Anläs­sen, zu sehr unter­schied­li­chen The­men, an sehr unter­schied­li­chen Orten. Doch mei­ne Kern­aus­sa­ge war immer die­sel­be: Das Ende von Social Media ist da, zumin­dest so wie wir Social Media bis­her kann­ten. War­um New Friends künf­tig unse­re Best Bud­dys erset­zen sol­len, dies will ich in die­sem Gedan­ken­spiel etwas näher erläutern.

Gehen wir ein paar Jah­re zurück – sagen wir zu einer Zeit, bevor gera­de Tik­Tok die Bran­che revo­lu­tio­nier­te. Wir alle hat­ten unse­re Facebook‑, Instagram‑, YouTube‑, ja sogar XING-Accounts, öff­ne­ten (fast) täg­lich unse­re Time­li­ne und lie­ßen uns von den Bei­trä­gen unse­rer Freun­de zum Lachen oder Wei­nen brin­gen, zum Flu­chen oder Amü­sie­ren oder ein­fach infor­mie­ren. Dann kam die Wer­bung. Doch das war zu erwar­ten. Dann kam Tik­Tok. Und plötz­lich wur­de alles anders.

Und nein, damit mei­ne ich nicht die Idee von Kurz­vi­de­os. Nein. Denn dies war nix Neu­es. Aber: Die Freun­de, das eige­ne Netz­werk, die per­sön­li­chen Ver­bin­dun­gen waren mit einem Schlag unnö­tig gewor­den. Wo einst Con­nec­tions sowohl für die Inhal­te als auch für die Sicht­bar­keit der eige­nen Inhal­te sorg­ten, waren es plötz­lich die Emp­feh­lun­gen eines Algo­rith­mus‘, der sich nicht mehr an bis­he­ri­gen Ver­bin­dun­gen, son­dern an Inter­es­sen orientierte.

Social Media: One-Hit-Won­der ohne Fans

Posi­tiv gesagt: Mit einem Moment war es mög­lich, mit dem ers­ten jemals publi­zier­ten Video, bes­ser Tik­Tok, eine extre­me hohe Sicht­bar­keit zu bekom­men, einen Run, oft ein One-Hit-Won­der, auf jeden Fall mit hohen Abruf­zah­len. Weil der Algo­rith­mus die­sen Bei­trag so schätz­te, weil die gespiel­ten Inhal­te, die Hash­tags, ja sogar der Sound auf der Platt­form aktu­ell so beliebt waren. Und die eige­ne Com­mu­ni­ty? Die­ser eige­ne Fan­kreis spiel­te kei­ne Rol­le; okay, beim ers­ten Video gab es die­sen eh noch nicht. Das heißt: Die algo­rith­mi­sche Beliebt­heit des Con­tents hat­te das mensch­li­che Gesicht des Netz­wer­kes ersetzt.

Und was pas­sier­te? Gera­de die jun­gen Men­schen – und nur auf die­se haben es die Netz­wer­ke abge­se­hen, wie ich es kürz­lich in einem ande­ren Gedan­ken­spiel geschil­dert hat­te – waren begeis­tert. Die App-Down­loads und Auf­ru­fe gin­gen durch die Decke, Insta­gram ver­lor beträcht­lich an Sicht­bar­keit und vor allem an Ver­weil­dau­er, und Mark Zucker­berg brüll­te ver­zwei­felt: Wir müs­sen jün­ger wer­den – und dies auf allen Netz­wer­ken. Gesagt, getan.

New Friends statt Best Buddies

Also ver­ab­schie­de­ten sich Insta­gram und Face­book von „unse­rem“ Social Media, also von den Inhal­ten und Inter­ak­tio­nen ver­bun­de­ner Freun­de, Fans und Fol­lower. Sie shif­te­ten um zu einem von Algo­rith­men domi­nier­ten, auf Emp­feh­lun­gen basie­ren­den Modell der Con­tent-Dis­tri­bu­ti­on – mit Fokus auf Video. So mein­te Mark Z: „Eine der wich­tigs­ten Ver­än­de­run­gen in unse­rem Geschäft besteht dar­in, dass sozia­le Feeds nicht mehr in ers­ter Linie von den Accounts, denen man folgt, ange­trie­ben wer­den, son­dern zuneh­mend von KI, die Inhal­te emp­fiehlt, die man auf Face­book oder Insta­gram inter­es­sant fin­det, selbst wenn man den Creatorn nicht unbe­dingt folgt.“ 

Die­se Umstel­lung läuft auf Hoch­tou­ren, sodass laut Mark bis Ende 2023 der KI-Anteil schon 30 Pro­zent betra­gen soll. Und auch wenn Kylie Jen­ner, der Kar­da­shi­an-Clan & Co. laut schrien: „Wir wol­len die Bil­der unse­rer Freun­din­nen und Freun­de zurück“, blie­ben Zuck, Adam Mos­se­ri & Co. hart: Die Welt ver­än­dert sich, und Insta­gram und Face­book müs­sen sich dem anpas­sen. Wobei sie mit dem Ver­än­dern natür­lich Tik­Tok meinten.

Friend graphs can’t com­pe­te in an algo­rith­mic world

Plötz­lich lan­de­ten wir über­all in der­sel­ben Con­tent-Bla­se, da sich die ein­ge­spiel­ten Inhal­te am bereits aus­ge­spiel­tem und belieb­tem Con­tent ori­en­tier­ten. Wie lang­wei­lig. War­um soll­ten wir über­all das Glei­che mit­tels der glei­chen For­ma­te, Fil­ter, Sounds, Vor­la­gen pos­ten und sehen? Natür­lich wie­sen uns die Platt­for­men eif­rig dar­auf hin, dass wir weit mehr als unse­re Bla­se erle­ben konn­ten. Aber erreich­te dies uns?

Die Netz­wer­ke lob­ten, dass wir auf die­se Wei­se Men­schen – Creators – bes­ser errei­chen könn­ten, die uns noch nicht kann­ten. Aber was war mit unse­ren Con­nec­tions? Das Gan­ze wirk­te plötz­lich so, als wür­den wir von den Par­tys unse­rer Best Bud­dys aus­ge­la­den wer­den und statt­des­sen zu wild­frem­den Par­tys geschickt wer­den, um neue Men­schen ken­nen­zu­ler­nen. Aber wol­len wir das? Und ver­ste­hen wir unter dem Begriff „social“ nicht gera­de auch die Bezie­hungs­pfle­ge mit Friends? „Friend graphs can’t com­pe­te in an algo­rith­mic world“, schreibt Micha­el Migna­no in sei­nem bemer­kens­wer­ten und von mir bereits öfters zitier­ten Essay.

Unter­neh­men ab in den Extra-Feed

Was ler­nen wir dar­aus? Ja, das Ziel die­ser Tik­Toki­fi­ca­ti­on ist ein­deu­tig: Men­schen sind nicht mehr so wich­tig. Die Recom­men­da­ti­ons der Algo­rith­men mit aktu­el­lem Fokus auf Kurz-Vide­os bestim­men die Inhal­te. Und die Posts unse­rer Friends & Fol­lo­wers? Die wer­den wie bei Face­book in die Neben-Feeds ver­bannt. Und die Inhal­te unse­rer sorg­fäl­tig auf­ge­bau­ten Grup­pen? Lan­den eben­falls in den Neben­feed, den kaum jemand wahr­neh­men wird.

Und die Sei­ten der Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen, die über die Jah­re so sorg­fäl­tig gefüt­tert wor­den waren, mit Inhal­ten, mit viel Zeit, mit inten­si­vem Com­mu­ni­ty Manage­ment und mit noch mehr Wer­be­gel­dern hoch­ge­züch­tet? Ja, auch die­se bekom­men ihren Extra-Feed – im Abseits. Und sind damit weg aus dem Auf­merk­sam­keits­fens­ter des Haupt-Feeds. Und damit auch der bis­he­ri­gen Fans, Fol­lower, Kun­din­nen, Part­ner, Interessenten.

Vide­os für die jün­ge­ren, Ads für die Älteren

Hmmm, was soll ich denn jetzt als Unter­neh­men machen? „Schal­te Ads“, schrei­en Face­book, Insta­gram & Co. „Mache Reels, Shorts und Tik­Toks“, rufen die Social Media Coa­ches und Agen­tu­ren. Und wenn ich über kein gutes Video­ma­te­ri­al ver­fü­ge, zumin­dest nicht kon­ti­nu­ier­lich? Pech gehabt. Und wenn mei­ne – dam­ned … – älte­re Ziel­grup­pe kein wirk­li­cher Fan von Kurz-Vide­os ist? Bekommt sie trotz­dem. Scha­de um sie. Zudem blei­ben ja noch die Ads.

Hmmm, was soll ich denn jetzt als Unter­neh­men machen? „Schal­te Ads“ schrei­en Face­book, Insta­gram & Co. „Mache Reels, Shorts und Tik­Toks“ rufen die Social Media Coa­ches und Agen­tu­ren. Und wenn ich über kein gutes Video­ma­te­ri­al ver­fü­ge, zumin­dest nicht kon­ti­nu­ier­lich? Pech gehabt. Und wenn mei­ne – dam­ned … – älte­re Ziel­grup­pe kein wirk­li­cher Fan von Kurz-Vide­os ist? Bekom­men sie trotz­dem. Scha­de um sie. Zudem blei­ben ja noch die Ads.

Aha, jetzt ist mir end­lich klar, wel­che Idee dahin­ter­steckt: die Jun­gen über Video-Con­tent und ange­sag­te The­men, Hash­tags, Sounds, die Älte­ren über Ads. Ist das dann noch das bekannt-beliebt-bis­he­ri­ge Social Media? Wohl kaum. Es ändert sich eini­ges. Aber wie sagt man so schön: Wer sich nicht bewegt, der ver­liert – vor allem an Sicht­bar­keit und Rele­vanz. Wer nicht sicht­bar und damit find­bar ist, der exis­tiert für die meis­ten Men­schen nicht. Zumin­dest für die anvi­sier­te jun­ge Zielgruppe.

Revi­val der inte­grier­ten Kommunikation

Damit wird immer kla­rer, wie die künf­ti­ge Welt der Kom­mu­ni­ka­ti­on aus­se­hen wird. Social Media wird bei Ziel­grup­pen, die nicht Genera­ti­on Z oder Y hei­ßen – und das ist zumin­dest bei uns die gro­ße Mehr­heit –, nur noch eine vor­nehm­lich werb­lich gepräg­te Neben­rol­le spie­len. Statt­des­sen erle­ben tra­di­tio­nel­le Kanä­le der digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on wie Web­sei­ten, E‑Mail-News­let­ter, Apps, aber auch SEO und SEA ein not­wen­di­ges Revi­val. Weil wir die­se Men­schen in einer von Algo­rith­men bestimm­ten und auf deren Emp­feh­lun­gen beschränk­ten Welt ansons­ten nicht mehr erreichen.

Ist das eine so gro­ße Umstel­lung? „The cha­os at social net­works is a remin­der that any plat­form with that kind of power should never be your only — or even your pri­ma­ry – way of com­mu­ni­ca­ting with your audi­en­ces”, schreibt Alli­son Car­ter bei PR Dai­ly.

Aber wuss­ten wir nicht eigent­lich schon immer, dass wir uns nicht auf frem­de Platt­for­men allein fokus­sie­ren und damit abhän­gig machen soll­ten? Eigent­lich doch ja. Aber hat­te die Begeis­te­rung für die pul­sie­ren­de Social Media Welt viel­leicht die­sen Gedan­ken etwas vernebelt?

Aber das ist ein ande­res The­ma für ein wei­te­res Gedankenspiel.

Copy­right: Pho­to by Mike Molo­ney on StockS­nap

Gesucht: Eine digi­ta­le Hei­mat für Ältere

Gesucht: Eine digi­ta­le Hei­mat für Ältere

„Wir müs­sen jün­ger wer­den“, mein­te vor gut einem Jahr Marc Zucker­berg anläss­lich der damals schon sta­gnie­ren­den Nut­zungs­zah­len bei sei­nen Meta-Netz­wer­ken. „Und dar­um benö­ti­gen wir Reels, Reels und noch­mals Reels.“ So unge­fähr lau­te­te sei­ne kla­re For­de­rung an sein Team. Weil Tik­Tok ihn auf­ge­schreckt hat, weil sich die­ses nicht kau­fen ließ, weil er um die Ver­weil­dau­er und damit um die Wer­be­ein­nah­men fürch­te­te. Ver­ständ­lich. Doch was ist mit Älte­ren, die kei­ne Reels nut­zen? Wo sol­len die hin­wan­dern? Ein Plä­doy­er für eine digi­ta­le Hei­mat für Ältere.

Face­book ist bei einem Durch­schnitts­al­ter von gut 40 Jah­ren mit Sicher­heit kein Jung­brun­nen mehr. Auch Insta­gram bewegt sich Rich­tung 30something. Die Jun­gen, die Gen Z, hal­ten sich vor allem bei You­Tube auf, auch auf Tik­Tok, und dann erst auf Insta­gram, wie eine Pew Rese­arch-Stu­die über US-Teen­ager kürz­lich wie­der belegt hat­te. Doch genau die­se Teens und Twens will der stol­ze Marc für sich gewinnen.

Nur: Macht die­ser Schwank, die­ser Reel-Wahn über­haupt Sinn, den Zuck aktu­ell doch sehr kon­se­quent und qua­si jeden Tag mit neu­en Funk­tio­nen fort­führt? Ich stel­le mir die Fra­ge nicht, weil ich alt bin oder zumin­dest älter. Nein, kei­nes­wegs. Ich mache mir täg­lich Gedan­ken über die stra­te­gi­sche und ziel­grup­pen­ge­naue Aus­rich­tung von Netz­wer­ken, Platt­for­men und Com­mu­ni­tys, weil dies bei der Ent­wick­lung von digi­ta­len wie inte­grier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gien gro­ße Rele­vanz hat. 

Der Jugend­wahn und sei­ne Folgen

Nur: Wenn ich mir die­sen aktu­ell herr­schen­den „Jugend­wahn“ unter den Netz­wer­ken und Platt­for­men anse­hen, dann stel­len sich mir doch eini­ge Fra­gen, die ich aktu­ell auch wie­der in einem Work­shop dis­ku­tiert habe:

  1. Benö­tigt die­ser Jugend­wahn nicht bestän­dig ein „neu­es Tik­Tok“? Schließ­lich wer­den die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer ja mit den Netz­wer­ken älter, und das ganz jun­ge Teen-Tik­Tok von ges­tern ist das Oldie-Tik­Tok von morgen?

  2. Sehen wir nicht dann stän­dig neue Wan­der­be­we­gun­gen? Gera­de wenn die Jun­gen neue Netz­wer­ke ent­de­cken und die älte­ren Genera­tio­nen die­se dann für sich Schritt für Schritt erobern, wie es der­zeit – lei­der! – bei BeRe­al geschieht?

  3. Sind die Netz­wer­ke nicht völ­lig aus­tausch­bar, wenn sie alle die glei­chen jun­gen Ziel­grup­pen anspre­chen und dies mit den­sel­ben, sich ähneln­den (Video-)Content-Formaten? Also Sto­rys bzw. Tik­Toks, Reels, Shorts etc.?

  4. Ist die­ser Jugend-Fokus nicht auch aus Wer­be­grün­den wenig sinn­voll? Denn wird nicht mit den älte­ren Genera­tio­nen – und damit mei­ne ich die Bevöl­ke­rungs­mehr­heit 40+ – genau­so viel oder sogar mehr Geld ver­dient als mit Gen Y und Z?

  5. Wer küm­mert sich dann um die Genera­ti­on X und frü­her? Gera­de wenn sich auch Face­book auf Reels fokus­siert und die ande­ren Bei­trä­ge von Fir­men, Freun­den und Grup­pen in Neben-Feeds ver­bannt, die kaum jemand auf­ru­fen wird? Eröff­net dies nicht neue Chan­cen? Und damit mei­ne ich nicht für die rei­nen Senio­ren-Netz­wer­ke wie Fei​er​abend​.de, son­dern für die Genera­ti­on 40plus?

  6. Und war­um fokus­siert sich Face­book nicht ganz bewusst auf die der­zei­ti­ge älte­re Ziel­grup­pe 40 bis 60 plus, in die wir alle rein­wach­sen? Wür­de dies Face­book nicht einen wirk­li­chen Mehr­wert, einen wirk­li­chen USP, lie­fern – auch bezo­gen auf Werbekundinnen?

  7. Wenn die Älte­ren kei­ne digi­ta­le Hei­mat mehr fin­den bzw. sich von den Kurz-Video-For­ma­ten nicht ange­spro­chen füh­len? Führt dies nicht dazu, dass die­se Ziel­grup­pe ver­lo­ren geht und wir für die­se statt­des­sen wie­der ver­stärkt auf klas­si­sche Online- wie Off­line-Maß­nah­men set­zen müs­sen – Stich­wort Web­sei­te, News­let­ter, Mes­sen­ger etc. – für eine stra­te­gi­sche, inte­grier­te Kommunikation?

Markt­chan­ce für eine digi­ta­le Hei­mat für Ältere

Mei­ne Über­le­gun­gen sind kei­nes­wegs neu. Schon vor vie­len Jah­ren plopp­ten ähn­li­che Dis­kus­sio­nen über den Sinn der soge­nann­ten „wer­be­re­le­van­ten Ziel­grup­pe von 14 bis 49 Jah­ren“ auf. Nur hat es im Print-Bereich immer Medi­en gege­ben, die sich ganz bewusst an bestimm­te Alters­grup­pen rich­te­ten, also Kin­der­me­di­en, Medi­en für Jugend­li­che, für Senio­ren etc.

Lie­ße sich der Gedan­ken für ein Netz­werk, also eine digi­ta­le Hei­mat für Älte­re nicht auch auf die sozia­len Netz­wer­ke über­tra­gen? Stand heu­te wür­den sich dann die Teens und Twens auf Tik­Tok aus­tau­schen, die 30plus auf Lin­kedIn und Insta­gram, die Oldies but Goo­dies – und damit mei­ne ich die Genera­ti­on X und älter – auf Face­book, und alle auf You­Tube, wie auch schon heute. 

Wäre dies nicht top für jede Con­tent- und Wer­be­pla­nung? Jede Sto­ry lie­ße sich pri­ma für meh­re­re Genera­tio­nen auf­be­rei­ten und über die ver­schie­de­nen Kanä­le genera­ti­ons­ge­recht aus­spie­len. Also ziel­grup­pen­ge­naue Kom­mu­ni­ka­ti­on, auch wenn natür­lich nicht nur das Alter eine Rol­le spielt. Zudem müss­te sich kein Jugend­li­cher mehr in die­sem 3‑Ge­nera­ti­on-Haus unwohl füh­len, wenn sich Groß­el­tern, Eltern und Kin­der plötz­lich auf Insta­gram begegnen. 

Der lee­re blaue Ozean

Wo ist solch ein Netz­werk? Sol­che eine neue digi­ta­le Hei­mat? Pla­nun­gen dafür scheint es aktu­ell nicht zu geben. Zumin­dest sind sie mir nicht bekannt. Scha­de, gera­de aus Stra­te­gie-Sicht. Statt­des­sen stür­zen sich die Platt­for­men lie­ber mit der Kon­kur­renz in den roten Oze­an und belas­sen den blau­en Oze­an unbe­rührt. War­um eigentlich?

Neue Gedan­ken­spie­le: Eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­welt im Wandel

Neue Gedan­ken­spie­le: Eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­welt im Wandel

Die Tik­Toki­fi­ca­ti­on schrei­tet bei Face­book vor­an. Den Haupt-Feed bestimmt künf­tig der Algo­rith­mus – vor allem mit Reels und Ads; Bei­trä­ge von Freun­den, Unter­neh­men und Grup­pen wer­den in Neben-Feeds ver­bannt. Nimmt die dann noch jemand wahr? Und machen Face­book-Sei­ten für Orga­ni­sa­tio­nen über­haupt noch Sinn, wenn sie kein Reel-Poten­zi­al haben? Par­al­lel fokus­sie­ren sich alle Platt­for­men auf das 9:16 Bild­for­mat. Ver­ab­schie­den sie sich nicht von den älte­ren Genera­tio­nen? Dabei sol­len die doch für Ein­nah­men sor­gen … Die­se bei­den Bei­spie­le zei­gen: Es tut sich eini­ges – auch in der Welt der Medi­en­ar­beit. Zeit für eine neue Aus­ga­be der monat­li­chen Gedankenspiele.

3x Mei­nun­gen zum Wandel

  • Wann soll­te ich auf Lin­kedIn pos­ten? Stu­di­en­aus­sa­gen brin­gen da nix.
    Wenn ich Ana­ly­sen über den rich­ti­gen Zeit­punkt beim Pos­ting auf Lin­kedIn lese, bekom­me ich Bauch­grim­men. Vor allem ob der Leu­te, die ihr Pos­ting-Ver­hal­ten an sol­chen Zah­len aus­rich­ten. Dabei gibt es viel ein­fa­che­re und bes­se­re Metho­den: Der eige­ne Blick, die viel­fäl­ti­gen Ana­ly­se-Tools, der gesun­de Grips. War­um das so ist, beschrei­be ich in einem Blog-Post.
  • War­um eine not­wen­di­ge Ver­ler­nungs­kur­ve gut für uns alle ist
    Muss ich jedem Trend fol­gen? Muss ich auf allen Kanä­len prä­sent sein? Muss ich bestän­dig für neue Inhal­te sor­gen? Natür­lich nicht. Die Autorin Apur­va Har­wa­ni hat auf Medi­um einen lako­ni­schen wie wah­ren Bei­trag publi­ziert. Dabei dreht sie unse­re FOMO-Gesell­schaft etwas um: Sie emp­fiehlt, dass wir doch bit­te eini­ges ver­ler­nen soll­ten – auch um wie­der Neu­es ler­nen zu kön­nen. Eine Ver­ler­nungs­kur­ve also. Ein schö­ner Gedanke.
  • War­um der Blick auf rei­ne Fan-Zah­len nix bringt
    “War­um glau­ben Men­schen an den Wert der Fol­lower?”, fragt Dirk von Geh­len. “Weil sie anneh­men, die Zahl tref­fe eine Aus­sa­ge dar­über, wel­che Reich­wei­te ein Account hat.“ Dabei sagt die Zahl in Wahr­heit wenig aus. Was hel­fen einem Account vie­le Fol­lower, wenn er nur sel­ten pos­tet oder auf kein Inter­es­se stößt? Nix. Was ist mit Men­schen am Anfang einer Kar­rie­re, die sich eine Com­mu­ni­ty auf­bau­en müs­sen? Pech. Und bestim­men nicht Algo­rith­men über die Sicht­bar­keit? Natür­lich. Dar­um lesen!

4x für eine erfolg­rei­che Medienarbeit

  • Pres­se­mit­tei­lung: Auf­bau, Con­tent, Dis­tri­bu­ti­on
    Auch wenn sie uralt ist, ken­ne ich die Fra­ge aus vie­len Work­shops: Was muss ich bei einer Pres­se­mit­tei­lung beach­ten? news­ak­tu­ell hat einen Bei­trag publi­ziert, der Schritt für Schritt die Erstel­lung einer PM the­ma­ti­siert: Vom Auf­bau, über den Con­tent bis zur Dis­tri­bu­ti­on. Gera­de in der Kür­ze lie­fert er einen guten Ein­stieg. Für die Ver­tie­fung des The­mas muss ich natür­lich unser Buch „Public Rela­ti­ons“ empfehlen.
  • Titel: Wie Head­lines mehr Reak­tio­nen brin­gen
    Head­lines müs­sen schnell les­bar und ver­ständ­lich und Emo­tio­nen anspre­chen – online wie off­line. Nur dann sind sie erfolg­reich und ver­füh­ren zum Lesen der Tex­te. War­um das so ist, erläu­tert die­ser Bei­trag. Übri­gens: Vie­le der Aus­sa­gen für werb­li­che Head­lines las­sen sich 1‑zu‑1 auf redak­tio­nel­le Bei­trä­ge, auf die Medi­en­ar­beit und auf das gene­rel­le Online-Tex­ten übertragen.
  • Bud­get: Der Ear­ned-Media-Mythos
    Medi­en­ar­beit 2022: Pres­se­ar­beit ohne jeg­li­ches Media­bud­get? Ein Irr­glau­be, wie die­ser Bei­trag zu Recht beschreibt. Allein füh­ren eine cle­ver geschrie­be­ne Pres­se­mit­tei­lung und gute Con­nec­tions in Redak­tio­nen kaum zum Erfolg. Ohne Geld geht oft nix (mehr). Leider.
  • Nati­ve Ads: Ergän­zen­des Werk­zeug für die Medi­en­ar­beit
    Auch wenn bei ihnen die Gren­ze zwi­schen Wer­bung und Redak­ti­on ver­schmilzt: Nati­ve Ads spie­len eine zen­tra­le Rol­le in einem moder­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mix. Weil sich mit die­ser Form der Wer­bung in einem redak­tio­nel­len Umfeld wei­te­re Ziel­grup­pen gera­de auch in eta­blier­ten Qua­li­täts­me­di­en anspre­chen las­sen – als Ergän­zung zur Medienarbeit.

3x rund um Social Media

  • Lin­kedIn: 7 Chro­me-PlugIns für das täg­li­che Leben
    Brow­ser-PlugIns hel­fen, das Leben auf Lin­kedIn ange­neh­mer zu gestal­ten: Beim Pos­ten, beim Orga­ni­sie­ren, beim Mes­sen. In die­sem Bei­trag stel­le ich mei­ne 7 Lieb­lings-Erwei­te­rung vor, die ich selbst täg­lich nut­ze, weil sie mir enorm viel Zeit erspa­ren; natür­lich inkl. des neu­en und viel gelob­ten Autor­edIn-PlugIns zum For­ma­tie­ren von Beiträgen.
  • You­Tube: Check­lis­te für eine erfolg­rei­che Video-SEO
    Vie­le Vide­os publi­ziert und kei­ne Sicht­bar­keit erreicht? Mit die­ser Check­lis­te lässt sich die eige­ne Video-SEO Schritt für Schritt über­prü­fen: von Gestal­tung, Inhalt und Key­words über tech­ni­sche Ein­stel­lun­gen bis zur fina­len Video­er­stel­lung. Praktisch.
  • Blog: Con­tent-Ideen für den nächs­ten Bei­trag
    Was soll ich Neu­es in mei­nem Blog oder mei­nem Maga­zin schrei­ben? Und natür­lich ziel­grup­pen­re­le­vant? Wie kom­me ich an gute Inhal­te? Abge­se­hen von Recy­cling und Ver­ede­lung von erfolg­rei­chem Con­tent? Die­ser Bei­trag lie­fert Ver­ant­wort­li­chen wei­te­re Ideen. Gera­de die Anre­gung, in Grup­pen bei Face­book, Lin­kedIn & Co. neue Anre­gun­gen zu ent­de­cken, fin­de ich sinn­voll. Natür­lich nur für die­je­ni­gen, die über ein gutes Moni­to­ring auch auf die­se The­men gesto­ßen werden.
Neue Gedan­ken­spie­le: Stra­te­gien, Pla­nun­gen, Schub­lä­den, Kam­pa­gnen und die Far­be Grau

Neue Gedan­ken­spie­le: Stra­te­gien, Pla­nun­gen, Schub­lä­den, Kam­pa­gnen und die Far­be Grau

Die letz­te Woche war geprägt von der auf­ge­heiz­ten Dis­kus­si­on um die miss­lun­ge­ne Video-Kam­pa­gne #alles­dicht­ma­chen. Dabei mache ich mir vor allem Sor­gen um unse­re Dis­kus­si­ons­kul­tur, wie ich im Blog-Post schrei­be. Doch auch sonst gab es im Monat April guten Stoff rund um digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on: zur Stra­te­gie von Kom­mu­ni­ka­ti­on, zum Manage­ment von Kom­mu­ni­ka­ti­on und zur Mes­sung von Kom­mu­ni­ka­ti­on. Auch das Intro zu unse­rem neu­en Buch “Public Rela­ti­ons” hat den Weg in mein Blog gefun­den. So enjoy it!

TIPP: Wer aus­ge­wähl­te Gedan­ken­spie­le lie­ber per monat­li­chem News­let­ter erhal­ten will: Bit­te hier ent­lang!

2 neue Gedankenspiele

  • Gedan­ken­spiel: Unse­re Spra­che benö­tigt drin­gend mehr grau!
    Die Dis­kus­si­on um die ver­un­glück­te Kam­pa­gne #alles­dicht­ma­chen hat eines mal wie­der ver­deut­licht: Unse­re Dis­kus­si­ons­kul­tur ist kaputt. Wir ken­nen näm­lich nur noch schwarz oder weiß, gut oder böse, dafür oder dage­gen. Grau­tö­ne? Fehl­an­zei­ge. Dabei machen die­se doch unser Zusam­men­le­ben aus. Ein klei­nes Plä­doy­er für die wun­der­ba­re Far­be Grau.
  • Public Rela­ti­ons: Eine Bran­che im Wan­del
    Im Febru­ar erschien unser Buch “Public Rela­ti­ons” in sei­ner 3. Auf­la­ge. Die­ser Leit­fa­den macht deut­lich, wie viel­fäl­tig die PR-Bran­che heu­te ist. Schon in der Ein­lei­tung wird deut­lich, auf wel­che Fra­gen und Her­aus­for­de­run­gen sie Ant­wort geben darf — was auch den Reiz aus­macht. Daher dru­cke ich hier das Intro zum Buch als klei­nen Appe­ti­zer ab.

7 Bei­trä­ge zur digi­ta­len Kommunikation

  • Stra­te­gie: Ste­cken Sie Ziel­grup­pen nicht in Schub­la­den
    “it’s easy to put peop­le in boxes.” Dam­ned true – aber nicht wirk­lich ziel­füh­rend. Zumin­dest heu­te in einer Zeit, in der Ziel­grup­pen immer stär­ker aus­ein­an­der gebro­chen sind und für Fach­leu­te damit auch immer schwe­rer zu defi­nie­ren sind. Wie sich der Begriff der Ziel­grup­pen über die Jahr(zehnt)e dras­tisch gewan­delt hat und wel­che Rol­le auch Per­so­nae heu­te spie­len, beschreibt die­ser Beitrag.
  • E‑Mail-Mar­ke­ting: Das 1x1 der Fach­be­grif­fe
    Boun­ce Rate, Open Rate, Click Rate, Click-through-Rate, Abmel­de­ra­te, Con­ver­si­on Rate: Die E‑Mail-Mar­ke­ting­bran­che lebt von die­sen Begrif­fen. Doch was ver­birgt sich hin­ter die­sen wich­ti­gen Mess­zah­len? Die­ser Bei­trag erklärt es kurz, kom­pakt und leicht verständlich.
  • E‑Mail: How to Redu­ce Boun­ce Rate and Impro­ve Deli­vera­bi­li­ty
    Beim News­let­ter-Mar­ke­ting wird meist v.a. auf Öff­nungs- und Klick­ra­ten geblickt. Doch viel hängt von der Adress­qua­li­tät ab. So kann eine hohe Boun­ce-Rate nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Zustell­ra­te haben. Wie sich die Boun­ce-Rate redu­zie­ren lässt, das beschreibt die­ser Beitrag.
  • Ach­tung: War­um Mar­ken nicht per Auto­pi­lot pos­ten soll­ten
    Aus Zeit­grün­den sind auto­ma­ti­sier­te Postings wirk­lich prak­tisch. Aber nicht immer sind sol­che Tools auch sinn­voll: Spä­tes­tens im Kri­sen­mo­dus soll­ten sie drin­gend abge­schal­tet wer­den, wie das Bei­spiel FedEx zeigt. Denn dann kommt es weni­ger auf Tools, son­dern auf den eige­nen Kopf an.
  • Manage­ment: Face­book Busi­ness Suite und Busi­ness Mana­ger im Ver­gleich
    Die Face­book Busi­ness Suite setzt sich als gemein­sa­mer Hub für Face­book- und Insta­gram-Sei­ten etc. immer stär­ker durch. Doch wor­in unter­schei­det sie sich von Face­book Busi­ness-Mana­ger? Die­ser Bei­trag klärt auf.
  • Redak­ti­ons­plan: So lässt sich Con­tent ver­nünf­tig pla­nen
    Die Fra­ge nach einem Redak­ti­ons­plan ist eine der häu­figs­ten in mei­nen Coa­chings und Trai­nings. Für digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gien, für Con­tent Mar­ke­ting, für inte­grier­te Medi­en­ar­beit. Wie er auf­ge­baut wer­den kann und wel­che Fra­gen dabei zu berück­sich­ti­gen sind, dar­auf ver­weist die­ser Blogbeitrag.
  • Recrui­t­ing: Poli­zei wirbt bei Tik­Tok und Co. um Nach­wuchs
    Die Poli­zei setzt immer stär­ker auf Tik­Tok & Co. beim Recrui­t­ing von Nach­wuchs­kräf­ten. Und die Reso­nanz auf Bei­trä­ge, Vide­os und Posts passt: Wach­sen­de Bewer­ber­zah­len, teils Mil­lio­nen Auf­ru­fe, posi­ti­ves Feed­back und direk­te Nach­fra­gen auf den ein­zel­nen Kanä­len zei­gen, dass dies der rich­ti­ge Weg ist, um die Men­schen dort anzu­spre­chen, wo sie gera­de sind.