Wie nehmen wir Inhalte wahr? Wie stechen Texte ins Auge? Welche Kennzeichen zeichnen gute Sprache aus? Wie binden wir Leserinnen und Leser? Und auf welche visuellen Elemente reagieren diese?
Wer gute Texte verfassen will, benötigt tiefgreifendes Basiswissen über die menschliche Informationsaufnahme und -verarbeitung. Vor diesem Hintergrund habe ich eine Serie zum notwendigen Textwissen aufgesetzt: 5 Beiträge als Summer-Text-School.
Wichtig: Alle Beiträge sind komprimierte Auszüge aus dem Buch „Besser Texten mit Kopf und KI„, dem Leitfaden für das Neue Schreiben von mir und Kai Heddergott.
5 Formeln und Tools für bessere Lesbarkeit
Lässt sich kontrollieren, ob der Text wirklich gut lesbar ist? Ob er alle Aspekte berücksichtigt hat? Ob er die Zielgruppe aktiv anspricht? Als Antwort haben sich Lesbarkeitsformeln etabliert. Sie beurteilen Texte nach Silbenzahl, Satzlänge, Wortlänge, Fremdwörteranteil etc.
Die Formeln sind in Tools integriert, die die Lesbarkeit von Beiträgen berechnen. Einmal den Text eingegeben, spucken sie Hinweise auf den Schwierigkeitsgrad des Textes aus, verweisen auf überflüssige Bläh-, Füllwörter und Phrasen, auf verschachtelte Sätze. Damit lassen sich Beiträge wiederum qualitativ weiterentwickeln.
Zu den bekannten Formeln zählen:
1. Flesch-Index
Der Flesch-Index des US-amerikanischen Autors Rudolf Flesch gilt als Top-Metrik. Dazu bewertet er den Text auf einer Skala von 0 bis 100, wobei gute Texte einen Wert von über 60 aufweisen. Einfach gesagt: Je höher der Wert, desto leichter verständlich der Text. Dabei werden kürzere Wörter und Sätze positiv bewertet.
Der eigene Flesch-Index lässt sich über www.fleschindex.de berechnen, die das Bild für den hier geschriebenen Artikel zeigt.

2. Hamburger Verständlichkeitsmodell
Das Hamburger Verständlichkeitsmodell wurde in den 1970er Jahren an der Universität Hamburg entwickelt. Ein späterer Gedanke: die Behördensprache verständlicher zu machen. Laut dieser Formel bestimmen 4 Merkmale, ob Sachtexte verständlich sind: Einfachheit, Gliederung, Prägnanz und zusätzliche Anregungen. Auf dem Modell basiert die Wortliga Textanalyse, über die sich Textbausteine ausführlich überprüfen lassen.
3. Wiener Sachtextformel
Die Wiener Sachtextformel wird in der Bildung eingesetzt. Der Grund: Einfach lässt sich herauslesen, für welche Schulstufe ein Sachtext geeignet ist. Die Skala beginnt bei einem Wert von 4 für einen einfachen Text und endet bei 15 für schwierige Beiträge. Auf der Basis der Zahlen kann das Lehrpersonal ein Textniveau optimal auf Kinder und Jugendliche abstimmen. Das Tool www.experte.de/textkorrektur beinhaltet die Formel.
4. Lesbarkeitsindex LIX
Mit dem Lesbarkeitsindex LIX lässt sich ebenfalls das Sprachniveau eines Textes beurteilen. Auch dieser zieht seine Folgerungen aus den Merkmalen eines Textes und berechnet sich aus der Satzlänge und dem prozentualen Anteil langer Wörter (Wörter mit mehr als 6 Buchstaben). Auch hier gilt: Je kürzer die Sätze und Wörter, desto niedriger der LIX-Wert und desto höher die Lesbarkeit. Dies lässt sich u.a. auf www.psychometrica.de/lix.html checken.
5. Gunning Fog Index
Lesbarkeitsformeln gibt es natürlich auch in anderen Sprachen. Für die englische Sprache ist beispielsweise der Gunning Fog Index spannend, dessen Formel sich ebenfalls aus der Anzahl der (komplexen) Wörter und Sätze zusammensetzt. Mehr dazu lässt sich bei readable nachlesen.
Fazit: Und die KI?
Bevor jemand jetzt fragt: Natürlich haben sich in KI-Zeiten spezielle KI-Editoren und Schreibassistenten etabliert, um Inhalte zu verfassen, zu überprüfen oder weiterzuentwickeln. Dazu zählen deepl.com/write, duden.de/schreibassistent, grammarly.com, languagetool.org, lex.page oder reporterfabrik.org/wski-editor/, um nur eine kleine Auswahl hier zu nennen.
