Es gibt Phrasen, auf die ich etwas allergisch reagiere. Und die ich in meinen Trainings und Workshops regelmäßig thematisiere: Die beliebte gutgläubige Aussage, dass ganz Deutschland im Internet ist. Denn dies ist nicht wahr. Verdammt. Noch nicht. Leider, wie ich als Berater für digitale Kommunikation zugeben muss.
Vor wenigen Tagen hieß es zum Beispiel im Teaser eines Blog-Beitrags bei news aktuell: „Mittlerweile ist das World Wide Web (…) fest im Alltag nahezu aller Deutschen etabliert. Wie bereits im Vorjahr sind inzwischen 90 Prozent der Gesamtbevölkerung online. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der diesjährigen ARD/ZDF-Onlinestudie.“
Von halbwahren Zahlen und Aussagen …
Naja! Diese Aussage ist gerade mal halbwahr. Denn nicht 90 Prozent der Gesamtbevölkerung sind bei uns online. Vielmehr heißt es in der erwähnten Grundlagenstudie, die im Auftrag der ARD/ZDF-Forschungskommission von KANTAR durchgeführt wurde: „2019 nutzen rund 90 Prozent der Bevölkerung das Internet zumindest gelegentlich.“ Also vielleicht ab und zu, vielleicht wöchentlich, vielleicht monatlich, über den eigenen oder einen fremden Internet-Zugang. So fest ist das WWW also doch noch nicht im Alltag der deutschen Gesamtbevölkerung etabliert.
Key Facts zur ARD/ZDF-Onlinestudie 2019
Im nächsten Blog-Absatz heißt es dann korrekt: „50 Millionen Menschen in Deutschland sind täglich online.“ Das bedeutet: Bezogen auf die tägliche Nutzung des Internets haben laut ARD/ZDF-Onlinestudie genau 71 Prozent der Befragten angegeben, an einem normalen Tag online gewesen zu sein. Also doch nicht ganz Deutschland – und dazu mit beträchtlichen Unterschieden zwischen den Altersstufen. Übersetzt heißt dies: 29 Prozent und damit fast ein Drittel der deutschen Bevölkerung nutzen täglich nicht das Internet, weil sie in der großen Mehrheit „generell kein Interesse am Internet / an diesem Medium“ haben, wie der D21-Digital-Index 2018/2019 konkretisiert.
… die zu falschen Schlussfolgerungen führen.
Jetzt könnte jemand die Unterscheidung als kleinlich und meine Aufregung als dünnhäutig bezeichnen. Für mich nicht. Als Kommunikator denke ich in Zielgruppen – wie dies auch Unternehmen und Institutionen tun (sollten). Und gerade solche Studien und Aussagen bestimmen die kommunikative Planung ganz vieler Organisationen entscheidend mit. Falsch interpretierte Aussagen führen dazu, dass sie ihr komplettes Budget in den digitalen Bereich umschichten, da ja heute „jeder online ist“ und ich meine Zielgruppen nur noch dort erreichen kann.
Nur: Bei 90 Prozent gelegentlicher und „nur“ 71 Prozent täglicher Nutzung: Werde ich wirklich jeden erreichen können? Wohl kaum. Nicht mal theoretisch. Denn dass eine Person, die gelegentlich online ist, zufällig auf mein Online-Angebot, meinen Social Media Kanal, meinen Blog-Beitrag treffen wird, ist nicht wirklich wahrscheinlich – trotz aller SEO-, Ads-, Content-Marketing-, Social Media- und Messenger-Anstrengungen. Es kommt also auch in heutiger Zeit noch auf den richtigen Mix, also auf eine strategisch geplante integrierte Kommunikation an, um Stakeholder passgenau mit den eigenen Inhalten zu erreichen – unabhängig ob digital oder analog.
Dazu mein Ratschlag: Jeder sollte sich solche Zahlen und Statistiken genauer anzusehen und diese auf Basis der eigenen zu erreichenden Zielgruppen detailliert für sich analysieren. Nur so wird er die adäquate Gewichtung für seine Content-, Media- und Kanalplanung finden. Und dazu stehen neben der ARD/ZDF-Onlinestudie weiteres hilfreiches Datenmaterial beispielsweise über die Markt-Media-Studie „daily digital facts“ der agof oder den erwähnten und von mir geschätzten D21-Digital-Index zur Verfügung.
Wenn wir doch etwas online affiner wären …
An einem Bahnhof irgendwo in Deutschland im Jahre 2019
Ein Zielgruppen-Allheilmittel ist das WWW mit seinen Kanälen – bis heute – definitiv nicht, und das Social Web erst recht nicht. Und wenn ich mir die langsame Entwicklung bei uns betrachte – Thema WLAN-Verbreitung, Surf-Geschwindigkeit, rechtliche Bedenken, interne Hindernisse innerhalb der Organisationen und politisches Unwissen – Stichwort „Ja, Digitalisierung ist jetzt sicher nicht mein Spezialbereich, aber ein absolutes Zukunftsthema“ der damals neuen bayrischen Digitalministerin Judith Gerlach –, dann wird dies auch so noch eine Weile bleiben. Wie gesagt, leider.
Daher: Erst lesen, dann interpretieren, dann umsetzen. Und dabei das logische Denken bitte nicht vergessen! ;-)))
Es wird langsam kalt in Deutschland. Was gibt es also Gemütlicheres, sich mit einem gepflegten Espresso und gutem Lesestoff in die nächste Ecke auf’s Sofa zu verziehen? Ich habe dafür mal wieder 10 Lesetipps rund um die digitale Kommunikation zusammengestellt.
Der Erklärbär erklärt ab und zu mal wichtige Begriffe.
Was ist RSS? Der Erklärbär alias Dominik Ruisinger erklärt RSS, Feeds und Tools wie Feedly scheinen noch immer nicht vielen bekannt zu sein. Dies merke ich bei meinen Workshops und Coachings. Das ist ein Fehler! Warum Feeds so hilfreich sind, erkläre ich in diesem aktualisierten Blog-Beitrag.
Digital Transformation = Culture & Business Model Change Spannend: Kaleido Insights hat ein detailliertes Scoring Tool „Digital Directive“ für die Frage entwickelt, wie reif ein Unternehmen im Bereich Digitale Transformation ist. Die 7 Bereiche helfen bei der Bewertung von Strategie, Data, Kundenerfahrung, Ausrichtung, Analyse, Kultur, Innovation.
Content-Strategie erstellen: Das sind 4 wichtige Bausteine Darin liegt Unterschied zw. Strategie und Taktik: Die Content-Strategie ist die Basis der Planung bzgl. Produktion, Distribution und Organisation von Inhalten. Sie ist eine Idee, die die künftige Richtung vorgibt. Und keine Ansammlung von Taktiken.
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Jodel: Wieso sich ein Blick auf das junge Netzwerk lohnt Warum Jodel aus Marketing- und Werbesicht für eine zielgruppengenaue Ansprache definitiv einen Blick wert sein sollte, um gerade junge Studierenden-Zielgruppe zu erreichen.
Schon wieder ist ein Monat vergangen. Höchste Zeit also, meine Juni-Lese-Tipps in meinen Gedankenspielen zu kommunizieren. Dieses Mal u.a. mit Beiträgen zur Unternehmenskommunikation wie auch zur Werbung in digitalen Zeiten.
Strategie | Die Unternehmenskommunikation muss digital aufrüsten Warum die Unternehmenskommunikation digital aufrüsten muss und dabei die Felder Kommunikation, Digitalisierung und Organisationsentwicklung ganzheitlich betrachtet werden müssen, erklärt die Beratung Roland Berger in einer Studie.
Smart Speaker | Shoppen per Sprachbefehl “11 Mio. Deutsche besitzen einen Smart Speaker wie Amazon Echo oder Google Home.“ Doch nur 2 Prozent nutzen das Gerät fürs Shopping. Welche Aufgaben hier Unternehmen auch bzgl. der Customer Journey lösen müssen, beschreibt Otto in diesem Beitrag.
SEM | In 8 Schritten zur idealen Keyword-Recherche für Google Ads Keyword-Recherche – ob im B2B- oder B2C-Bereich, ob für SEO oder SEA – zählt zu den Grundlagen jeder SEM-Strategie. Dieser Beitrag auf dem B2B Online-Marketing Blog zählt einige der wichtigen Schritte hin zu einer erfolgreichen Strategie auf.
Google | Was kosten Google Ads? Wie berechnen sich die Kosten für Google Ads? HubSpot hat einen kompakten Guide erstellt, wie sich die Kosten grob berechnen lassen – in ihrer Kombination aus Gebotspreis und Qualitätsfaktor.
SEO | Fast 50% aller US-Suchen bei Google in Q1 mit No Click Wenn Google schon fast die Hälfte aller #Suchanfragen selbst beantwortet – und die Webseiten trotz SEO und SEA immer weniger abbekommen. Diese „no clicks“ sollten auch Online-Marketer immer hellhöriger machen.
Linked | Inspiration: Brands to Watch on LinkedIn Wie setzen Unternehmen LinkedIn ein? Welche Marken sollte man besonders beobachten? Ein paar hilfreiche und inspirierende Beispiele zur Präsenz von (US-) Unternehmen liefert dieser Beitrag.
TikTok | Wie Profis „TikTok“ in der Kommunikation nutzen Was ist TikTok? Und wie lässt sich die App in der Unternehmens- und Markenkommunikation einsetzen? Neben einer generellen Info zeigt dieser Post einige internationale Beispiele auf.
Facebook | Lead Ads – ein Leitfaden Wer bisher noch niemals mit Facebook Lead Ads herum experimentiert hat, dem wird dieser Leitfaden die ersten Schritte erleichtern.
Gedankenspiele – die Lese-Tipps zur Digitalen Kommunikation von Dominik Ruisinger
Wenn auch ein paar Tage verspätet habe ich wieder 10+1 Lesetipps aus dem Mai 2019 rund um digitale Kommunikation zusammengestellt. Dieses Mal liegt der Fokus auf einer spannenden digitalen Roadmap, auf einer Präsentation zum Online-Marketing der Zukunft, auf den Strategie-Techniken SWOT und Persona, auf Basics zu Responsive Design, zu Google Ads und Pinterest Ads sowie auf dem Hinweis auf eine neue und wertvolle Creative Commons Suchmaschine.
Meine Story | Wie beweise ich Fluglinien meinen Flug? Ein Flug nach Amsterdam und zurück. Eigentlich einfach? Doch was dann passierte, schildert mein Gedankenspiel mit den Protagonisten: Fluglinie KLM, Flughafen Stuttgart, ein gestrichener Flug, sonderbare Automatismen und ein verwirrter Fluggast.
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Digitalisierung | The Six Digital Eras Illuminates a Roadmap Ich bin mir nicht sicher, dass wir bei uns schon sagen können: „Social Media integrated into society” –, da sehe ich leider immer wieder andere Beispiele. Trotzdem bilden „The Six Digital Eras“ eine spannende Digital Roadmap, welche die nächsten Jahren vorzeichnet.
Wissen | Wie funktioniert Responsive Design? Wie funktioniert Responsive Design? Kompakter Grundlagenartikel, der die Funktionsweise und die Bedeutung von adaptivem Design gerade in einer immer stärker digitalisierten und mobilen Welt erklärt.
Wissen | Suchmaschine | CC Search Eine Creative Commons-Suchmaschine, mit der sich bequem die verschiedenen Quellen je nach CC-Lizenz durchsuchen lassen. Dies wird die Suche nach frei verwendbaren Bildern deutlich einfacher machen.
E-Mail | Neue Zahlen: E-Mail lebendiger denn je 2,3 Milliarden E-Mails täglich: Die E-Mail – gerade im Rahmen des gezielten digitalen Marketings – scheint auch nach 48 Jahren ihrer Existenz ihre Relevanz nicht verloren zu haben.
Digitalisierung | The 2018-2019 State of Digital Transformation Wer sich mit Digitalisierung beschäftigt, der sollte die 2018-2019State of Digital Transformation von Altimeter kennen. Laut Brian Solis wird dieses Jahr „digital transformation is maturing into an enterprise-wide movement.“
TikTok | 4,1 Mio. aktive Nutzer in Deutschland 4,1 Mio. Nutzer allein in D., 39 min. Verweildauer – gerade wer Mädchen im Alter zwischen 11 und 14 Jahren kennt, wird wissen, welche Bedeutung TikTok (Ex-Musically) derzeit hat.