Stich­wort Wis­sens­wer­tes: Ist eine Stra­te­gie immer lang­fris­tig ange­legt?

Stich­wort Wis­sens­wer­tes: Ist eine Stra­te­gie immer lang­fris­tig ange­legt?

Kon­zep­te und Stra­te­gien müs­sen immer lang­fris­tig wir­ken — oder zumin­dest eine mit­tel­fris­ti­ge Wir­kung haben. Mhhh. Gar nicht ein­fach die­se Aus­sa­ge, die über­all nach­zu­le­sen ist. Grund­sätz­lich bin ich durch­aus ein Freund davon, dass eine müh­sam ent­wi­ckel­te Stra­te­gie lang­fris­tig ihre Wir­kung zei­gen soll­ten. Doch gilt dies auch im digi­ta­len Zeit­al­ter und die­sen extrem schnell­le­bi­gen Zei­ten? Ein “Stich­wort Wis­sens­wer­tes” aus mei­nem Buch “Die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie” heu­te zum Begriff “Lang­fris­tig­keit”.

Der Stra­te­gie-Begriff »lang­fris­tig« in digi­ta­len Zei­ten

Stra­te­gien wer­den tra­di­tio­nell mit dem Begriff »lang­fris­tig« ver­bun­den, sind sie doch auf lan­ge Sicht aus­ge­rich­tet. Der Begriff der »Lang­fris­tig­keit« ist jedoch in digi­ta­len Zei­ten immer schwie­ri­ger zu defi­nie­ren. Konn­ten bis­lang noch Stra­te­gien auf meh­re­re Jah­re ange­legt wer­den, so hat sich dies im digi­ta­len Zeit­al­ter deut­lich ver­än­dert. Stra­te­gen müs­sen sich bewusst sein, dass der Begriff »lang­fris­tig« heu­te eher mit einem Zeit­raum von einem als von meh­re­ren Jah­ren ver­bun­den ist – gera­de ange­sichts der viel­fäl­ti­gen Ent­wick­lun­gen in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Medi­en­land­schaft.

Man muss beden­ken, was alles inner­halb des ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­tes in der Kom­mu­ni­ka­ti­on gesche­hen ist: Das Auf­kom­men des Social Web, die stär­ke­re Dia­log­ori­en­tie­rung, das ver­stärk­te Inter­es­se an öffent­li­cher Selbst­dar­stel­lung, die ver­än­der­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur, der Rück­zug ins Pri­va­te — Stich­wort Dark Social. Außer­dem wur­de die strik­te One Voice Poli­cy all­mäh­lich unter­gra­ben, es wird ver­stärkt visu­ell kom­mu­ni­ziert, auf schnell­le­bi­gen Con­tent gesetzt und der Trend geht hin zum Pull-Ansatz und zu einer Many-to-Many-Kom­mu­ni­ka­ti­on. Die klas­si­schen Medi­en ver­lie­ren all­mäh­lich an Bedeu­tung, und die Ära von Jour­na­lis­ten als ein­zi­ge Gate­kee­per neigt sich dem Ende zu.

Die­se und vie­le wei­te­re Ent­wick­lun­gen machen deut­lich, wie stark die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che im Umbruch begrif­fen ist. Ver­än­der­tes Nut­zer­ver­hal­ten und tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen »pushen« sich gegen­sei­tig zu einer fort­lau­fen­den Ver­än­de­rung. Zudem ist davon aus­zu­ge­hen, dass die­se Ent­wick­lung noch lan­ge nicht am Ende ist, son­dern sich in hoher Geschwin­dig­keit fort­set­zen wird – Stich­wort auto­ma­ti­sier­te Chat­bots, Stich­wort Vir­tu­al und Aug­men­ted Rea­li­ty, Stich­wort Live um nur ein paar zu nen­nen.

Stra­te­gie als fle­xi­bles Gerüst

Genau sol­chen Ver­än­de­run­gen muss sich eine digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie stets anpas­sen. Auf der einen Sei­te geht es nicht dar­um, neu­en Ent­wick­lun­gen immer hin­ter­her­zu­ren­nen und sich anhand die­ser jedes Mal kom­plett neu zu posi­tio­nie­ren. Ange­sichts der Ver­gäng­lich­keit von Trends wür­de dies enor­me Anstren­gun­gen ver­lan­gen und vie­le Res­sour­cen – teils ergeb­nis­los – ver­schlin­gen. Auf der ande­ren Sei­te muss die gewähl­te Stra­te­gie den Blick nach vor­ne rich­ten, um zen­tra­le Ent­wick­lun­gen früh­zei­tig zu erfas­sen und sie zu inte­grie­ren. Schließ­lich bil­det sie das Fun­da­ment, auf dem die gesam­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten basie­ren.

Solch ein hohes Maß an not­wen­di­ger Fle­xi­bi­li­tät belegt, dass Stra­te­gien weit weni­ger ein­mal fer­tig ent­wi­ckelt und für die kom­men­den Jah­re unver­än­der­bar fixiert blei­ben. Viel­mehr bil­den sie eher eine an den Unter­neh­mens- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zie­len aus­ge­rich­te­te fle­xi­ble Basis, die in regel­mä­ßi­gen Abstän­den und zumin­dest ein­mal pro Jahr genau über­prüft und den Gege­ben­hei­ten neu ange­passt wer­den muss.

Bis­her erschie­nen in der Serie “Stich­wort Wis­sens­wer­tes”:

Die digitale Kommunikationsstrategie von Dominik Ruisinger

Die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie. Seit Juli 2020 neu.
Wei­te­re Infos hier!

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10 Lese­tipps aus dem März 2020

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10 Lese­tipps aus dem März 2020

In den letz­ten Wochen und Mona­ten hat­te ich mich aus vie­len Kanä­len etwas zurück­ge­zo­gen: Eine gebro­che­ne Rip­pe und die End­re­dak­ti­on der zwei­ten Auf­la­ge mei­nes Buches “Die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie” (erscheint im Juni/​Juli) raub­ten mir eini­ges an Zeit. Das soll sich jetzt wie­der ändern. Und da wir ja alle in der Coro­na-Kri­se so vie­le Zeit haben, habe ich als Lese­stoff wie­der 10 Lese-Tipps in mei­ne Gedan­ken­spie­le gepackt.

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10 Lese­tipps aus dem März 2020

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10 Lese-Tipps aus dem März 2019

Gedankenspiele - die Lese-Tipps von Dominik Ruisinger
Gedan­ken­spie­le — die Lese-Tipps zur Digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on von Domi­nik Rui­sin­ger

Wie­der ist ein Monat vor­über. Und wie­der habe ich mei­ne monat­li­chen “Gedan­ken­spie­le” erstellt – mit 10 Bei­trä­gen rund um digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on, die mir in den ver­gan­ge­nen 4 Wochen beson­ders posi­tiv auf­ge­fal­len sind — neben vie­len wei­te­ren ;-).

10 x digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on

Tipp: Wei­te­re hilf­rei­che und lau­fend aktua­li­sier­te Lese-Tipps fin­den sich auch auf mei­nem Dii­go-Account.

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10 Lese­tipps aus dem März 2020

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 10 Lese-Tipps aus dem Janu­ar 2019

Digi­ta­les Wis­sen (15): Erfolgs­fak­to­ren einer Social Busi­ness Stra­te­gie

Digi­ta­les Wis­sen (15): Erfolgs­fak­to­ren einer Social Busi­ness Stra­te­gie

Zum Abschluss mei­ner klei­nen 15-tei­li­gen Serie zum “Digi­ta­len Wis­sen” möch­te ich auf ein Buch ein­ge­hen, das die bei­den Alti­me­ter-Kol­le­gen Char­le­ne Li und Bri­an Solis bereits im Jah­re 2013 publi­ziert haben und er eng in Zusam­men­hang mit mei­nem letz­ten Blog-Post zum Social Busi­ness Trans­for­ma­ti­on Pro­zess steht. Bis heu­te ist es hoch span­nend zu lesen, gera­de wenn es um eine Digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons- oder Busi­ness-Stra­te­gie geht.

7 Success Factors of Social Business Strategy by Brian Solis and Charlene Li.

Abb. 7 Suc­cess Fac­tors of Social Busi­ness Stra­te­gy by Bri­an Solis and Char­le­ne Li; flickr​.com/​p​h​o​t​o​s​/​b​r​i​a​n​s​o​l​i​s​/​1​7​0​4​4​0​1​1​632

The Seven Suc­cess Fac­tors of Social Busi­ness Stra­te­gy“ heißt das Buch vom Mit­te 2013. Die fol­gen­de Info­gra­fik (sie­he Abb.) aus dem Buch lie­fert bis heu­te eine gute Road­map und einen Ori­en­tie­rungs­leit­fa­den bei der Stra­te­gie-Ent­wick­lung. In sei­nem Blog-Bei­trag schreibt Bri­an Solis über den „phi­lo­so­phi­schen“ Ansatz: „A social busi­ness is not a mar­ke­ting stra­te­gy or a tech­no­lo­gy road­map but rather a way or phi­lo­so­phy of how busi­ness could be done dif­fer­ent­ly (…) in a much more human man­ner.

Auch wenn sich die 7 Erfolgs­fak­to­ren auf eine Social Busi­ness Stra­te­gie bezie­hen, so hel­fen sie als Leit­fa­den bei der Ent­wick­lung einer ganz­heit­li­chen digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie. Aus die­sem Grund macht es Sinn, einen Blick auf die in der Info­gra­fik ange­zeig­ten, im Blog beschrie­be­nen und hier über­setz­ten Fak­to­ren zu wer­fen.

  1. Defi­nie­ren Sie über­ge­ord­ne­te Busi­ness-Zie­le: Sie kön­nen kei­ne Stra­te­gie an Ihren Busi­ness-Zie­len aus­rich­ten, wenn Sie kei­ne kla­ren und damit mess- und über­prüf­ba­ren Zie­le haben.
  2. Ach­ten Sie auf eine lang­fris­ti­ge Visi­on: Sie müs­sen Ihre Visi­on klar und lei­den­schaft­lich kom­mu­ni­zie­ren, wenn Sie Ihr Team über­zeu­gen wol­len, sich voll für Ihre Social Stra­te­gy ein­zu­set­zen. Und des­sen voll­stän­di­gen Sup­port wer­den Sie benö­ti­gen.
  3. Sichern Sie sich die Unter­stüt­zung der Unter­neh­mens­füh­rung: Wenn Sie wirk­lich auf Ihr Busi­ness Ein­fluss neh­men wol­len – und der Moment wird kom­men –, spä­tes­tens dann benö­ti­gen Sie die Rücken­de­ckung und die Unter­stüt­zung der wich­tigs­ten Füh­rungs­per­so­nen.
  4. Defi­nie­ren Sie die stra­te­gi­sche Road­map: Selbst wenn Sie schon Ihre Busi­ness-Zie­le ken­nen und eine kla­re Visi­on haben, müs­sen Sie Ihren Weg dort­hin genau pla­nen – was Sie errei­chen und was Sie ver­mei­den wol­len.
  5. Eta­blie­ren Sie Gover­nan­ce und Gui­de­li­nes: Wer ist für die Umset­zung der Stra­te­gie ver­ant­wort­lich? Wie wer­den die Inhal­te koor­di­niert? Wie ist das Zuhö­ren und Reagie­ren auf Kun­den­an­fra­gen orga­ni­siert? Wenn Sie die Fra­gen klar beant­wor­ten und sich dar­an hal­ten, dann hilft Ihnen dies, mehr Zeit für Ihre Wachs­tums­stra­te­gie zu ver­wen­den, ohne sich zu ver­lie­ren.
  6. Sichern Sie Mit­ar­bei­ter, Res­sour­cen und Gel­der: In einem frü­hen Sta­di­um kann die Social Media Kam­pa­gne noch zu einer Agen­tur out­ge­sourct sein. Gleich­zei­tig soll­ten Sie inner­halb Ihres Unter­neh­mens inter­ne Res­sour­cen auf­bau­en und wei­ter­ent­wi­ckeln, um Ihr Unter­neh­men auf ein höhe­res Niveau zu heben, gera­de wenn der Social Pro­zess und Ihr Busi­ness wächst.
  7. Inves­tie­ren Sie stra­te­gisch in Tech­no­lo­gie: Wider­ste­hen Sie der Ver­su­chung, immer nach den neu­es­ten Tech­no­lo­gien zu suchen, bevor Sie einen lang­fris­ti­gen Stra­te­gie­plan haben. War­ten Sie mit den grö­ße­ren tech­no­lo­gi­schen Invest­ments bis zu dem Moment, wenn Sie einen stra­te­gi­schen Plan und eine kla­re Visi­on aus­ge­ar­bei­tet haben.

Gera­de der letz­te Punkt ist mit ent­schei­dend: Kei­ne vor­schnel­le Kon­zen­tra­ti­on auf Tools und Instru­men­te oder Tech­no­lo­gien. Statt­des­sen muss zuerst ein Stra­te­gie-Plan ent­wi­ckelt wer­den, bevor man sich mit den Instru­men­ten beschäf­ti­gen kann, die den Gedan­ken des Pla­nes nach innen wie nach außen wei­ter­tra­gen sol­len bezie­hungs­wei­se zu imple­men­tie­ren hel­fen. So schreibt Solis abschlie­ßend in sei­nem Blog: „It’s not so much about the ter­mi­no­lo­gy as much as it’s about your inten­ti­ons, the expec­ta­ti­ons of your con­nec­ted cus­to­mers and employees, and how you impro­ve con­nec­tions, con­ver­sa­ti­ons, and expe­ri­en­ces to grow your busi­ness and the value of the brand.“

Ach übri­gens: Wer jetzt noch mehr Wis­sen von mir haben will, der darf sich ger­ne direkt bei mir mel­den. Also bis bald!

Bis­he­ri­ge Bei­trä­ge in der Serie „Digi­ta­les Wis­sen“

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Fachbuch "Die digitale Kommunikationsstrategie" im digitalen Zeitalter. Von Dominik Ruisinger.

Hin­weis: Die­se 15 „Aus­flü­ge“ ent­stam­men mei­nem Buch: “Die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie. Pra­xis-Leit­fa­den für Unter­neh­men. Mit Case Stu­dys und Exper­ten­bei­trä­gen. Für eine Kom­mu­ni­ka­ti­on in digi­ta­len Zei­ten.” Wei­te­re Infos zum Buch, Hin­ter­grün­de zur Ent­ste­hung des Leit­fa­dens, Vor­stel­lung der Gast­au­toren und ver­wen­de­te Stu­di­en, Bestel­lung von Rezen­si­ons-exem­pla­ren sowie ein Link zur Buch­be­stel­lung fin­den sich hier.

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