Wie nehmen wir Inhalte wahr? Wie stechen Texte ins Auge? Welche Kennzeichen zeichnen gute Sprache aus? Wie binden wir Leserinnen und Leser? Und wie formuliere ich gute Überschriften?
Wer gute Texte verfassen will, benötigt tiefgreifendes Basiswissen über die menschliche Informationsaufnahme und -verarbeitung. Vor diesem Hintergrund habe ich eine Serie zum notwendigen Textwissen aufgesetzt: 5 Beiträge als Summer-Text-School.
Wichtig: Alle Beiträge sind komprimierte Versionen aus dem Buch „Besser Texten mit Kopf und KI„, dem Leitfaden für das Neue Schreiben von mir und Kai Heddergott.

7 Techniken für bessere Titel
Beginnen wir mit einer Wahrheit: „Wer einen schlechten Titel schreibt, kann sich den Rest des Textes ersparen.“
Denn der Titel ist der Hingucker, der Türöffner, der Lustmacher. Er entscheidet über Bleiben oder Gehen, Weiter-Klicken oder Weg-Klicken – und über den Erfolg eines Textes. Dies gilt übrigens genauso für die Hook im Social-Media-Bereich. Dies verdeutlicht schon, welche Last auf dem Titel als Eingangstor liegt. Darum sollten Texterinnen und Texter viel Zeit dem Titel widmen.
Titel können auf unterschiedliche Weise formuliert werden. Dies hängt von der Art des Beitrages ab, von dem Medium, von der persönlichen Absicht, die hinter dem Artikel steht. Dazu gibt es mehrere Techniken, um Überschriften zu formulieren, von denen ich hier 7 vorstelle:
1. Die W-Fragen
Wer? Wo? Was? Wann? Wie? Warum? Woher? Texter sollten sich die 7 W-Fragen vornehmen, sie beantworten und nach Relevanz ordnen. Die Antwort auf die wichtigste Frage kommt in die Überschrift. Damit weiß die Leserin sofort, um welches Thema es geht, wer hier aktiv ist, wo es stattfindet.
2. Die Spitzmarke
Oft fällt es schwer, das gewünschte Keyword sprachlich sauber in die Überschrift zu integrieren. Die Lösung heißt Spitzmarke. Damit setzt der Texter das gewünschte Keyword an den Anfang, gefolgt von einem Doppelpunkt und der Erklärung.
3. Das Fragezeichen
Fragen im Titel symbolisieren: Die Antwort findest du im Text. Das Fragezeichen weckt das Interesse und verlangt nach einer Antwort. Aber bitte sofort. Wird die Erwartung erst ganz am Ende eines Textes oder Videos erfüllt, werden Leserinnen und Leser den Beitrag schon früher enttäuscht verlassen haben.
4. Die Listicles
Warum funktionieren Listen so gut? Weil Menschen genau sehen, was sie erwartet, und weil Listen für das Auge einfach zu scannen sind. Aber auch bei Listicles gilt: Wer diese Methode übertreibt, wird seine Zielgruppe eher vertreiben denn an sich binden können.
5. How-to-Do
Eng mit Listicles verbunden sind How-to-do-Überschriften. Auch diese können eine positive interaktive Wirkung haben, weil Leserinnen und Leser direkt angesprochen und ihnen ganz konkrete Lösungen angedeutet werden, wie sie etwas organisieren, machen, schreiben sollen.
6. Die Zitate
Im Journalismus wie in PR-Beiträgen werden oft Zitate als Titel genutzt – von Politikern, Geschäftsführerinnen, Prominenten. Dies macht jedoch nur Sinn, wenn sie wirklich aussagekräftig sind. Auch sollte das Zitat Signalwörter oder bekannte Namen beinhalten, um Relevanz nach außen zu zeigen.
7. Die ungerade Zahl
Ungerade Zahlen – also 5, 7, 9 etc. – ziehen die Aufmerksamkeit besser als gerade Zahlen auf sich. Dies gilt aber nur dann, wenn wir abschätzen können, wie lange wir für den Text brauchen würden. Wer mit Zahlen arbeitet, sollten sie daher klein halten.
Fazit: Und die Konsequenz?
Wer eine schlechte Überschrift formuliert, dessen Text wird kaum wahrgenommen – gerade in Zeiten eines Information Overload. Auch wenn sie nur aus wenigen Wörtern und Buchstaben besteht, ist sie für den Erfolg des Textes entscheidend.
Ist sie dagegen langweilig, wenig motivierend oder nichtsagend, gibt es für die Leserinnen und Leser keinen Grund, sich tiefer mit dem Beitrag zu beschäftigen. Sie suchen sich etwas Neues. Denn Auswahl haben sie genug.
