Die Stadt im digi­ta­len Wan­del: War­um wir radi­kal umden­ken müssen

Die Stadt im digi­ta­len Wan­del: War­um wir radi­kal umden­ken müssen

Vor gut zwei Jah­ren hat­te ich geschrie­ben, dass nicht Coro­na die Innen­städ­te ver­än­dert. Son­dern unser Ver­hal­ten in digi­ta­len Zei­ten. Also wir alle selbst. Jetzt habe ich den Bei­trag noch­mals ange­packt. Da ich ihn heu­te für wich­ti­ger emp­fin­de als zu Coro­na-Zei­ten. Weil er auf­zeigt, wie schnell sich im digi­ta­len Wan­del etwas ver­än­dert. Ein Gedan­ken­spiel über die Fol­gen ver­schla­fe­ner Digi­ta­li­sie­rung. Oder: Hal­lo digi­ta­ler Wandel.

»Büros ste­hen leer. Woh­nun­gen wer­den gebraucht. Die Umwid­mung von Gewer­be­flä­chen könn­te die Woh­nungs­knapp­heit in Deutsch­land lin­dern. Exper­ten haben aus­ge­rech­net, dass so 45.000 Woh­nun­gen ent­ste­hen könn­ten. Doch oft schei­tern die Ideen an feh­len­den Geneh­mi­gun­gen und rigi­den Bauvorschriften.« 

So schreibt Gabor Stein­gart in mei­nem der­zei­ti­gen Lieb­lings-News­let­ter, dem Mor­ning Briefing.

Über Leer­stand und Ver­ödung von Innen­städ­ten wur­de bereits vor 2 Jah­ren dis­ku­tiert. Damals wur­de dem Virus die Schuld gege­ben: „Unse­re Innen­städ­te ster­ben wegen Coro­na aus“. Ähn­lich for­mu­liert es daher heu­te das AI-Tool Mer­lin: »Die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie auf die Innen­städ­te sind signi­fi­kant und wer­den in den kom­men­den Jah­ren eine neue Rea­li­tät schaf­fen

Kein Wan­del nach Corona

Die Schuld­zu­wei­sung an den Virus war schon damals Quatsch. In mei­ner Visi­on für das Jahr 2030 schrieb ich dazu: »Das kön­nen nur Men­schen behaup­ten, die die letz­ten 20 Jah­re mit blick­dich­ten Scheu­klap­pen her­um­ge­lau­fen sind.« Die Pan­de­mie war ein Ver­stär­ker. Mit Sicher­heit. Mehr aber nicht.

 Dafür reicht ein Blick in das Heu­te. Ist jetzt alles „back to nor­mal“, seit­dem die Coro­na-Zei­ten – offi­zi­ell – been­det sind? Wer durch die Innen­städ­te läuft, hat die Ant­wort vor Augen: Die Zahl der Plei­ten ist gestie­gen, die Zahl der über­füll­ten Stra­ßen und Plät­ze zurück­ge­gan­gen, die Zahl der „Schlussverkauf“-Schilder gewach­sen, und die Kla­gen der Geschäfts­leu­te über gerin­ge­re Umsät­ze sind dage­gen deut­lich zu ver­neh­men. Denn Ein­kaufs­stra­ßen ver­lie­ren immer mehr Men­schen, Fla­neu­re, Käu­fe­rin­nen, Interessierte.

Digi­ta­ler Wan­del erst am Anfang

Vor zwei Jah­ren beschrieb ich fol­gen­des Sze­na­rio:

»Wir schrei­ben das Jahr 2030. Die Innen­städ­te haben sich im Ver­lauf der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re stark ver­än­dert. Ob die Zeil in Frank­furt am Main, die Schil­der­gas­se in Köln, die König­stra­ße in Stutt­gart oder die Kau­fin­ger­stra­ße in Mün­chen: Über­all haben die einst das Stadt­bild so domi­nie­ren­den Waren­häu­ser, Mode­bou­ti­quen, Schuh­ket­ten, Buch- und Schmuck­lä­den ihr tra­di­tio­nel­les Zuhau­se ver­las­sen. Die neu­en Mie­ter sind Mar­ken-Flag­s­to­res, Co-Working-Spaces, Kaf­fee­ket­ten und Ver­sand-Shops von Ama­zon & Co.«

Domi­nik Ruisinger

Dazu fin­det der Ver­kauf längst nur noch online statt – per App, Pro­dukt-Scan direkt live aus dem Show­room und natür­lich über die Social-Media-Kanä­le wie Insta­gram Shop­ping. Die­ser Visi­on nähern wir uns gera­de in lau­ten Schrit­ten. Schon heu­te erwar­ten die Kom­mu­nen mehr Leer­stand und Geschäfts­auf­ga­ben, wie Stu­di­en, wie die »Deutsch­land­stu­die Innen­stadt 2022« auf­zei­gen. Weil die Men­schen den Innen­städ­ten und Ein­kaufs­stra­ßen fern­blei­ben: »Noch im Herbst 2021 gaben nicht ein­mal 25 Pro­zent der Befrag­ten an, „sel­ten“ bis „gar nicht“ in die Innen­städ­te zu gehen. In die­sem Som­mer (2022) ist es bereits ein Drit­tel, also über 30 Pro­zent«, heißt es dazu im Busi­ness Insi­der.  

Ama­zon und das Henne-Ei-Prinzip

Die­ser Ver­lust an Men­schen und deren sin­ken­de Kauf­lau­ne nährt Sor­gen vor der Ver­ödung der Innen­städ­te. Liegt die­ser Ver­lust an Urba­ni­tät noch an Coro­na? Nein. Was der Pio­neer-Chef Stein­gart skiz­zier­te, ist ein Phä­no­men, das einen ganz ande­ren Hin­ter­grund hat: digi­ta­ler Wan­del und unser ver­än­der­tes Medi­en- und Kon­sum­ver­hal­ten. Es sind wir Men­schen, die es ein­fach nicht anders woll­ten und wollen.

Wenn ich davon lese, dass »Ama­zon & Co. und Coro­na vie­le loka­le Ein­zel­händ­ler zur Geschäfts­auf­ga­be zwin­gen«, dann hat der Autor das Hen­ne-Ei-Prin­zip nicht ver­stan­den. Ama­zon & Co. haben sich nicht durch­ge­setzt, weil die Mar­ke von Anfang an so stark war. Ama­zon & Co. haben Macht, weil wir es so woll­ten, weil wir es ihnen gege­ben haben, weil wir die Bequem­lich­keit genie­ßen, weil wir den Ser­vice schät­zen, weil uns das Gan­ze viel Zeit erspart, die wir anders ver­brin­gen wol­len. Und weil immer mehr Men­schen jeder Gene­ra­ti­on ins Netz abge­wan­dert sind.

Und nein, ich will nicht die Gro­ßen ver­tei­di­gen. Nur zeigt sich hier wie­der das The­ma Digi­ta­li­sie­rung. Ver­ein­facht lässt sich sagen, dass unse­re Innen­städ­te die Digi­ta­li­sie­rung und unse­re Ver­hal­tens­ver­än­de­rung in digi­ta­len Zei­ten ver­schla­fen haben. Wäh­rend der Staat mit För­der­gel­dern und Finanz­hil­fen auf die bescheu­er­te Idee kommt, Waren­haus­kon­zep­te zu unter­stüt­zen, die schon seit Jah­ren aus­ge­lau­fen sind, feh­len viel­fach die ein­fach umsetz­ba­ren Ideen, die eine Ver­net­zung von vor Ort und digi­tal verbinden.

Panik statt Ideen

Wo sind die Geschäf­te, in denen man sofort sei­ne Pro­duk­te scan­nen, digi­tal bezah­len und sich nach Hau­se schi­cken las­sen kann? Wür­de das nicht auch viel Ver­kaufs­flä­che erspa­ren? Statt­des­sen bli­cken alle mit Schre­ckens-gewei­de­ten Augen auf neue Ama­zon-Ver­teil­zen­tren oder auf Ama­zon Go, auf Super­märk­te ohne Kas­sen, wo man das nimmt, was man braucht, hin­aus­geht und per Ama­zon-Kon­to bezahlt. Ist das so schwer umsetz­bar? Nicht wirk­lich. Gibt es sol­che Bei­spie­le schon? Ja, sicher. Sind das vie­le? Nein, viel zu wenige!

Natür­lich freue ich mich über Initia­ti­ven wie der För­der­topf »Digi­ta­ler und Ein­zel­han­del zusam­men­den­ken« in NRW, der digi­ta­len und sta­tio­nä­ren Han­del zusam­men­führt. Aber war­um erst jetzt? Sol­che Kon­zep­te dau­ern und brau­chen Zeit, heißt es immer wie­der. Nein, sor­ry, die Zeit ist nicht mehr da, digi­ta­ler Wan­del über­all aber schon. Und nur als klei­ne Erin­ne­rung: Die­ses Inter­net ist heu­te schon 70 Jah­re alt.

Radi­ka­les Umden­ken nötig

Heu­te ist das Ster­ben der Innen­städ­te in vol­lem Gan­ge. Vor allem des­we­gen, weil die Innen­städ­te sich nicht neu erfin­den. Jede Kri­se bie­tet bekannt­lich auch Chan­cen. Nur: Wann fin­den wir end­lich den Mut, dazu, viel radi­ka­ler zu den­ken? Hal­lo digi­ta­ler Wandel?

 »Über­all ster­ben Läden, die Innen­städ­te ver­fal­len. Coro­na gibt vie­len Orten nun den Rest. Es sei denn, Poli­tik und Ein­woh­ner den­ken radi­kal um und erfin­den ihre City völ­lig neu«, hieß es vor zwei Jah­ren im Stern.

Der Stern

Rich­tig. Neu den­ken, hie­ße bei­spiels­wei­se, das bis­he­ri­ge Modell einer Tren­nung von Woh­nen und Arbei­ten zu beer­di­gen, nicht-kom­mer­zi­el­le Nut­zung för­dern, Büro- und Laden­flä­chen in Woh­nun­gen zu ver­wan­deln, um Woh­nen und Arbei­ten zum Lebens­raum zu kom­bi­nie­ren. Nähe­re Arbeits­plät­ze, kür­ze­re Wege, sozia­le Viel­falt, nähe­res Mit­ein­an­der hie­ßen die Fol­gen die­ses Mix‘. Macht nicht genau dies Kieze in Groß­städ­ten so lebenswert?

Woh­nen + Arbei­ten = Erlebnisraum

»Es muss das Ziel sein, die Städ­te wie­der stär­ker zu bele­ben«, schreibt der Unter­neh­mer Micha­el Otto im Han­dels­blatt-News­let­ter. »Büros, die wegen des Trends zum Home­of­fice nicht mehr gebraucht wer­den, kann man bei­spiels­wei­se zu Woh­nun­gen umfunktionieren.«

Micha­el Otto

Doch war­um schei­tern (sie­he oben) die Umwid­mung von Gewer­be­flä­chen an feh­len­den Geneh­mi­gun­gen und rigi­den Bau­vor­schrif­ten? Auch als frü­he­rer Stu­dent der Archi­tek­tur fra­ge ich mich: Wo sind die vie­len Vor­bil­der in den Städ­ten, den Län­dern und ins­be­son­de­re bei Bau­un­ter­neh­men, die die Fol­gen der Digi­ta­li­sie­rung erken­nen und radi­ka­le Ideen umset­zen? Als Vor­bild für vie­le ande­re? Denn lee­re Büro­flä­chen brin­gen auch kei­ne Ren­di­te. Wo ist die­ser Mut zum radi­ka­len Neuanfang?

Ohne Was­ser stirbt jeder Keim der Hoffnung

In mei­ner posi­tiv gestimm­ten Visi­on für Jahr 2030 pro­gnos­ti­zier­te ich die­se Durchmischung: 

»In eini­gen Läden, die einst die WMF‑, Swatch‑, H&M- und Dou­glas-Filia­len beher­berg­ten, haben nor­ma­le Men­schen ihr neu­es Zuhau­se gefun­den. Woh­nen und Arbei­ten sind enger zusam­men­ge­rückt. Der Grund: Die Innen­stadt-Mie­ten sind nach dem Zusam­men­bruch des Büro-Immo­bi­li­en­mark­tes wie­der bezahl­bar gewor­den. Schließ­lich sind die frü­he­ren Geschäf­te ver­schwun­den oder kom­plett ins Web umge­zo­gen. Zudem haben sich vie­le Büros räum­lich deut­lich ver­klei­nert – weil im Schnitt 50 Pro­zent aus dem Home­of­fice her­aus­ar­bei­ten. Weil dies die Arbeit­ge­ber und ‑neh­mer so wol­len. Und weil es seit 10 Jah­ren ver­stärkt zur Nor­ma­li­tät gehört.« 

Domi­nik Ruisinger

Klingt das heu­te so abwe­gig? In jeder Kri­se keimt immer etwas Hoff­nung. Nur wer die­sem Keim nicht bald etwas Was­ser gibt, der wird alle Hoff­nun­gen ersticken.

D21-Digi­tal-Index: Die etwas weni­ger gespal­te­ne Gesellschaft

D21-Digi­tal-Index: Die etwas weni­ger gespal­te­ne Gesellschaft

Die Deut­schen schei­nen in der digi­ta­len Gesell­schaft ange­kom­men zu sein – wenn auch wei­ter­hin mit kräf­ti­gen Unter­schie­den. So zumin­dest das Fazit des D21-Digi­tal-Index. Jähr­lich zeich­net die Stu­die der Initia­ti­ve D21 ein Lage­bild davon, wie die Gesell­schaft zu den Her­aus­for­de­run­gen des digi­ta­len Wan­dels steht bzw. wie sich der Digi­ta­li­sie­rungs­grad der deut­schen Gesell­schaft ent­wi­ckelt. Zum 10-jäh­ri­gen Stu­di­en­ju­bi­lä­um wur­de der Digi­tal-Index um einen Resi­li­enz-Fak­tor ergänzt, heißt über­setzt: Besit­zen die Men­schen not­wen­di­ge Fähig­kei­ten, um die ein­her­ge­hen­den Ver­än­de­run­gen zu anti­zi­pie­ren, zu reflek­tie­ren und zu adaptieren? 

Der D21-Digi­tal-Index zählt für mich zu den wich­tigs­ten Stu­di­en rund um die The­men Digi­ta­li­sie­rung, digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on und damit natür­lich digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on. Schon vor kur­zem bin ich in einem Lin­ke­dIn-Post auf eini­ge Ergeb­nis­se ein­ge­gan­gen. Doch die Stu­die ist mir zu wich­tig, sodass ich ihr die­ses »Gedan­ken­spiel« wid­men will. Schließ­lich lie­fert sie Ori­en­tie­rung, Anhalts­punk­te und Ent­schei­dungs­vor­la­gen – gera­de für Akti­ve im Bereich der digi­ta­len Kommunikation. 

Da die Stu­die äußerst umfang­reich ist, habe ich mich auf 7 The­men und Aus­sa­gen fokussiert:

1. Digi­ta­li­sie­rungs­grad mit viel Potenzial

Die Digi­ta­li­sie­rung ist fes­ter Bestand­teil des Lebens der meis­ten Men­schen hier­zu­lan­de. Über die Hälf­te (57 %) der Men­schen haben die Digi­ta­li­sie­rung fest in ihr Leben inte­griert. Dies betrifft Zugang zu den digi­ta­len Medi­en, digi­ta­le Kom­pe­ten­zen, regel­mä­ßi­ge Nut­zung digi­ta­ler Instru­men­te sowie die Ein­stel­lung zur Digi­ta­li­sie­rung. Und doch zei­gen die Zah­len, dass sich der aktu­el­le Digi­ta­li­sie­rungs­grad der deut­schen Gesell­schaft nur im Mit­tel­feld bewegt – mit viel Poten­zi­al nach oben.

2. Digi­ta­le Spal­tung bleibt bestehen

Digi­ta­le Spal­tung im Digi­tal-Index 2022/​2023

Die Mehr­heit der Men­schen ist zwar in der digi­ta­len Welt ange­kom­men: So kön­nen 55 Pro­zent als digi­ta­le Mit­te im digi­ta­len Wan­del gut mit­hal­ten und sind 29 Pro­zent als digi­ta­le Pro­fis in der digi­ta­len Welt wirk­lich zu Hau­se. Jedoch ver­fü­gen wie­der­um 14 Pro­zent weder über die Kom­pe­tenz, noch wol­len sie der Digi­ta­li­sie­rung Raum in ihrem Leben geben. Gera­de älte­re Frau­en, Men­schen mit gerin­ger Bil­dung und gerin­gem Ein­kom­men sowie Arbeits­lo­se ste­hen im digi­ta­len Abseits.

3. Täg­li­che Online-Nut­zung wei­ter­hin begrenzt

Die Inter­net­nut­zung hat wei­ter zuge­nom­men und liegt heu­te bei 93 Pro­zent. Bei der mobi­len Nut­zung stieg sie immer­hin auf 84 Pro­zent an. Dies betrifft jedoch die zumin­dest wöchent­li­che Nut­zung. Viel aus­sa­ge­kräf­ti­ger für die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on ist jedoch die täg­li­che Nut­zung. Denn nur Men­schen, die täg­lich online aktiv sind, sind wirk­lich über die eige­nen Bot­schaf­ten zu errei­chen. Und die­se Quo­te liegt wie­der­um – so die ARD-ZDF-Online­stu­die – „erst“ bei 80 Pro­zent, die ich hier in einem ande­ren “Gedan­ken­spiel” beschrie­ben hatte.

4. Geteil­tes Bild bei der digi­ta­len Resilienz

Eine Spal­tung ist auch bei der erst­ma­li­gen Fra­ge zur digi­ta­len Resi­li­enz zu beob­ach­ten. Danach kön­nen 64 Pro­zent die Her­aus­for­de­run­gen des digi­ta­len Wan­dels bewäl­ti­gen. Dage­gen fällt es gut 1/​3 der Bevöl­ke­rung schwer, sich an die Ver­än­de­run­gen des digi­ta­len Wan­dels anzu­pas­sen. Sie besit­zen nicht die not­wen­di­gen Ein­stel­lun­gen und Fähig­kei­ten, um dem digi­ta­len Wan­del resi­li­ent zu begeg­nen. Dies betrifft im deut­lich stär­ke­ren Maße die neu­en Bun­des­län­der, was ver­mut­lich wie­der­um auf ein durch­schnitt­lich gerin­ge­res Bil­dungs­ni­veau zurück­zu­füh­ren ist.

5. Bewusst­sein für Chan­cen wie Gefahren

Mehr als die Hälf­te der Bevöl­ke­rung (56 %) teilt die Auf­fas­sung, dass die Digi­ta­li­sie­rung für Deutsch­land in Zukunft posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen brin­gen wird. Gleich­zei­tig sieht eine Mehr­heit der Bevöl­ke­rung (64 %) in der geziel­ten Ver­brei­tung von Falsch­in­for­ma­tio­nen im Netz eine der größ­ten Risi­ken der Digi­ta­li­sie­rung für die Demo­kra­tie. Trotz­dem lehnt die Ein­schrän­kun­gen ab: Ihr ist es wich­ti­ger, frei die eige­ne Mei­nung im Netz äußern zu kön­nen, als dass Inhal­te auf belei­di­gen­de oder demo­kra­tie­feind­li­che Äuße­run­gen kon­trol­liert werden.

6. Lie­be zur Vogel-Strauß-Taktik

Einer deut­li­chen Mehr­heit der Berufs­tä­ti­gen ist bewusst, dass sich Beru­fe und Tätig­kei­ten in den nächs­ten Jah­ren durch die Digi­ta­li­sie­rung stark ver­än­dern wer­den bzw. dass sie sogar ganz weg­fal­len wer­den. Gleich­zei­tig glau­ben die meis­ten der Befrag­ten, dass dies nicht den eige­nen Job betref­fen wer­de. Ganz im Gegen­teil: Nur ein Bruch­teil ver­mu­tet jedoch, selbst davon betrof­fen zu sein. Hallo?!

7. Kaum Inter­es­se an eige­ner Fortbildung

Zu wenig Inter­es­se an digi­ta­ler Fortbildung

80 Pro­zent stim­men der Aus­sa­ge zu, dass man ohne Grund­kennt­nis­se der Digi­ta­li­sie­rung künf­tig kaum Chan­cen auf dem Arbeits­markt haben wer­de. Jedoch ver­fügt nur die Hälf­te über digi­ta­le Basis­kom­pe­ten­zen. Trotz­dem wer­den digi­ta­le Fort­bil­dungs­maß­nah­men nur begrenzt genutzt. So haben im letz­ten Jahr nur knapp 16 Pro­zent der Beschäf­tig­ten bezahl­te Inhouse-Schu­lun­gen oder Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te in Anspruch genom­men. Wenig ermu­ti­gend: 39 Pro­zent der Men­schen mit for­mal nied­ri­ger Bil­dung haben sich in den letz­ten 12 Mona­ten kein digi­ta­les Wis­sen angeeignet.

Fazit: Wer sich bil­det, der wird’s schaffen

Trotz posi­ti­ver Ent­wick­lun­gen ist es bis heu­te nicht gelun­gen, die digi­ta­le Spal­tung in der Gesell­schaft zu schlie­ßen. Dies zeigt sich sowohl beim aktu­el­len Ver­hal­ten in der digi­ta­li­sier­ten Welt als auch bei der digi­ta­len Resi­li­enz. Wei­ter­hin dro­hen Älte­re, weni­ger Gebil­de­te und an Wei­ter­bil­dung wenig Inter­es­sier­te im digi­ta­len Abseits zu ste­hen. Die­se Grup­pen ver­lie­ren immer stär­ker den Anschluss, gesell­schaft­lich wie öko­no­misch. Genau hat­te ich auch mit Bezug auf frü­he­re Stu­di­en immer wie­der betont. Um gera­de die­se Men­schen zu errei­chen und zu inte­grie­ren, bedarf es künf­tig wei­te­rer erheb­li­cher Anstrengungen. 

Eine ande­re Dis­kre­panz aus dem Digi­tal-Index sehe ich beim Blick auf mor­gen – zwi­schen Wis­sen und Action: Einer­seits stimmt mich posi­tiv, dass sich die meis­ten Men­schen der Bedeu­tung digi­ta­ler Kom­pe­ten­zen durch­aus bewusst sind. Rund 1/​4 der Bevöl­ke­rung weiß, dass künf­tig noch viel kom­ple­xe­re Fähig­kei­ten not­wen­dig wer­den, um am digi­ta­len Leben selbst­be­stimmt teil­ha­ben zu kön­nen. Für mich als Wis­sens­ver­mitt­ler lässt sich dies in die Not­wen­dig­keit des lebens­lan­gen Ler­nens über­set­zen. Ande­rer­seits schei­nen die wenigs­ten sich bewusst zu sein, dass dies eng mit der eige­nen Wei­ter­bil­dung ein­her­ge­hen muss. Fehlt jedoch die­se Bereit­schaft, hat dies gera­de in einem Land, das auf Wis­sen basiert, nega­ti­ve Konsequenzen.

Ein­fach gesagt: Nur wer den Ver­än­de­run­gen kom­pe­tent und offen begeg­net und sich stän­dig fit für die Zukunft macht, wird von der digi­ta­len Welt künf­tig pro­fi­tie­ren kön­nen. Alle ande­ren wer­den an der Sei­te verbleiben.

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10 Lese­tipps aus dem Sep­tem­ber 2019

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10 Lese­tipps aus dem Sep­tem­ber 2019

Es wird lang­sam kalt in Deutsch­land. Was gibt es also Gemüt­li­che­res, sich mit einem gepfleg­ten Espres­so und gutem Lese­stoff in die nächs­te Ecke auf’s Sofa zu ver­zie­hen? Ich habe dafür mal wie­der 10 Lese­tipps rund um die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on zusammengestellt. 

Der Erklärbär aus den Gedankenspielen von Dominik Ruisinger
Der Erklär­bär erklärt ab und zu mal wich­ti­ge Begriffe.

Und jetzt? Wei­ter lesen in mei­nem Blog “Gedan­ken­spie­le”.

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10+1 Lese-Tipps aus dem Mai 2019

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10+1 Lese-Tipps aus dem Mai 2019

Gedankenspiele - die Lese-Tipps von Dominik Ruisinger
Gedan­ken­spie­le — die Lese-Tipps zur Digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on von Domi­nik Ruisinger

Wenn auch ein paar Tage ver­spä­tet habe ich wie­der 10+1 Lese­tipps aus dem Mai 2019 rund um digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on zusam­men­ge­stellt. Die­ses Mal liegt der Fokus auf einer span­nen­den digi­ta­len Road­map, auf einer Prä­sen­ta­ti­on zum Online-Mar­ke­ting der Zukunft, auf den Stra­te­gie-Tech­ni­ken SWOT und Per­so­na, auf Basics zu Respon­si­ve Design, zu Goog­le Ads und Pin­te­rest Ads sowie auf dem Hin­weis auf eine neue und wert­vol­le Crea­ti­ve Com­mons Suchmaschine.

  • Mei­ne Sto­ry | Wie bewei­se ich Flug­li­ni­en mei­nen Flug?
    Ein Flug nach Ams­ter­dam und zurück. Eigent­lich ein­fach? Doch was dann pas­sier­te, schil­dert mein Gedan­ken­spiel mit den Prot­ago­nis­ten: Flug­li­nie KLM, Flug­ha­fen Stutt­gart, ein gestri­che­ner Flug, son­der­ba­re Auto­ma­tis­men und ein ver­wirr­ter Fluggast.

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Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10+1 Lese-Tipps aus dem Mai 2019

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10 Lese-Tipps aus dem Janu­ar 2019

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