by Dominik Ruisinger | 03.07.2026 | Blog
In diesem Land funktioniert nichts mehr. Das merken wir alle. Die Katastrophen bei der Deutschen Bahn sind nur ein typisches Symbol für eine staatlich mitverursachte Misere. Im Vergleich zu den Vorjahren – dafür genügt mir Blick in mein Bahntagebuch – hat sich die Situation verschärft.
Während hier Stillstand herrscht, dreht sich die digitale Welt auf Speed weiter. Im Social Media Bereich haben die KI-gesteuerten Algorithmen die Macht übernommen und beeinflusst die digitale Kommunikation immer stärker. Getrieben vom Drang, uns möglich lange auf den Plattformen zu halten, spielen die Plattformen uns lieber Content passend zu unserem Verhalten ein, während die Inhalte unserer vernetzten Freundinnen und Freunde draußen bleiben müssen. Für wen schreiben wir also künftig?
Vielleicht müssen wir uns doch andere Orte der Zusammenkunft suchen. Nur werden diese – so schätze ich es heute ein – mit Sicherheit außerhalb der digitalen Netzwerke sein.
In eigener Sache: KI und digitale Kommunikation.
- Bye-bye Social. Bye-bye People. Bye-bye Community.
Schreiben wir noch für Menschen? Oder wie verändern KI-gesteuerte Algorithmen unsere digitale Kommunikation? Zum 2. Mal nach 2025 habe ich dazu meine Feeds auf LinkedIn, Facebook, Instagram, TikTok und YouTube analysiert. Ergebnis: Ein Austausch mit unserem Netzwerk findet nicht mehr statt. Die Plattformen sind rein darauf ausgerichtet, dass wir möglichst viel Zeit dort verbringen – egal mit welchem Content und egal aus welcher Quelle.
- Warum Mensch und KI gemeinsam besser schreiben.
Die besten Texte entstehen im Tandem aus menschlicher Expertise, Authentizität und maschineller Unterstützung – immer mit dem Menschen am Steuer und der KI als Beifahrerin. Dies schreiben Kai Heddergott und ich in unserem Buch „Besser Texten mit Kopf und KI„. Für die Marketingbörse habe ich dazu 7 Thesen für ein besseres KI-gestütztes Schreiben im Duo formuliert.
Studien & Meinungen.
- Digital News Report: Wenn Menschen Menschen vertrauen.
“Menschen folgen (eher) Menschen“, schreibt Simon Pycha über den Reuters Digital News Report. Und dies trotz hohem Vertrauen in traditionelle Medien. Doch welche Gefahren bestehen, wenn Menschen News Influencern oder Persönlichkeiten statt Medienmarken folgen? Wer sich darüber Gedanken macht, wird verstehen, warum immer mehr Medien Mitarbeitende als Medienmarken aufbauen.
- Großbritannien: Social-Media-Verbot als Gefahr für die Demokratie.
Die britischen Jugendlichen sehen im geplanten Social Media Verbot eine Gefahr für die liberale Demokratie. Es wird die Generation nicht davon abhalten, sich selbst ins Verderben zu stürzen, so Content Creator Aidan Walker. Jedoch wird es verhindern, dass sie ihre Rechte als Bürger in einer Demokratie ausüben. Dirk von Gehlen hat sein Video übersetzt, das auch meiner Meinung entspricht.
KI und ihre Partner.
- Warum die eigene Marke in KI-Suchen nicht auftaucht.
Falsche Entitäten, fehlende Reputation, schlechte technische Struktur sind nur 3 von 6 Ursachen, warum das eigene Unternehmen nicht in den KI-Ergebnissen auftaucht, schreibt Jennifer Lapp im HubSpot-Blog. Was mich als PR-ler freut: Gerade der Social Proof kann durch aktive Medienarbeit und wertvolle Quellen deutlich gesteigert werden.
Über GEO und SEO.
- Recherche: Themencluster statt Keyword.
Keyword-Recherche spielt bei SEO und GEO weiterhin eine wichtige Rolle. Jedoch muss sie heute anders bewertet werden, zeigt Kim Schneider in einem Blog-Post auf. So spielen Themencluster statt Keywords eine wachsende Rolle. Nur wer sein Fachgebiet genau kennt, wird Begriffscluster bilden und Fragen kompetent beantworten können.
- GEO-Wahrheiten: Konstanz statt Revolution.
GEO ist keine Revolution. Die zentralen Elemente existieren schon seit 1998. Dies schreibt Markus Tandler über die 5 Konstanten: Autorität, Substanz, technische Hygiene, Themenkompetenz und Nutzerzentrierung. Danke für diesen unaufgeregter Beitrag über unbequeme Wahrheiten in Zeiten einer aufgeregten SEO- und GEO-Szene.
Aus den Social-Media-Plattformen
- 10 Phasen: Die Geschichte aller Social Networks.
Von Exklusivität und Hype über die Macht von Werbung und Algorithmen bis zur Identitätskrise geschmückt mit etwas Nostalgie: Jens Wiese hat klug 10 Phasen identifiziert, die sich bei jedem Netzwerk wiederholen. Wer mein Buch „Das Ende von Social Media“ gelesen hat, wird diese Phase ähnlich kennengelernt haben. Nur: Was passiert, wenn wir vielleicht gar keine Social Networks mehr wollen?
- Reddit: Warum die Plattform unverzichtbar wird.
Warum entwickelt sich Reddit von der Nischen- zur Mainstream-Plattform? KI-Modelle orientieren sich an Nennungen in Online-Medien, die sie als Relevanzmarker nutzen, sagt Alexander Hein. Und genau hier spielt Reddit durch die ungefilterten, vielfältigen, menschlichen Meinungen eine wichtige Rolle. Sein Tipp: Erfolgreich werden nur diejenigen sein, die auf wirkliche Community-Arbeit statt auf pures Marketing setzen.
- Instagram: Wie sich die Interaktionsrate steigern lässt.
Welche Rolle spielt die Interaktion bei Instagram? Wie berechne ich die Interaktions- bzw. Engagement-Rate? Und wie kann ich diese steigern? Dieser Überblicksartikel geht tiefer darauf ein, warum die Interaktion ein verlässlicher Erfolgsfaktor für die Relevanz von Inhalten ist.
- Instagram: Warum Updates eine neue Strategie erfordern.
„Your Algorithm“ und ein flexibles Profil-Layout sind Anlass, die eigene Instagram-Strategie neu auszurichten: Auf die sichtbaren Themen im Profil, auf die passenden Formate und auf die Inhalte, die konstant gespielt werden sollten. Wie dies funktionieren kann, zeigt dieser Beitrag beim Contentmanager.
by Dominik Ruisinger | 20.03.2026 | Blog
Anfang März 2026 erschien unser neues Buch „Besser Texten mit Kopf und KI“. Damit legen wir – Kai Heddergott und Dominik Ruisinger – einen Leitfaden für das Neue Schreiben in Zeiten von KI vor.
Dieser längere Beitrag ist die gekürzte und angepasste Version der Einleitung – als kleiner Lustmacher auf das Buch. Weitere Infos samt Leseprobe finden sich ansonsten auf der Unterseite zum Buch, aktuelle News auf der Webseite „Neues Schreiben“.
Die Einleitung zu „Besser Texten mit Kopf und KI“.
Im April 2025 wurde ein internes Memo von Shopify bekannt. Unter dem Titel „AI Usage is now a baseline expectation“ forderte CEO Tobi Lütke die Manager des Unternehmens auf, vor der Einstellung neuer Mitarbeiter die KI als Alternative zu bedenken. Sein Appell: „Bevor wir nach mehr Personal und Ressourcen fragen, müssen die Teams nachweisen, warum sie das, was sie wollen, nicht mit KI erreichen können“, schrieb Lütke in einem bald weltweit kursierenden Memo.
Das Beispiel des kanadischen E-Commerce-Unternehmens macht deutlich, wie KI zu einer kollektiven Gesamtkompetenz wird, die fast jeden Menschen und jeden Bereich betrifft. Denn Shopify ist kein Einzelfall. In immer mehr Unternehmen sollen Mitarbeitenden deutlich machen, welchen Mehrwert sie im Vergleich zu einer KI zu bieten haben.
Der Umgang mit transformativer Technologie
Schon 2023 hatte der Wirtschaftswissenschaftler Richard Baldwin auf dem World Economic Forum den Satz geprägt: „Nicht künstliche Intelligenz wird euren Job übernehmen, sondern jemand, der weiß, wie man KI nutzt.“ Dieser Satz wurde seitdem in vielen Formen weitergespielt, um die KI als zentrale Kompetenz in der privaten wie insbesondere in der Business Welt zu betonen. Baldwin selbst sah übrigens die Ängste als unbegründet, dass KI die Menschen ersetzen würde; aber nur solange die Menschen über das Wissen und die Fähigkeiten verfügten, die transformative Technologie effektiv zu nutzen.
Vor diesem Hintergrund erscheint es fast absurd, wenn einige Menschen darauf hoffen, dass die KI für sie die Arbeit macht. Diese sollten sich am besten schon heute um einen neuen Job kümmern. Schließlich liefern sie perfekte Argumente, warum man nicht auf KI, aber dafür auf den Menschen verzichten sollte. Die Kernfrage muss stattdessen lauten: Wie kann mich die KI bei meiner eigenen Arbeit unterstützen? Die Zukunft gehört also der strategischen Mischung aus menschlicher Kreativität und technologischer Innovation – in Form einer Co-Creation.
Zwischen Effizienz und Authentizität
Gerade generative KI ist längst weit mehr als ein Trendthema, sondern Bestandteil der Arbeitsrealität. Sie verändert grundlegend die Arbeit von Kommunikation, von Marketing, von Textern. Laut Canva State of Marketing & AI Report 2025 setzen in Deutschland über 90 Prozent der Marketer auf KI-Tools. Sie profitieren von mehr Effizienz, hilfreichen Impulsen und gesteigerter Kreativität – gerade in dynamischen Zeiten, in denen Texter oft unter starkem Zeit- und Ergebnisdruck stehen. Bei ihrer Arbeit müssen sie verstehen, wie sie KI-Chatbots wie Gemini, ChatGPT, Le Chat oder Claude effektiv nutzen, um gemeinsam Texte zu konzipieren, zu schreiben, zu optimieren. Wer KI dagegen ignoriert, ignoriert den sicheren Wandel.
Viele schreiben schon vom Ende des Journalismus, vom Ende der menschlichen Texter, von der einzigen Textmacht namens KI. Andere fragen sich, ob die von der KI erstellten Informationen korrekt sind? Ob die eigene Authentizität gewahrt bleibt? Welchen Mehrwert persönliche Erfahrungen in Texten überhaupt noch haben?
Textliche Co-Creation
„The key is to draw the line at getting gen AI to help with your writing, not do your writing for you“, so die Datenjournalistin und Autorin Alexandra Samuel in ihrem Beitrag in der „Harvard Business Review“. Wenn der Schlüssel darin liegt, die KI dazu zu bringen, beim Schreiben zu helfen und nicht das Schreiben zu übernehmen, wird die KI zur Helferin statt zum Ersatz des Menschen. Oder wie es in dem Beitrag weiter – hier übersetzt – heißt: „Wer die KI als Schreibwerkzeug geschickt einzusetzen weiß, wird tatsächlich ein besserer Autor und Denker, den KI nicht einfach ersetzen kann.“
Darum werden wir in diesem Buch auch nicht beschreiben, wie KI uns als Texter, Autoren oder Journalisten, Kommunikations- und Marketingleute überflüssig macht. Wir zeigen vielmehr auf, wie der Mensch mit der KI als Sparringspartnerin bessere Texte, Beiträge, Postings, Strategien entwickeln kann. Dies kann aber nur dem gelingen, der versteht,
- wie die KI ihm als Assistentin zuarbeiten und damit unterstützen kann,
- wie sie ihn immer besser verstehen lernen kann,
- wie sie ihm hilfreiche Fragen stellen und Vorschläge machen kann,
- wie sie ihm Feedback aus vielerlei Blickwinkeln geben kann,
- und warum sie ihn aber nicht ersetzen wird.
Kapitel für Kapitel
„Schreiben ist Handwerk, keine Kunst“, schrieb 2022 der Journalist und ehemalige Leiter der Henri-Nannen-Schule Christoph Fasel in einem Beitrag für die Marketingbörse. Auch wenn er damals kaum die Entwicklungen im KI-Bereich vor Augen hatte: Dieses Handwerk gilt es heute weiterzuentwickeln oder teilweise neu zu lernen – gerade in dieser Co-Creation zwischen Kopf und KI. Genau das ist das Ziel unseres Buches.
„Besser Texten mit Kopf und KI“ ist folglich ein Leitfaden für ein neues KI-gestütztes Schreiben. Es richtet sich an Texterinnen und Texter, an Redakteurinnen und Redakteure, an Autorinnen und Autoren, an Kommunikationsexperten und Medienleute, an Content-Spezialisten und Social Media Kreative. Vor allem ist ein Buch für Menschen, die Freude haben, sich mit dem geschriebenen Wort zu beschäftigen und ihre Texte immer weiter zu optimieren.
Dazu werden wir im 2. Kapitel den Weg hin zu generativer KI kompakt nachzeichnen. Nah am Buchtitel erklären wir, wie eine künstliche Intelligenz Texte generiert und warum der Begriff „Textwahrscheinlichkeitsberechnungsmaschine“ so treffend ist. Zudem müssen wir auf unsere Verantwortung in dieser auch problematischen Partnerschaft eingehen.
In Kapitel 3 werden wir die Rollen beim neuen Schreiben definieren: Die Rolle des Menschen und die Rolle der KI als Sparringspartnerin sowie die notwendige Zusammenarbeit. Denn ein funktionierendes Tandem ist genau die Grundvoraussetzung, um gemeinsam bessere Texte zu erschaffen.
Viel wird heute über Prompten gesprochen: Ohne auf die unzähligen, sich ständig verändernden und abwechselnden Tools und Modelle einzugehen, entwickeln wir in Kapitel 4 ein sauberes Prompting-Framework. Dieses soll jedem Texter die notwendige Struktur beim Prompting geben.
Das Kapitel 5 liefert das Grundwissen zum Texten: Was machen gute Texte aus? Und wie sind diese zu strukturieren? Nur mit diesem Knowhow können wir später das gemeinsame Werk von Menschen und KI bewerten. In diesem Kontext müssen wir ebenfalls der Frage nachgehen, wie wir im aufgekommenen KI-Zeitalter noch Sichtbarkeit im Netz erhalten.
Das Framework als Buchkern
Das Framework des Neuen Schreibens in Kapitel 6 ist der Kern des Buches. Schritt für Schritt und Stufe für Stufe spielen wir die Entwicklung eines Textes durch; immer orientiert an der engen Zusammenarbeit von Kopf und KI und gesteuert von den unterschiedlichen Rollen, unserem Prompting-Framework sowie dem Textwissen.
Final setzen wir in Kapitel 7 das Text-Framework anhand von fünf Beispielen um. Damit wollen wir praxisnahe Vorlagen liefern, wie jeder Leser, jede Leserin selbst dieses Text-Framework des Neuen Schreibens für sich anwenden kann: Unabhängig davon, ob das Ergebnisprodukt ein Fachtext, ein Interview, ein Kommunikationskonzept, ein E-Mail-Newsletter, ein Social-Media-Beitrag oder ein Fachbuch sein soll.
Ein Thema im Experimentiermodus
„Man könnte meinen, es werde immer etwas einzigartig Menschliches geben, das KI einfach nicht nachbilden kann“, schreibt der Informatik-Professor David Duvenaud von der University of Toronto in seinem etwas dystopischen, aber gleichzeitig visionären Beitrag im Guardian. „Fähigkeiten, die menschlich schienen, wie der Umgang mit Mehrdeutigkeiten oder die Verwendung abstrakter Analogien, sind heute problemlos beherrschbar. (…) Mittlerweile ist klar, dass Maschinen soziale Fähigkeiten genauso erlernen können wie alle anderen.“
Wie weit sich dies auf das Schreiben von Texten ausdehnen wird, ist aus heutiger Sicht noch nicht final zu prognostizieren. Jedoch verdeutlicht dieses Zitat, dass wir uns in einem dauerhaften Experimentiermodus befinden, in einem reißenden, sich ständig weiterwindenden Fluss. Gerade das Thema Texten mit Hilfe von Kopf und KI wird sich Schritt für Schritt weiterentwickeln, auch wenn viele Entwicklungen in der Co-Creation zwischen Menschen und künstlicher Intelligenz schon sichtbar sind. Einige dieser bereits bekannten Pfähle wollen wir mit diesem Buch als Orientierung einschlagen.
Kleiner Dank an großartige Menschen
Last, but not least möchten wir uns bei den Weggefährten dieses Leitfadens für das Neue Schreiben bedanken: Bei unseren Gastautorinnen und Gastautoren Astrid Christofori, Lars Kroll, Wolfgang Reichelt und Tim Stelzer, die dem Buch wichtige Aspekte hinzugefügt haben. Bei dem Team um Frank Baumgärtner vom Schäffer-Poeschel Verlag für die wieder befruchtende und offene Atmosphäre bei Titel, Text und Struktur. Sowie bei den vielen teils erwähnten, teils unbekannten Autorinnen und Autoren, die mit ihren Beiträgen und Gedanken das Buch mitgeprägt haben.
by Dominik Ruisinger | 04.11.2025 | Blog
Wie entwickelt sich die Mediennutzung weiter? In den letzten Wochen sind wieder mehrere, wirklich interessante Studien erschienen. Drei davon habe ich in meine Gedankenspiele-Lesetipps integriert: die ARD/ZDF-Medienstudie, die Analyse des GWI-Instituts und Digital2026 von We are Social.
Im Kern treffen alle Studien dieselbe Aussage: Wir erleben einen deutlichen Schwenk, der von traditioneller Social-Media-Kommunikation über eine von mächtigen Algorithmen dominierte Zeit in eine Welt des KI-gepowerten Entertainments übergeht. Vieles davon habe ich letztes Jahr in meinem Buch über das Ende von Social Media vorweggenommen.
Jetzt liegt es an uns, wo wir künftig unsere Zeit verbringen wollen: ob wir uns im Netz noch mit Menschen austauschen wollen oder ob wir uns einfach nur berieseln lassen – egal ob der Content von Menschen oder von Maschinen stammt. Eine komische Welt, die da auf uns zugerollt ist.
Zu solchen Entwicklungen, zu Strategien beim Social-Media-Management und zum Umgang mit KI habe ich wieder 10 Lesetipps in meinen Gedankenspielen zusammengefügt. Gute Anregungen wünsche ich.
In eigener Sache.
- ARD/ZDF-Medienstudie: 7 Folgerungen für eine strategische Kommunikation
Auch im Jahre 2025 liefert die ARD/ZDF-Medienstudie essenzielle Entwicklungen zur Mediennutzung in Deutschland. Schließlich lassen sich aus den Daten wichtige strategische Implikationen ableiten. Ich habe mir 7 Entwicklungen näher angesehen, die für eine digitale Kommunikation besonders relevant sind.
Über Studien, Analysen, Zahlen.
- GWI: Wie die Social-Media-Nutzung weltweit sinkt
Seit 3 Jahren nimmt die Zeit, die Menschen weltweit auf Plattformen verbringen, kontinuierlich ab. Laut einer Analyse des GWI-Instituts ist die Nutzung seit 2022 im weltweiten Durchschnitt um rund 10 Prozent gesunken. Auch die Verweildauer in Deutschland ist gesunken. Diese Zahlen bestätigen die Aussagen aus meinem Buch »Das Ende von Social Media«.
- Digital 2026: Wie TikTok unsere Verweildauer dominiert
Laut »Digital 2026« von Meltwater und We are Social verbringen die Menschen weltweit durchschnittlich über 2,5 Stunden auf sozialen und Online-Videoplattformen – pro Tag. Mehr als 1,5 Stunden verbringen gerade Frauen davon auf TikTok. Ist TikTok mit seinem Entertainment First-Ansatz die »Social«-Media-Zukunft?
- EBU: Wie KI keine Nachrichten kann.
Eine Studie der Europäischen Rundfunkunion (EBU) zeigt: 45 Prozent der KI-Antworten enthalten mindestens einen erheblichen Fehler, weil die Antworten veraltet, Fakten falsch, Quellen fehlerhaft und Zitate erfunden sind. Brauchen wir strengere Regulierungen, wie Medien fordern? Oder deutlich mehr Aufklärung, wie dieser Beitrag und ich selbst fordere?
Über Strategien und modernes Social-Media-Management.
- Entertainment first: Neue Realität im Social-Media-Management
»Social«-Aspekt im Hintergrund, Aktivitäten im Niedergang, passives Entertainment im Fokus: »Sind Social-Media-Plattformen noch Media Plattformen?«, fragt Alexander Hein in seinem Beitrag, der meinem erwähnten Buch entstammen könnte? Dabei beschreibt er, wie stark sich das Nutzungsverhalten auf den Plattformen verändert und welche Konsequenzen dies für das heutige Social Media Management hat.
- Barrierefreiheit: Warum es keine Fettschrift auf Social Media gibt.
Social-Media-Plattformen folgen dem Prinzip Plain-Text statt Rich-Text – also ohne Formatierungsoption. Der Grund: Fettschrift ist nicht barrierefrei. Denn dabei handelt es sich nicht um Formatierungen, sondern um eine Umwandlung in Unicode-Symbole, die nur so aussehen, als wären sie die entsprechenden Buchstaben. Welche Konsequenzen dies hat, darüber klärt Sigi Lieb in diesem tollen Beitrag auf.
- Google AI Mode: Was Content Creator jetzt tun sollten
Google hat den AI Mode ausgerollt. Welche Konsequenzen hat dieser geschlossene und dialogorientierte Ansatz? Und was sollten jetzt Content Creator tun, um als Quelle zitiert zu werden und so Traffic zu erhalten? Jan Tißler beschreibt, wie eine Content-Strategie nach SEO- und GEO-Kriterien angepasst werden sollte.
Über den Aufstieg von Paid Media bei LinkedIn.
- LinkedIn: Updated Algorithm Report gibt Orientierung.
In Kooperation mit AuthoredUp hat Richard van der Blom den Updated Algorithm Report publiziert. Er zeigt, wie deutlich Sichtbarkeit, Interaktion und Follower-Zuwachs zurückgegangen sind – organisch. Schließlich will LinkedIn Geld verdienen. Das Update hilft bei der eigenen Content-Strategie, auch wenn eines immer gelten muss: Schreibt für eure Zielgruppe, nicht für Algorithmen, die sich so oder so ändern werden.
- Mehr Sichtbarkeit für mehr Geld: LinkedIn lässt Beiträgen boosten.
Dazu passend: LinkedIn hat Werbeschaltungen für Privatpersonen eingeführt. Künftig kann jeder und jede die eigenen Beiträge boosten, also finanziell pushen: Heißt die Zukunft mehr Sichtbarkeit für mehr Geld? Ob dieses Boosting LinkedIn zu einer besseren Plattform macht, daran zweifle ich … oder wie Britta Behrens schreibt: Es ist ein schmaler Grat.
Über den Umgang mit KI.
- DRPR: Aktuelle Richtlinie zum KI-Einsatz in der PR
Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz verändert die Arbeitsweisen in der PR-Branche tiefgreifend. Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) hat daher seine Richtlinie zum Umgang mit KI in der PR überarbeitet und erweitert – mit Fokus auf Transparenz, Kennzeichnung und Verantwortung.
- Weimatar: 1. deutscher Minister mit KI-Avatar
Sind wir als Gesellschaft bereit für KI-Avatare? Die Bundesregierung schickt dazu seit Ende September den Weimatar ins Rennen, die digitale Fassung von Wolfram Weimer, Beauftragter für Kultur und Medien. Damit will sie ein Zeichen setzen, dass sie Künstliche Intelligenz aktiv mitgestalten will. Ich bin auf jeden Fall gespannt, welche Themen in welchen Sprachen der Weimatar noch setzen wird.
by Dominik Ruisinger | 31.07.2025 | Blog
Auch wenn der Sommer schon im vollen Gange ist – okay, ein bei uns eher verregneter Sommer –, scheint die Anzahl der spannenden Studien und Informationen nicht nachzulassen. Darum habe ich mich entschieden, eine Sommerausgabe meiner Gedankenspiele-Lesetipps zu publizieren – mit Fokus auf diese aktuellen Studien.
Denn ob zu Content-Formaten im Social-Media-Bereich, zum Boom von Kurz-Videos auf YouTube oder zu den Erfolgsfaktoren beim E-Mail-Marketing: Die Ergebnisse regen uns auf jeden Fall zum Nachdenken über unsere eigenen Strategien an. Viel Spaß damit. Ein paar erholsame Tage und Wochen wünscht trotzdem
Dominik R.
Studien: Rund um die digitale Kommunikation.
Buffer: Diese Content-Formate bringen das meiste Engagement
Welches Format ist auf welcher Plattform am erfolgreichsten? Auch dies zählt zu den Fragen, die ich häufig in Coachings erhalte. Die Social-Media-Plattform Buffer ist dieser Frage nachgegangen und hat auf Basis von Millionen von Beiträgen deren Performance analysiert. Das Ergebnis: Wer bei Instagram nach Reichweite sucht, benötigt Reels, wer Engagement sucht, punktet mit Karussells. Der Performance-Sieger bei LinkedIn heißt eindeutig Karussells, bei Facebook überzeugen Bild-Posts, bei TikTok Videos und bei Threads Bild- und Video-Postings.
Online-Videos: YouTube dominiert bei Kurz-Videos
Der Online-Video-Markt wächst dynamisch. Laut Online-Video-Monitor 2025 der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) berichten 78 % der Anbieter über gestiegene Abrufzahlen. Dabei sind kurze, maximal 3 Minuten lange Videos besonders gefragt. Trotz TikTok-Aufmerksamkeit heißt die dominierende Plattform übrigens YouTube. Ich bin gespannt, wann dies die hiesigen Unternehmen für sich entdecken.
Inxmail: E-Mail-Marketing-Benchmarks 2025
Ungewöhnliche Versandzeiten, klare Zielgruppenrelevanz statt hoher Frequenz sowie Verteilerqualität ohne große Bounce-Rates: So lauten die zentralen Erfolgsquotienten im E-Mail-Marketing. Für den E-Mail-Marketing-Benchmark 2025 hat Inxmail 4,2 Mrd. E-Mails analysiert. Auffällig: Während Tourismus und Kultur mit hohen Öffnungs- und Klickraten glänzten, kämpfen Finanzunternehmen mit hohen Bounce-Raten und geringer Interaktion. Hier scheint noch einiges Optimierungspotenzial zu liegen.
Hubspot: 6 KI-Trend-Prognosen für 2025
Kreative Freiräume im Marketing, Tool-Tests von KI-Agenten, integrierte Strategien statt Insellösungen: Marketer blicken zuversichtlich in die KI-Zukunft. Dies geht aus dem Hubspot-Report »KI-Trends für Marketingprofis 2025« hervor, der Daten von über 1.500 Unternehmen weltweit ausgewertet hat. Er verdeutlicht, dass die größten Veränderungen in unseren Köpfen und in den Prozessen stattfinden müssen, um bei der KI-Revolution dabei zu sein.
Strategien. Integriert denken.
Customer Journey: Wo hilft Social-Media-Marketing?
Wo kann Social-Media-Marketing die Customer Journey unterstützen? Dieser Beitrag zeigt dies anhand der Phasen Awareness, Consideration und Action auf: Also Interesse an einem Produkt wecken, die Entscheidung erleichtern und den Erwerb ermöglichen – mit Unterstützung von Paid und Influencern. Nur: Wie man heute noch Social Media als „das neue Leitmedium“ ausrufen kann, das geht in meinen Kopf nicht hinein. 😤
Content Strategie: Welche Aspekte berücksichtigt LinkedIn?
Unterscheidet LinkedIn, wer den Content sich ansieht? Analysiert LinkedIn, wie tief wir in die jeweiligen Inhalte eintauchen? Berücksichtigt LinkedIn, wie gut unser Content die Menschen auf der Plattform halten? Ja, das tun sie. Einige wichtige Angaben dazu hat Sandra Elgaß in ihrem LinkedIn-Post zusammengefasst.
Bild-Kommunikation: Passt das Bild zum Text?
Menschen klicken Gesichter. Darum posten Menschen Gesichter. Nur passen diese zu den Inhalten? Annett Bergk stellt die Frage nach der Schere zwischen Bild und Text. »Was suggeriert das Bild und was erzählt der Beitrag? Stimmen diese Ebenen überein? Ergänzen sie sich? Oder widersprechen sie sich?« Sollten wir anfangen, uns auf Bilder mit wirklicher Relevanz zu fokussieren und diese Bilder auch für alle genau zu beschreiben? Ein Beitrag, der zum Nachregen über die eigene Bild-Kommunikation anregt und der Frage nach den »Relations« wieder relevant macht.
Content. Texte, KI, SEO, GEO.
KI-Content: Der strategische Wert authentischer Inhalte
Wenn KI-Modelle in Sekundenschnelle massenhaft Texte produzieren, brauchen wir dann noch den Menschen für das Content Marketing? Ja, schreibt Timo Zingsheim. Denn die menschliche Perspektive wird zum knappsten und wertvollsten Rohstoff. Künftig gewinnen nicht die lautesten Stimmen, sondern authentische Inhalte, die Persönlichkeit und Meinung transportieren und Vertrauen schaffen. Wichtiger Text gerade in einer Welt der Austauschbarkeit.
SEO: 8 kostenlose Google-Tools
Auch in KI-Zeiten können SEO-Tools sehr hilfreich sein. Gerade Google bietet kostenfreie Tools für das ganzheitliche Suchmaschinenmarketing. Auch wenn die meisten hier bekannt sein sollten: Dieser Beitrag gibt einen kompakten Überblick über 8 Tools: von der Search Console über Google Analytics und Trends bis zum Business Profil und den Pagespeed Insights.
Social-Media-Marketing.
Meta verbannt politische Werbung
Meta wird ab Oktober 2025 wegen TTPA keine politischen, sozialen oder wahlbezogenen Anzeigen mehr in der EU zulassen. Dies hat v.a. auch Auswirkungen auf NGOs und Aktivisten, die ihre Kampagnen werblich begleiten wollen. Ich bin gespannt, wie sich solche Bestimmungen dann umgehen lassen bzw. ob hier wirklich schon das letzte Wort gesprochen ist, wie ich auch in meinem LinkedIn-Beitrag dazu schreibe.
Werbeanzeigenmanager: Die Grundlagen
Der Werbeanzeigenmanager von Meta vermittelt nicht nur Glücksgefühle. Denn oft ist es nicht wirklich einfach, sich dort durchzubewegen. Für die Grundlagen hat jetzt Tamara Widmoser einen Einführungsartikel geschrieben: Von der Einrichtung des Kontos über die Erstellung einer Kampagne bis zur Schaltung und Messung der Anzeige gibt er gerade Einsteigern einen guten Überblick.