Was habe ich von Brasilien gelernt? 20 Weisheiten.

22.05.2026

Heute mal etwas Off-Topic, falls sich der Blick auf die Kommunikation im Ausland so beschreiben lässt. Die letzten 3 Wochen war ich in Brasilien auf Entdeckungsreise. Als Kommunikationsprofi bleiben mir von dieser Tour viele Momente sehr prägend in Erinnerung. Dazu zählen 20 ganz persönliche Beobachtungen – also meine sogenannten 20 brasilianischen Weisheiten: 

Das Verhalten im Land.

  1. Brasilien erweist sich als offenes Land. Und damit meine ich nicht nur Rio, das gerade die LGBTQ+ Community zu ihrem Hotspot auserkoren hat. Unabhängig ihres Geschlechts, ihrer Lebensideen, ihrer Hautfarbe scheinen die Menschen sich hier überall zu akzeptieren. Und genau darauf kommt es an. 
  2. Die Menschen sind hilfsbereit, aber nicht überfreundlich, eher zurückhaltend. Den stets lächelnden, umarmenden Latino-Style oder den häufig südlichen warmen Charme habe ich auf meiner Reise wenig gespürt. 
  3. Die Arm-Reich-Grenze ist enorm. Ich habe selten so viele Menschen auf den Straßen liegen, schlafen, dahinvegetieren gesehen. Meist nur auf Pappen. Gerade im Zentrum von Rio zählen sie zu den Protagonisten einer Glamour-Stadt. 
  4. Die Polizei-Präsenz ist hoch. Gerade in Großstädten. Und gerade in etwas touristischen Bereichen. Dass das Land ein Sicherheitsproblem hat, bestätigen mir hier viele Bekannte. Ich selbst hatte stets ein sehr sicheres Gefühl. 
  5. Die Küche ist lecker und etwas schwer. Neugierig habe ich alle lokalen Spezialitäten probiert. Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Bohnen, Reis, Eier, Maniok, Kartoffeln, Bananen & Co. Ich bleibe Fan der japanischen und italienischen Küche. 

Ein Blick auf die Städte.

  1. Rio ist nicht die schönste Stadt der Welt, als das sie häufig bezeichnet wird. Die Lage ist unglaublich, wie sich die Stadt entlang der Strände schlängelt. Und die Museen in Rio und Niteroi sind beeindruckt. Aber wer dahinter blickt, findet auch ein tristes, von verfallenen Häusern geprägtes, wenig romantisches Bild. 
  2. Rio de Janeiro ist der Ort, an dem die – vor allem jungen – Menschen ihre Körper stählern und dann fast nackt spazieren führen. Tag wie Nacht. Am Strand oder in der Stadt. Unübersehbar. Schön wie etwas gewöhnungsbedürftig.
  3. Belo Horizonte ist die Stadt des Business. Touristisch gibt die Stadt nichts her. Außer als Ausgangspunkt zum Kunstpark Inhotim und zu den Barockperlen wie Ouro Preto. Und diese lohnen sich aber so was von! ❤️
  4. Salvador de Bahia war ein Top-Ziel meiner Reise. Wegen der Schönheit der Stadt, ihrer Lebensfreude und ihrer afro-brasilianischen, schwarzen Seele. Beides trifft zu 100 Prozent zu. Nach Cartagena in Kolumbien ist Salvador meine neue Seelen-Nummer 2. 

Bewegen im Land.

  1. In Brasilien kommt man mit Spanisch nicht durch. Das Lesen hat es mir erleichtert. Aber verstehen und sprechen ist eine andere Sache. Auch versteht kaum jemand (mein) Spanisch. Bei dieser Hoffnung lag ich definitiv falsch. 
  2. Eng damit verbunden: Englisch und Spanisch werden kaum gesprochen. Nicht nur in den Städten. Selbst Museen bieten ihre Texte fast nur auf portugiesisch an. Maximal mit zusätzlichem QR-Code. Aber ohne WLAN 🤔?
  3. Brasilien ist kein Wifi Land. Kaum ein Lokal, kaum eine Bar, kaum eine Institut bietet freies Wifi an. Nur wenige Museen und Top-Locations – und dann mit aufwändigem Registrierungsprozess. Wahrscheinlich braucht das hier niemand. 
  4. Brasilien digitalisiert sein Geld. Bargeld spielt kaum mehr eine Rolle. Selbst von der Kirchenbank aus kann per QR-Code direkt gespendet werden. Heißt auch: Ohne Kredit-/Debit-Card ist man hier aufgeschmissen.
  5. Ohne WhatsApp geht hier gar nichts. Noch weniger als bei uns. Kaum hat man seinen Transfer, seinen Bus, seinen Flug bestätigt, läuft von diesem Moment an alles nur noch per WhatsApp. 

Trends & Entwicklungen.

  1. Tattoos spielen in Brasilien eine Rolle, doch: Während ein Tattoo bei uns unter Jüngeren fast schon zum Status gehört, sind es in Brasilien vielleicht 25%, die ihre schönen und gestählten Körper mit sichtbaren Tattoos stempeln. Das Fehlen von Tattoo-Studios belegt das. Dasselbe gilt übrigens auch für Sonnenbrillen. 😎 
  2. Video-Telefonie ist der letzte Schrei. Und zwar mit lautem Ton. Und in der prallen Öffentlichkeit. Egal ob im Bus, im Flugzeug, im feinen Restaurant, am Strand oder beim Hotel-Frühstück: Diese quäkenden Töne begleiten dich überall.
  3. Die Brasilianer rauchen nicht. Egal was. Selbst ❤️ und Gras ist seltenst wahrzunehmen. Wenn jemand doch raucht, ist es wahrscheinlich ein Besucher, von denen es in meiner Zeit nur wenige gab.
  4. Viele Büchereien haben ein angegliedertes Café, manche sogar Restaurant. Und nicht mit WMF-Automaten-Plörre, sondern oft in Kooperation mit lokalen Kaffee-Röstereien und Kaffee aus echten 2-Kreisern. Yummy! 😋
  5. Vinyl lebt. Zumindest in brasilianischen Großstädten. So viele Plattenläden wie in Rio, Belo Horizonte & Co. habe ich nicht mal in ganz Deutschland zusammen entdeckt. 
  6. Der Volkswagen läuft und läuft in Brasilien. Überall. Neu und vor allem alt. In meinen 3 Wochen habe ich mehr alte Käfer und Bulli-Busse 😘 stehen und fahren gesehen, als die letzten 20 Jahre zusammen in Deutschland. 

So denke ich.

Ich weiß: Ich war „nur“ 3 Wochen in Brasilien. Und das ist sehr kurz für ein derart riesiges Land, das extrem unterschiedliche Seiten hat. Darum werden viele meine 20 Punkte natürlich ganz anders sehen.

Darum spreche ich auch bewusst nicht von Fakten, sondern von meinen ganz persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen, die ich jetzt gemacht habe. Und die sich natürlich bei einem nächsten Besuch auch ändern könnten. So wie überall. ❤️

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