Stich­wort Wis­sens­wer­tes: Der Return on Invest­ment

Stich­wort Wis­sens­wer­tes: Der Return on Invest­ment

Zum Abschluss mei­ner klei­nen Serie “Stich­wort Wis­sens­wer­tes” rund um mein neu­es Buch “Die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie” habe ich mir noch einen kur­zen Bei­trag rund um das The­ma Return on Invest­ment aus mei­nem Buch gepickt. Schließ­lich soll sich jedes Invest­ment letzt­end­lich ja für die Orga­ni­sa­ti­on auch loh­nen. Nur: Ein ROI ist wirk­lich nicht immer ganz ein­fach zu berech­nen.

ROI – Der Return on Invest­ment

»Without a stra­te­gy, the­re can be no ROI», schreibt die US-Mar­ke­ting-Exper­tin Dan­na Vet­ter in einem Gast­bei­trag im Blog von Bri­an Solis. »The »R« in ROI implies that the­re is in fact a return to be had.« Mit dem ROI wird das pro­zen­tua­le Ver­hält­nis von inves­tier­tem Kapi­tal und Gewinn gemes­sen, den ein Unter­neh­men oder eine Insti­tu­ti­on erwirt­schaf­ten konn­te. Das heißt: Er bezeich­net das Ver­hält­nis von dem, was man in eine Maß­nah­me inves­tiert hat, zu dem, was am Ende kon­kret her­aus­kommt.

Also ganz ein­fach vor­ge­rech­net: Liegt der ROI über 100 Pro­zent, bedeu­tet dies einen Gewinn für das Unter­neh­men. Dazu muss ein Return on Invest­ment über Ziel­maß­ga­ben ein­deu­tig defi­niert wer­den. Nur dann lässt sich spä­ter beschrei­ben, ob und wie effi­zi­ent sich eine kom­mu­ni­ka­ti­ve Inves­ti­ti­on hin­sicht­lich des Gewinns aus­ge­zahlt hat.

Die ROI-Berech­nung ist nicht immer ein­fach

Eine Ein­schrän­kung: Gera­de bei Social-Media-Maß­nah­men ist es oft schwer, den ROI ein­deu­tig zu bestim­men. Gene­rell gilt: Erst wenn ein kla­rer Zusam­men­hang zwi­schen durch­ge­führ­ten Social-Media-Maß­nah­men und den Umsatz- und Unter­neh­mens­zie­len her­ge­stellt wer­den kann, lässt sich ein ROI für Social Media über­haupt bemes­sen.

Ein Bei­spiel: Ein Unter­neh­men bewirbt ein Pro­dukt auf Insta­gram mit spe­zi­el­len, ziel­grup­pen­ge­nau­en Ads, damit mög­lichst vie­le Besu­cher in den Online-Shop auf der Web­sei­te gehen und dort das Pro­dukt kau­fen. Also ROI bezeich­net man in die­sem Fall die Ein­nah­men von Nut­zern, die auf die Insta­gram Ads geklickt haben im Ver­hält­nis zu den Kos­ten für die Erstel­lung und die Bewer­bung des Bei­tra­ges.

Bis­her erschie­nen in der Serie “Stich­wort Wis­sens­wer­tes”:

Die digitale Kommunikationsstrategie von Dominik Ruisinger

Die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie. Seit Juli 2020 neu.
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Stich­wort Wis­sens­wer­tes: KISS = Social + Share­ab­le

Zu den alt­ehr­wür­di­gen For­meln, die aus der Wer­be­spra­che kom­men, zählt auch die KISS-For­mel: »Keep it short and simp­le«. Doch in Zei­ten von Social Media lässt sich die­se For­mel neu inter­pre­tie­ren und ihr damals plötz­lich hohe Rele­vanz zutei­len. Kein Wun­der also, dass die­ser Begriff weder bei “Stich­wort Wis­sens­wer­tes” noch in mei­nem neu­en Buch feh­len darf.

KISS: Keep it signi­fi­cant and share­ab­le

Ob die Ver­brei­tung von Owned Con­tent, also über die eige­nen Kanä­le, ob ein­ge­kauf­ter Paid Con­tent oder über nut­zer- oder medi­en­ge­ne­rier­ter Ear­ned Con­tent bzw. Shared Con­tent: All die­se Con­tent-Arten kön­nen zur posi­ti­ven Sicht­bar­keit einer Orga­ni­sa­ti­on bei­tra­gen. Dazu müs­sen sie den zuvor defi­nier­ten Nut­zern einen Mehr­wert lie­fern – und dies nicht nur ein­ma­lig, son­dern regel­mä­ßig. Für ein erfolg­rei­ches Enga­ge­ment ist somit kon­ti­nu­ier­li­cher Mehr­wert mit Wei­ter­erzähl-Poten­zi­al bzw. Con­tent mit Rele­vanz zu gene­rie­ren.

Denn die pri­va­ten Kom­mu­ni­ka­to­ren betei­li­gen sich nur dann, wenn die Inhal­te für sie bedeut­sam, rele­vant und an ande­re – mög­lichst schnell und ein­fach – mit­teil­bar sind. Dazu lohnt es sich, die klas­si­sche KISS-For­mel (»Keep it short and simp­le«) wei­ter­zu­den­ken und neu zu inter­pre­tie­ren, wie Fre­de­ric Gon­za­lo auf Social Media Today:

»In this day and age of Con­tent-Mar­ke­ting, big data and shrin­king atten­ti­on span for ever-incre­a­sing amounts of shared infor­ma­ti­on, the KISS princip­le is perhaps best sum­ma­ri­zed as: Keep it Signi­fi­cant and Share­ab­le!«

KISS = Social and Share­ab­le

Kon­kret bedeu­tet dies: Gera­de für die Social Media Platt­for­men soll­te Con­tent also mög­lichst »social« und »share­ab­le« sein. Sprich, Orga­ni­sa­tio­nen soll­ten Inhal­te kom­mu­ni­zie­ren, die sich über­all kom­men­tie­ren, ein­fach tei­len und sofort wei­ter­ver­brei­ten las­sen. Nur dann ist die Vor­aus­set­zung gege­ben, dass die Dia­log­part­ner die Inhal­te in ihre eige­nen Kanä­le wei­ter­tra­gen und den Inhal­ten – und damit auch der Orga­ni­sa­ti­on – zu einer grö­ße­ren Sicht­bar­keit ver­hel­fen. Prak­tisch bedeu­tet dies, dass jeg­li­cher vor­han­de­ner oder noch zu pro­du­zie­ren­der Inhalt nach sei­ner Social Sto­ry hin­ter­fragt wer­den soll­te.

Wer­den die­se zwei Vor­aus­set­zun­gen dage­gen nicht erfüllt, lässt sich das Wei­ter­erzähl-Poten­zi­al nicht aus­schöp­fen, da die Dia­log­part­ner die Inhal­te nicht mit ande­ren tei­len bezie­hungs­wei­se ihre Erfah­run­gen nicht an ihre eige­nen Com­mu­ni­tys wei­ter­ge­ben. Dies hät­ten bei­spiels­wei­se durch­aus posi­ti­ve Erfah­run­gen mit einem neu­en Pro­dukt, Hin­wei­se auf eine rele­van­te Stu­die oder Lob für einen her­vor­ra­gen­den Ser­vice sein kön­nen.

Fazit: »Keep it signi­fi­cant and share­ab­le« ist ein kla­rer Auf­ruf an alle Kom­mu­ni­ka­to­ren. Über­setzt bedeu­tet dies: Ist ein Bei­trag nicht ein­fach teil­bar und rele­vant aus Sicht mei­ner Ziel­grup­pe, wird er kei­ne Sicht­bar­keit erhal­ten und zu kei­ner Inter­ak­ti­on füh­ren. Und nur dann, wenn der Con­tent für Ziel­grup­pen rele­vant und ein­fach teil­bar ist, wird er sich künf­tig ver­brei­ten.

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Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 7+4 Lese­tipps aus Sep­tem­ber 2020

Mei­ne Gedan­ken­spie­le: 7+4 Lese­tipps aus Sep­tem­ber 2020

Stich­wort Stra­te­gie: Bezo­gen auf mein aktu­el­les Buch “Die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie” habe ich in den ver­gan­ge­nen Wochen regel­mä­ßig Bei­trä­ge zu stra­te­gi­schen The­men hier im Blog publi­ziert. Und die­se Rei­he wird im Okto­ber noch wei­ter­ge­hen. In die­ser Aus­ga­be der monat­li­chen Gedan­ken­spie­le habe ich sie ergänzt mit eini­gen belieb­ten Lese­tipps.

Mei­ne aktu­el­len Blog-Bei­trä­ge rund um Stra­te­gie

  • Stra­te­gie | Die ein­fa­che Blog-Stra­te­gie: ICH-WIR-IHR 
    Ein Cor­po­ra­te Blog zählt zu den Königs­dis­zi­pli­nen digi­ta­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on. Doch wie baue ich ein Blog stra­te­gisch auf? In die­sem Bei­trag stel­le ich das ein­fach ver­ständ­li­che Modell einer 3‑phasigen Blog-Stra­te­gie vor: Ich, wir, ihr.
  • Stra­te­gie | Stich­wort Wis­sens­wer­tes: Ist eine Stra­te­gie immer lang­fris­tig ange­legt? 
    Stra­te­gien soll­ten immer mit­tel- und lang­fris­tig ange­legt sein. Doch gilt dies auch im digi­ta­len Zeit­al­ter und die­sen extrem schnell­le­bi­gen Zei­ten? Ein Stich­wort Wis­sens­wer­tes zum Begriff der “Lang­fris­tig­keit”.
  • Stra­te­gie | Stich­wort Wis­sens­wer­tes: Das Leit­bild als Stra­te­gie-Basis 
    Wer sich an eine digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie her­an­wagt, benö­tigt eine kla­re Unter­neh­mens­stra­te­gie. Schließ­lich soll die Kom­mu­ni­ka­ti­on einen “Impact” haben. Auf dem Weg zu einer Unter­neh­mens­stra­te­gie lohnt es sich, sich mit dem eige­nen Leit­bild aus­ein­an­der­zu­set­zen.
  • Stra­te­gie | Stich­wort Wis­sens­wer­tes: Dark Social 
    Seit eini­gen Jah­ren ist auf­fäl­lig, dass gera­de jün­ge­re Men­schen sich immer stär­ker aus Dis­kus­sio­nen auf den Social Media Platt­for­men her­aus­hal­ten. Statt­des­sen schal­ten sie ihre Social Media Kanä­le auf “pri­vat” oder fokus­sie­ren sich auf klei­ne­re wie grö­ße­re Grup­pen z.B. bei Mes­sen­gern. Die­ser Rück­zug ins Pri­va­te wird mit dem Begriff “Dark Social” über­schrie­ben, den ich in die­sem Bei­trag erläu­te­re.

Emp­foh­le­ne Lese­tipps rund um die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on

Stich­wort Wis­sens­wer­tes: Der Return on Invest­ment

Stich­wort Wis­sens­wer­tes: Stra­te­gie + Social Media = Busi­ness Case

Heu­te zur Abwechs­lung “nur” ein kur­zer Video-Tipp als Wis­sens­wer­tes. Die­ses Video zei­ge ich selbst ger­ne in mei­nen Work­shops und Trai­nings, wenn es um das The­ma Stra­te­gie, um Social Media und kon­kret die schritt­wei­se Vor­ge­hens­wei­se – erst der Con­tent, dann die Kanä­le! – geht. Daher passt die Fra­ge nach dem Busi­ness Case sowohl in die­se Serie “Stich­wort Wis­sens­wer­tes” als natür­lich auch in mein Buch “Die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie”.

Zum Hin­ter­grund: Auch bei vie­len hie­si­gen Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen herrscht wei­ter­hin die Unsit­te, dass sie Stra­te­gie mit Kanal-Wahl ver­wech­seln. Das heißt, bei der Fra­ge nach der Stra­te­gie stür­zen sie sich sofort auf die Kanä­le. Dabei soll­ten sie sich zuerst mit ihrer Unter­neh­mens­stra­te­gie und ihrem Con­tent beschäf­ti­gen.

Wer für sich noch nicht voll­stän­dig ver­in­ner­licht hat, war­um er sei­ne Unter­neh­mens- bzw. Busi­ness-Denk­wei­se der Kanal-Den­ke vor­an­stel­len soll­te, dem sei das kur­ze 4‑minütige Video mit dem Digi­tal-Busi­ness-Vor­den­ker Bri­an Solis zu emp­feh­len. In sei­nem wert­vol­len Rat­schlag spe­zi­ell an Social Media Mana­ger macht er deut­lich, dass Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen kei­ne Twit­ter- oder ähn­li­che Kanal-Stra­te­gie benö­ti­gen oder damit Erfolg haben könn­ten.

Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen müss­ten dar­aus viel­mehr einen Busi­ness Case ent­wi­ckeln, der fol­gen­de Funk­tio­nen hat:

  • deut­lich zu machen, wel­che Unter­neh­mens­zie­le solch ein digi­ta­les Instru­men­ta­ri­um unter­stüt­zen könn­te;
  • jedes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­stru­ment an ein Unter­neh­mens­ziel zu kop­peln;
  • Unter­neh­mens­chefs beim Ein­pla­nen digi­ta­ler Etats und per­so­nel­ler Res­sour­cen zum Umden­ken zu brin­gen.

Fazit: Auch wenn das Video schon eini­ge Jah­re alt ist, zählt es für mich wei­ter­hin zu den ein­dring­li­chen Stel­lung­nah­men zum Stra­te­gie-The­ma. Es macht die rich­ti­ge Vor­ge­hens­wei­se und gibt Social Media Mana­ger wie auch Digi­tal Com­mu­ni­ca­ti­on Mana­ger eine ent­schei­den­de Auf­ga­be an die Hand: Küm­mert euch als ers­tes um einen Busi­ness Case. Dann wer­det ihr auch in Etat- und Res­sour­cen-Fra­gen eure Chefs bes­ser über­zeu­gen kön­nen.

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Coro­na ist nicht für das Ster­ben unse­rer Innen­städ­te ver­ant­wort­lich. Eine Visi­on für das Jahr 2030.

Coro­na ist nicht für das Ster­ben unse­rer Innen­städ­te ver­ant­wort­lich. Eine Visi­on für das Jahr 2030.

Nein. Der Coro­na-Virus ist nicht an allem schuld. Wirk­lich. Auch nicht am Aus­ster­ben von Kauf­häu­sern, Geschäf­ten, Bou­ti­quen und sons­ti­gen Ein­zel­händ­lern in unse­ren Innen­städ­ten, wie ger­ne behaup­tet wird. Das kön­nen nur Men­schen behaup­ten, die die letz­ten 20 Jah­re mit blick­dich­ten Scheu­klap­pen her­um­ge­lau­fen sind. Und doch wer­den unse­re Ein­kaufs­stra­ßen künf­tig anders aus­se­hen. Weil wir es genau so wol­len. Eine rea­le Visi­on.

Wir schrei­ben das Jahr 2030. Die Innen­städ­te nicht nur in Deutsch­land haben sich im Ver­lauf der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re stark ver­än­dert. Ob die Zeil in Frank­furt am Main, die Schil­der­gas­se in Köln, die König­stra­ße in Stutt­gart oder die Kau­fin­ger­stra­ße in Mün­chen: Über­all haben die einst das Stadt­bild so domi­nie­ren­den Waren­häu­ser, Mode­bou­ti­quen, Schuh­ket­ten, Buch- und Schmuck­lä­den ihr tra­di­tio­nel­les Zuhau­se längst ver­las­sen, das sie für zig Jah­re bewohnt hat­ten. Maxi­mal in Malls sind sie ver­ein­zelt zu fin­den. Die neu­en Mie­ter der bekann­ten Ein­kaufs­mei­len sind Mar­ken-Flags­to­res, Bau­märk­te, Kaf­fee­ket­ten und – stark im Vor­marsch – Ver­sand-Shops von Ama­zon & Co..

Und noch etwas hat sich ver­än­dert: Den direk­ten Ver­kauf gibt es in den Mar­ken-Stores schon lan­ge nicht mehr. Die Apple‑, Samsung‑, Tesla‑, Telekom‑, Nike- samt New­co­mer-Reprä­sen­tan­zen haben rein die Auf­ga­be, neue Pro­duk­te vor­zu­stel­len. Sie sind pure Show­rooms und Erleb­nis­stät­ten. Der Ver­kauf fin­det dage­gen längst nur noch online statt — oder per App und Pro­dukt-Scan direkt live aus dem Show­room. Weil es die Bewoh­ner so wol­len. Weil es so bequem für sie ist.

Arbei­ten und Woh­nen rückt zusam­men

In den Cafés der Innen­städ­te trifft man sich, quatscht, bespricht die Neu­hei­ten und ordert die gewünsch­ten Pro­duk­te bei schnel­lem Inter­net direkt online. In den Ver­sand-Shops von Ama­zon, Ali­b­a­ba, Otto und Co. las­sen sich T‑Shirts, Hosen, Schu­he, Geschirr, Uhren oder Kin­der­spiel­zeug nach Bestel­lung inner­halb einer Stun­de abho­len – oder Unpas­sen­des ein­fach wie­der zurück­ge­ben. Dar­an haben die Men­schen sich längst gewohnt. Und weil auch dies so ein­fach geht.

In eini­gen Läden, die einst die WMF‑, Swatch‑, H&M- und Dou­glas-Filia­len beher­berg­ten, haben nor­ma­le Men­schen ihr neu­es Zuhau­se gefun­den. Woh­nen und Arbei­ten sind enger zusam­men­ge­rückt. Der Grund: Die Innen­stadt-Mie­ten sind nach dem Zusam­men­bruch des Büro-Immo­bi­li­en­mark­tes wie­der bezahl­bar gewor­den. Schließ­lich sind die frü­he­ren Geschäf­te ver­schwun­den oder kom­plett ins Web umge­zo­gen. Zudem haben sich vie­le Büros räum­lich deut­lich ver­klei­nert – weil im Schnitt 50 Pro­zent aus dem Home Office her­aus arbei­ten. Weil dies Arbeit­ge­ber und ‑neh­mer so wol­len. Und weil es seit 10 Jah­ren ver­stärkt zur Nor­ma­li­tät gehört.

Die Suche nach dem Schul­di­gen

Vie­le erin­nern sich noch an eine Pan­de­mie, die vor rund zehn Jah­ren viel beschleu­nigt hat­te. Eini­ge schrei­ben ihr bis heu­te sogar die Schuld für die­sen Wan­del und die neue Welt zu, die heu­te fast alle so schät­zen. Und dass die Innen­städ­te wegen Coro­na ster­ben wür­den. Doch das ist Quatsch. Schon damals war nicht der Virus der Ver­ur­sa­cher für das wach­sen­de Ster­ben der tra­di­tio­nel­len Geschäf­te. Er war der Beschleu­ni­ger.

Das Ster­ben der bis­he­ri­gen (Shopping-)Welt hat­te schon viel frü­her ein­ge­setzt: Weil immer mehr Men­schen jeder Genera­ti­on ins Netz abge­wan­dert waren: Zum Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen, zur Selbst­dar­stel­lung, zum Bewer­ten von Pro­duk­ten und natür­lich auch zum Kauf die­ser. Immer unab­hän­gi­ger übri­gens vom Alter. Der Virus, der die Men­schen ver­stärkt zu Hau­se gehal­ten und ihre Käu­fe ins Inter­net gescho­ben hat­te, ja, die­ser Virus hat­te die bereits ein­ge­setz­te Ent­wick­lung beschleu­nigt. Kräf­tig beschleu­nigt. Weil das Leben in die­sen Virus-Zei­ten es ein­fach ver­lang­te. Aber Schuld?

Nein. Die­se Behaup­tun­gen stamm­ten damals wie heu­te von Per­so­nen, die ihre Augen mit blick­dich­ten Scheu­klap­pen vor die­sen neu­en Ent­wick­lun­gen ver­schlos­sen gehal­ten hat­ten. Die wei­ter­hin hoff­ten, dass alles so blei­ben wür­de wie vor die­ser Kri­se. Die Angst vor die­sem wah­ren Chan­ge-Pro­zess hat­ten, den die gesam­te Gesell­schaft mit einem Schla­ge unvor­be­rei­tet getrof­fen und durch­lebt hat­te. Und die man­che bes­ser, die ande­ren schlech­ter ertra­gen konn­ten.

Das Ver­schla­fen von Ent­wick­lun­gen

Denn wie gesagt: Die Ursa­che für das Ster­ben der Innen­städ­te lag viel wei­ter zurück — und lässt sich bis heu­te mit einem ver­än­der­ten Mediennutzungs‑, Kom­mu­ni­ka­ti­ons- wie Kauf-Ver­hal­ten beschrei­ben, wel­che das – die­se Per­so­nen wür­den jetzt sagen böse – Inter­net ver­ur­sacht hat­te. Schon damals hieß es in mei­nem Buch “Die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie”: “Kaum ein Unter­neh­men, kei­ne Insti­tu­ti­on kann sich dem digi­ta­len Wan­del ent­zie­hen. Nur die­je­ni­gen wer­den die digi­ta­le Revo­lu­ti­on über­ste­hen, die ihre tra­di­tio­nel­len Geschäfts­mo­del­le und Port­fo­li­os auf eine zuneh­mend digi­ta­le, indi­vi­dua­li­sier­te und unab­hän­gi­ge Kund­schaft aus­rich­ten. Ansons­ten kommt es zum Aus­ster­ben, wenn sich Tech­no­lo­gie und Gesell­schaft schnel­ler ver­än­dern als Orga­ni­sa­tio­nen in der Lage sind, sich dar­auf ein­zu­stel­len.”

Schon damals gab es die Über­zeu­gung, dass kaum ein Unter­neh­men ohne Digi­ta­li­sie­rungs­maß­nah­men wett­be­werbs­fä­hig sein könn­te, “egal in wel­chem Indus­trie­zweig”. Und schon damals gab es Beschlüs­se gro­ßer Händ­ler und Läden, ihr Fili­al­netz auf den Prüf­stand zu stel­len und sich stär­ker auf digi­ta­le Kanä­le zu fokus­sie­ren. Viel stimm­ten sol­chen Äuße­run­gen grund­le­gend zu. Aber ver­än­der­ten sie des­we­gen ihre lieb­ge­wohn­ten Ver­hal­tens­mus­ter und Denk­wei­sen?

Die Scheu­klap­pen der Beden­ken­trä­ger

Konn­te man die­sem Wan­del also jetzt plötz­lich die Schuld für die­sen Wan­del und das Ster­ben der Innen­städ­te geben? Einer Ent­wick­lung, die in den 1960er Jah­ren mit dem Beginn des Inter­nets begon­nen hat­te und damit also heu­te auch schon 70 Jah­re alt war? Ein Trend, der schon seit Beginn des neu­en Jahr­tau­sends Schritt für Schritt weg vom sta­tio­nä­ren Ein­kauf, hin zum Online-Shop­ping führ­te und sta­tio­nä­re Händ­ler in E‑Com­mer­ce-Unter­neh­men wan­del­te? Kann es nicht eher sein, dass bestimm­te Men­schen – und lei­der auch poli­ti­sche Ent­schei­der, Geschäfts­füh­rer und Trend-Ver­wei­ge­rer – ein­fach eine Ent­wick­lung mehr oder weni­ger ver­passt hat­ten? Und sich jetzt dar­über beschwer­ten, dass sie nicht mehr mit­ka­men bzw. nicht mehr dazu gehör­ten? Wie konn­te das nur pas­sie­ren? Das waren Fra­gen, die die­se dama­li­gen Beden­ken­trä­ger heu­te ohn­mäch­tig mit sich selbst aus­ma­chen muss­ten. Die Mehr­heit der Men­schen hat­te sich schon längst mit die­ser neu­en Ent­wick­lung arran­giert und sie als unver­än­der­ba­res Fak­tum akzep­tiert.

Nein, das soll jetzt nicht hei­ßen, dass alles heu­te bes­ser ist. Oder frü­her schlech­ter war. Nein, dies war und ist wei­ter­hin ein wert­frei­er Gang der Din­ge, der schon vor ganz lan­ger Zeit ein­ge­setzt hat. Und zwar damals, als noch nie­mand an einen Virus und sei­ne unbän­di­ge Zer­stö­rungs­kraft wie sei­nen gleich­zei­tig uner­war­tet star­ken Digi­ta­li­sie­rungs­druck gedacht hat. Nur war die­ser Gang der Din­ge lan­ge Zeit nicht wirk­lich ernst genom­men wor­den, bis es plötz­lich – für vie­le – dann zu spät war.

Wie konn­te das pas­sie­ren, fra­gen sich heu­te zumin­dest die­je­ni­gen, die sich zwar lan­ge ver­wei­gert aber zumin­dest heu­te auf­ge­wacht sind? Naja, wie war das – und ich weiß, das Bei­spiel ist alt, uralt – mit den Post­kut­schen und den Pfer­den? Und der plötz­lich neu­en bedroh­li­chen Eisen­bahn? Es gibt Din­ge, wel­che die Zeit vor sich her­treibt. Weil immer mehr Men­schen an ihnen geschnup­pert und sie für begeh­rens­wert erach­tet haben. Und gegen solch star­ken Drang – ja: Wer könn­te sich dem ent­ge­gen­stel­len?