by Dominik Ruisinger | 03.07.2026 | Blog
In diesem Land funktioniert nichts mehr. Das merken wir alle. Die Katastrophen bei der Deutschen Bahn sind nur ein typisches Symbol für eine staatlich mitverursachte Misere. Im Vergleich zu den Vorjahren – dafür genügt mir Blick in mein Bahntagebuch – hat sich die Situation verschärft.
Während hier Stillstand herrscht, dreht sich die digitale Welt auf Speed weiter. Im Social Media Bereich haben die KI-gesteuerten Algorithmen die Macht übernommen und beeinflusst die digitale Kommunikation immer stärker. Getrieben vom Drang, uns möglich lange auf den Plattformen zu halten, spielen die Plattformen uns lieber Content passend zu unserem Verhalten ein, während die Inhalte unserer vernetzten Freundinnen und Freunde draußen bleiben müssen. Für wen schreiben wir also künftig?
Vielleicht müssen wir uns doch andere Orte der Zusammenkunft suchen. Nur werden diese – so schätze ich es heute ein – mit Sicherheit außerhalb der digitalen Netzwerke sein.
In eigener Sache: KI und digitale Kommunikation.
- Bye-bye Social. Bye-bye People. Bye-bye Community.
Schreiben wir noch für Menschen? Oder wie verändern KI-gesteuerte Algorithmen unsere digitale Kommunikation? Zum 2. Mal nach 2025 habe ich dazu meine Feeds auf LinkedIn, Facebook, Instagram, TikTok und YouTube analysiert. Ergebnis: Ein Austausch mit unserem Netzwerk findet nicht mehr statt. Die Plattformen sind rein darauf ausgerichtet, dass wir möglichst viel Zeit dort verbringen – egal mit welchem Content und egal aus welcher Quelle.
- Warum Mensch und KI gemeinsam besser schreiben.
Die besten Texte entstehen im Tandem aus menschlicher Expertise, Authentizität und maschineller Unterstützung – immer mit dem Menschen am Steuer und der KI als Beifahrerin. Dies schreiben Kai Heddergott und ich in unserem Buch „Besser Texten mit Kopf und KI„. Für die Marketingbörse habe ich dazu 7 Thesen für ein besseres KI-gestütztes Schreiben im Duo formuliert.
Studien & Meinungen.
- Digital News Report: Wenn Menschen Menschen vertrauen.
“Menschen folgen (eher) Menschen“, schreibt Simon Pycha über den Reuters Digital News Report. Und dies trotz hohem Vertrauen in traditionelle Medien. Doch welche Gefahren bestehen, wenn Menschen News Influencern oder Persönlichkeiten statt Medienmarken folgen? Wer sich darüber Gedanken macht, wird verstehen, warum immer mehr Medien Mitarbeitende als Medienmarken aufbauen.
- Großbritannien: Social-Media-Verbot als Gefahr für die Demokratie.
Die britischen Jugendlichen sehen im geplanten Social Media Verbot eine Gefahr für die liberale Demokratie. Es wird die Generation nicht davon abhalten, sich selbst ins Verderben zu stürzen, so Content Creator Aidan Walker. Jedoch wird es verhindern, dass sie ihre Rechte als Bürger in einer Demokratie ausüben. Dirk von Gehlen hat sein Video übersetzt, das auch meiner Meinung entspricht.
KI und ihre Partner.
- Warum die eigene Marke in KI-Suchen nicht auftaucht.
Falsche Entitäten, fehlende Reputation, schlechte technische Struktur sind nur 3 von 6 Ursachen, warum das eigene Unternehmen nicht in den KI-Ergebnissen auftaucht, schreibt Jennifer Lapp im HubSpot-Blog. Was mich als PR-ler freut: Gerade der Social Proof kann durch aktive Medienarbeit und wertvolle Quellen deutlich gesteigert werden.
Über GEO und SEO.
- Recherche: Themencluster statt Keyword.
Keyword-Recherche spielt bei SEO und GEO weiterhin eine wichtige Rolle. Jedoch muss sie heute anders bewertet werden, zeigt Kim Schneider in einem Blog-Post auf. So spielen Themencluster statt Keywords eine wachsende Rolle. Nur wer sein Fachgebiet genau kennt, wird Begriffscluster bilden und Fragen kompetent beantworten können.
- GEO-Wahrheiten: Konstanz statt Revolution.
GEO ist keine Revolution. Die zentralen Elemente existieren schon seit 1998. Dies schreibt Markus Tandler über die 5 Konstanten: Autorität, Substanz, technische Hygiene, Themenkompetenz und Nutzerzentrierung. Danke für diesen unaufgeregter Beitrag über unbequeme Wahrheiten in Zeiten einer aufgeregten SEO- und GEO-Szene.
Aus den Social-Media-Plattformen
- 10 Phasen: Die Geschichte aller Social Networks.
Von Exklusivität und Hype über die Macht von Werbung und Algorithmen bis zur Identitätskrise geschmückt mit etwas Nostalgie: Jens Wiese hat klug 10 Phasen identifiziert, die sich bei jedem Netzwerk wiederholen. Wer mein Buch „Das Ende von Social Media“ gelesen hat, wird diese Phase ähnlich kennengelernt haben. Nur: Was passiert, wenn wir vielleicht gar keine Social Networks mehr wollen?
- Reddit: Warum die Plattform unverzichtbar wird.
Warum entwickelt sich Reddit von der Nischen- zur Mainstream-Plattform? KI-Modelle orientieren sich an Nennungen in Online-Medien, die sie als Relevanzmarker nutzen, sagt Alexander Hein. Und genau hier spielt Reddit durch die ungefilterten, vielfältigen, menschlichen Meinungen eine wichtige Rolle. Sein Tipp: Erfolgreich werden nur diejenigen sein, die auf wirkliche Community-Arbeit statt auf pures Marketing setzen.
- Instagram: Wie sich die Interaktionsrate steigern lässt.
Welche Rolle spielt die Interaktion bei Instagram? Wie berechne ich die Interaktions- bzw. Engagement-Rate? Und wie kann ich diese steigern? Dieser Überblicksartikel geht tiefer darauf ein, warum die Interaktion ein verlässlicher Erfolgsfaktor für die Relevanz von Inhalten ist.
- Instagram: Warum Updates eine neue Strategie erfordern.
„Your Algorithm“ und ein flexibles Profil-Layout sind Anlass, die eigene Instagram-Strategie neu auszurichten: Auf die sichtbaren Themen im Profil, auf die passenden Formate und auf die Inhalte, die konstant gespielt werden sollten. Wie dies funktionieren kann, zeigt dieser Beitrag beim Contentmanager.
by Dominik Ruisinger | 01.04.2026 | Blog
„Besser Texten mit Kopf und KI“ heißt der Leitfaden für das Neue Schreiben, den Kai Heddergott und ich kürzlich publiziert haben. Darin versuchen wir, die Menschen mit dem notwendigen Wissen auszustatten, damit sie mit Hilfe von KI erzeugte Texte bewerten können. Dazu geben wir ihnen ein Framework für das „Neue Schreiben“ an die Hand, mit dem sich alle Arten von Texten umsetzen lassen. Wer Einleitung, Leseproben & Co. sucht, bitte hier entlang.
Doch die Lesetipps in den Gedankenspielen bieten mehr: Aktuell verändert sich die Social-Media-Branche immer negativer, wie ich sie leider schon in meinem letzten Buch beschrieben habe: Weg von den Menschen, hin zu Algorithmen und vor allem zu KI-Influencern samt KI-Content, die unsere Kanäle verstopfen. Die Berliner Morgenpost hat mit mir dazu ein Gespräch geführt, was jetzt erschienen ist, Studien belegen die Veränderungen.
Auch LinkedIn bewegt sich: Vor wenigen Monaten sprachen wir von 360Brew als neuen Algorithmus. Dabei hat es dieses Konzept gar nicht gegeben. Trotzdem führt LinkedIn ein KI-gestütztes System ein, um Inhalte relevanter auszuspielen und qualitativ hochwertige Beiträge stärker zu verbreiten.
Wir sehen: Die Branche ist in Bewegung. In diesem Sinne wünsche ich viel Interesse an diesen vielfältigen Veränderungen in meinen Gedankenspiele-Lesetipps.
In eigener Sache.
- Im Interview: Sind soziale Medien tot?
Kürzlich durfte ich der FUNKE Mediengruppe ein Interview geben. Zu einem meiner Kernthemen bzw. zur Frage: „Sind soziale Medien tot?“. Das Ergebnis: Ein Artikel über schöne Ideen, veränderte Algorithmen, eigenständige KI-Influencer, Fernsehen 4.0, die Frage nach echt und unecht, den Fluchtort Communitys, über Bauchschmerzen und ein Buch, das heute noch relevanter ist. Leider.
- Ein Brief an die Politik: Warum ein Social-Media-Verbot viel zu kurz greift.
Seit vielen Monaten wird diskutiert, ob Social Media für junge Erwachsene verboten werden sollte. Dabei ist Deutschland nicht allein. Ich habe meine Zweifel, dass uns ein Verbot weiterbringt – und habe deshalb einen Brief an die Politik geschrieben: Mit Hinweisen in 5 Punkten.
3 Studien rund um Social Media.
- BBC-Studie: Meta und TikTok pushen toxische Inhalte
Laut BBC-Recherche und Insider-Interviews fördern Meta und TikTok problematische Inhalte bewusst, um ein Engagement zu steigern. Solche Inhalte werden deutlich häufiger geteilt bzw. mit ihnen interagiert. Der Grund, wie ich auch im Buch schreibe: Die Plattformen wollen uns möglichst lange halten, um uns Werbung einzuspielen.
- Australien: Nicht Social Media sondern KI ist die Herausforderung
Seit 100 Tagen ist Social Media für Jugendliche in Australien verboten – mit Folgen für junge Menschen wie für Marketer. Welches Zwischenfazit lässt sich aus diesem derzeit „größten sozialen Experiment der Digitalwirtschaft“ ziehen, wie Christian Cohrs schreibt? Dazu hat OMR mit den Stanford Forschern gesprochen, die das Gesetz mit einer Studie begleiten. Dabei wird klar: KI – neben Gaming – ist die eigentliche „aktuelle Herausforderung“.
- Metricool: Fast jeder zweite Social-Media-Manager erlebt Burnout
Jeder 2. Social Media Profi berichtet von (Fast)-Burnout-Erfahrungen. Dies ist das Ergebnis des „Social Media Well-Being Report“ von Metricool, wozu knapp 1.000 Personen befragt wurden. Solche Studien machen mich nachdenklich. Gerade als Trainer vieler Social-Media-Leute. Vor allem verdeutlicht sie, wie wichtig eine weitere Professionalisierung der Branche ist und dass Social Media kein Job für nebenher ist.
Strategien in digitalen Zeiten.
- Strategie: Warum die Führung dabei sein muss
Social-Media-Strategien sollten nicht ohne die Führungsebene entstehen, schreibt Jens Wiese. Ansonsten wird die Perspektive rein auf die Plattformen und der Fokus auf Kennzahlen wie Reichweite, Engagement oder Follower-Wachstum gelegt. Dabei muss klar werden, wie sie auf die eigentlichen Unternehmensziele einzahlen. Guter Beitrag, der sich mit meiner Denke deckt.
- 50plus: 6 Lebensrealitäten statt 1 Zielgruppe
Die Generation Ü50 ist größte Konsumentengruppe und zentraler Wachstumstreiber der Wirtschaft. Und doch werden die Ü50-Jährigen häufig in eine vereinheitliche Zielgruppe geworfen. Ein Fehler angesichts vielfältiger Lebensrealitäten. Ein neues Persona-System mit 6 Entscheidungslogiken könnte dies bei der nächsten Strategie vermeiden.
Corporate Influencer Mehrwert statt KI-Content.
- Warum ein Drittel aller Corporate-Influencer-Programme scheitert
Ich bin ein Fan von CI-Programmen. Trotzdem – und auch dies beobachte ich regelmäßig – scheitern viele Programme. Warum? Weil die Relevanz des Zugehörigkeitsgefühls zum Unternehmen als Top-Faktor unterschätzt wird. Ohne starke Unternehmenskultur funktioniert kein Programm, wie Julian Steigerwald auf Basis einer Befragung beschreibt. Stattdessen benennt er 5 Erfolgsfaktoren.
- Mit welchen Themen Corporate Influencer Expertise sichtbar machen
„Am Ende zählt fast immer eins: die persönliche Perspektive. Das, was Corporate Influencer sehen, erleben, entscheiden, empfehlen (und warum) ist interessant für die Leserinnen und Leser“, schreibt Juliane Howitz über wertvollen Content. Schließlich seien sie keine Echokammern für Unternehmensbotschaften, sondern Menschen mit Expertise, Haltung und Stimme. Danke für die klaren Worte.
Tiefgang für Wissenssuchende.
- GEO: Sichtbarkeit in KI verstehen
„GEO ist kein Ersatz für SEO, sondern eine konsequente Weiterentwicklung“, schreibt Martin Grahl. „Wer in KI-Systemen sichtbar sein will, braucht SEO als Fundament – angefangen bei einer technisch sauberen Website und gut aufbereitetem Content.“ Über 4 Säulen – Analyse, technische Optimierung, Content-Erstellung, OffPage Aktivitäten – lässt sich solch eine GEO-Strategie umsetzen.
- E-Mail-Marketing: Neuer BVDW-Leitfaden erschienen
Worin bestehen die Grundlagen für erfolgreiches E-Mail-Marketing? Und wie verändern der steigende Einfluss von KI und datenbasierte Kommunikation den traditionellen Kanal? Zu den Fragen hat der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) einen neuen Leitfaden für erfolgreiches E-Mail-Marketing publiziert, der sich hier herunterladen lässt.
- Reddit Ads: Wichtige Grundlagen für Einsteiger
Viele Marketingteams konzentrieren sich bei Social Ads auf Plattformen wie Instagram, LinkedIn oder TikTok. Dabei übersehen sie die größte Community-Plattform der Welt: Reddit. Dabei steht hier der Austausch von Wissen und Erfahrungen im Fokus – gerade über zahlreiche Communities. Was Reddit Ads sind, wie sich diese einsetzen lassen und was dabei zu beachten ist, beschreibt dieser Beitrag.
by Dominik Ruisinger | 19.03.2026 | Beiträge
Mit dem Buch „Besser Texten mit Kopf und KI“ haben Kai Heddergott und ich einen Leitfaden vorgelegt, der das Schreiben in Zeiten von KI deutlich erleichtern kann. Wir nennen es bewusst „das Neue Schreiben“.
Schließlich gehen wir davon aus, dass künftig kaum ein Text mehr ohne KI ausgekommen wird. Und dies ganz unabhängig davon, ob wir ausführliche Konzepte und Strategien planen, kompakte Social-Media- und insbesondere LinkedIn-Postings entwickeln, längere Blog- und Webseiten-Beiträge schreiben oder zielgruppengenau Interviews und Newsletter texten.
Wer sich kurz und kompakt in unser neues Buch einlesen will, für den stellen wir hier eine Leseprobe bereit.
by Dominik Ruisinger | 18.02.2026 | Blog
Welchen Mehrwert bietet Unternehmen ein Engagement auf den Social-Media-Plattformen? Und mit Mehrwert meine ich weder Likes, Followers, Shares oder Saves noch sonstige Interaktionszahlen, sondern wirklich belegbarer Wert aus Unternehmenssicht? Oder anders gefragt: Für wen und was lohnt es sich heute noch? Gerade in Zeiten von KI, von Algorithmen, von passivem Scrolling, von (Werbe)Überdruss und dem Ende von Followern, Friends und eigenen Communities im Social Web? Warum keinen Kundenservice?
Diese Frage stellte ich mir kürzlich, als ich einen Blick in meine Datenbank warf, in dem ich meine Lieblings-Cases aus der Social Media Branche gesammelt habe. Und als mir auffiel, dass sich frühere Best Cases in heutige Worst oder No Case gewandelt haben. Nur warum?
Aber der Reihe lang.
Auf der Suche nach den wirklichen Zielen
Eigentlich sollte die Ausgangsfrage nach dem Sinn und Zweck einfach zu beantworten sein. Doch wenn man etwas tiefer nachdenkt, wird diese scheinbar einfache Sache immer komplizierter und gar nicht mehr so einfach zu beantworten.
Wenn man sich beispielsweise durch Standardwerke wie den „Social Media Manager“ von der geschätzten Vivian Pein oder durch meine eigenen Bücher wühlt, dann entdeckt man dort Ziele wie Markenbekanntheit und Reputation, Employer Branding und Social Recruiting, Vertrieb und Social Commerce, Kundenbindung und -service.
Okay, mit dem Thema Employer Branding und Recruiting kann ich mich durchaus anfreunden, da ich es teilweise auch in vielen Corporate Influencer Programmen tief verankert sehe. Und die Erhöhung der Bekanntheit gerade für neue Marken oder der Vertrieb beispielsweise von B2C-Produkten erkenne ich ebenfalls, gerade wenn ich an TikTok-Commerce & Co. denke. Und Kundenservice?
Kundenservice per Social Media?
Eigentlich müsste der Service an der Kundin bzw. am Kunden eines der Top-Themen sein, bei dem Social Media seine Möglichkeiten direkt ausspielen kann: Geringe Hemmschwelle, einfache Handhabung, schnelle Reaktionen. So war auch Kundenservice über Jahre hinweg eines der Top-Einsatzbereiche: egal ob über eigene Communitys oder insbesondere in den 2010er Jahren über das untergegangene Twitter; auch wenn damals der Zeitdruck und die oft polemischen, verletzenden Fragen das Community Management häufig belasteten.
Heute scheinen diese Zeiten und dieses Ziel untergegangen zu sein. Immer weniger Companies bieten Kundenservice über Social Media wirklich an. Liegt dies an uns, die wir teils zu unflätig damit umgegangen sind?
Der Fall der Deutschen Bahn
Nehmen wir als Beispiel die Deutsche Bahn. Über viele Jahre hinweg hat sie hervorragende Social-Media-Arbeit geleistet und auch mich über das untergegangene Twitter häufig unterstützt – bei Verspätungen, Gleiswechseln, sogar beim vorübergehenden Verlust meines Laptops. Trotz aller Kritik: Danke dafür nochmals an das Team. Ihr ward großartig!
So überrascht es nicht, dass die Deutsche Bahn und ihr Social-Media-Service in all meinen Präsentationen und Vorträgen ein Best Case war. Und es ist auch nicht überraschend, dass im Anschluss an Vorträge und Workshops viele auf mich zukamen, nur um zu sagen: „Jetzt verstehe ich, was Social Media leisten kann.“
Es war einmal Service …
Und heute: Was ist davon übriggeblieben? Auf Twitter/X ist der Bahn-Account geschlossen bzw. auf inaktiv geschaltet. Auf Bluesky dominieren Unternehmensinformationen – samt Hinweis auf die Support-Kanäle Facebook, Instagram, WhatsApp und Threads.
Sind das wirklich Support-Kanäle? Liefern sie wirklich Kundenservice?
Nehmen wir das Beispiel Threads – als eine Art „Nachfolger“ von Twitter/X. Wird hier Service, Support, Hilfestellung geboten? Nicht wirklich. Schon mehrfach habe ich Fragen gestellt, ganz sachliche, einfache, schnell zu beantwortende. Antworten? Niemals. Reaktionen? Keine. Und dies scheint nicht nur mir so zu gehen.
Entertainment statt Service
Stattdessen scheint sich die Deutsche Bahn Accounts von Carrera, Dr. Oetker Pizza oder Postillon zum Vorbild zu nehmen, anstatt die Menschen, die Kundinnen und Kunden, die Reisenden. Spielt die Bahn diesen launischen Ansatz nicht schon ausreichend auf TikTok?
Und erwarte ich von einer Bahn wirklich Entertainment? Gerade als Unternehmen,
- das sich nicht in einfachen Zeiten befindet,
- von dem viele gerade jetzt Top-Service erwarten,
- das Kundinnen und Kunden pflegen sollte, damit sie nicht wieder auf die Straße und auf das eigene Auto abwandern?
- das als staatliche Aktiengesellschaft über eine 100% Bund-Beteiligung über unsere Steuermittel mitfinanziert wird.
Was bringt dann solch ein Spaß-Kanal? Und das frage ich aus Sicht eines Kunden? Ehrlich gesagt, erwarte ich anderes.
Oder sollten wir das definierte Ziel – Service per Social Media – besser beerdigen und im Jahre 2026 zur Telefon-Hotline zurückkehren? Oder ganz modern zu Chats, von denen gerade mal die Hälfte von der KI beantwortet werden kann?
Soap als „Humorvolle Liebeserklärung“?
Anderer Kanal, gleiches Unternehmen: Auch bei der unsäglichen Mini-Soap, die jetzt eingestellt wurde, hatte ich mich nach dem Ziel gefragt: Warum diese über 7 Millionen Euro Investment? Warum eine Imagekampagne in Zeiten, in denen es – angesichts von Verspätungen, Verzögerungen und sonstigen Pannen – doch um die Beruhigung der Reisenden und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden geht?
Und wenn die Soap doch eine „humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden“ der Bahn sein sollte, so der DB-Vorstand für den Personenfernverkehr, Michael Peterson, im Spiegel-Beitrag: Warum keine fest eingebundenen Mitarbeitenden?
Als Vielfahrer habe ich öfters Mitarbeitende in der Bahn gefragt, was sie von „Boah, Bahn“ halten. Achselzucken war mit Abstand das Positivste, das ich zu sehen und hören bekam. Wenn wenigstens diese begeistert gewesen wären, dann hätte ich das Instrument zumindest der Mitarbeitenden-Bindung, der internen Kommunikation zugerechnet. Aber warum das Ganze?
Wo bleibt die Hilfe für Kunden?
Zurück zur Frage nach dem Service: Wo bleibt die Hilfe für Kundinnen und Kunden? Warum werden die vorhandenen und bespielten Kanäle dafür nicht genutzt? Könnte nicht gerade in solch einem Service-Kanal ein zusätzlicher Mehrwert bestehen? Und ließ sich nicht auch mit solch einem Service der Wert, der Mehrwert und die Relevanz einer Social-Media-Maßnahme, einer Social-Media-Abteilung gut belegen und rechtfertigen?
Denn kommen wir auf die Ursprungsfrage zurück: Welchen Sinn hat Social Media für Unternehmen? Sind solche Kanäle dafür da, um einige Fan-Boys und -Girls intern und extern zu bespaßen? Müssten wir solche Kanäle dann nicht als eine Ressourcen-Verschwendung ansehen, die dem nächsten Rotstift zurecht zum Opfer fallen oder die nur dann bespielt werden können, wenn – zu – viele Ressourcen im Haus vorhanden sind?
Das ist kein Bashing.
Bitte mich nicht falsch verstehen. Ich will hier keineswegs irgendein Bahn-Bashing betreiben. Das ist mir fern. Ich hätte auch ein anderes Unternehmen nehmen können.
Im Gegenteil. Ich bin ein Fan der Bahn. Das habe ich häufig geschrieben. Aber ein Fan, der nicht gepflegt wird, wird seinen Fan-Schal irgendwann zuhause lassen.
Ich habe hier viele Fragen gestellt. Darum bitte helfen!
by Dominik Ruisinger | 02.12.2025 | Blog
Auch wenn das Jahr 2025 noch nicht zu Ende ist, so deuten sich schon jetzt größere Veränderungen für das kommende Jahr an – Stichwort Sichtbarkeit. Vor allem 3 Fragen fallen mir dazu ein:
- 1. Kommt in der EU das Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren? Das Vorbild Australien und bedenkliche Studienergebnisse scheinen einige Politikerinnen und Politiker gerade wach zu rütteln. Doch wie wäre es mit einer Investition in digitales Wissen für alle?
- 2. Sorgt die KI für den finalen Sargnagel für Social-Media-Inhalte, in dem Fake-Content, AI-Videos und KI-Kommentare die menschliche Authentizität ersetzen? Oder begreifen wir endlich, dass es doch um unsere Unternehmen, unsere Marken, um uns als Menschen geht?
- 3. Bekommen wir in Zeiten von KI, von immer strengeren Algorithmen und von immer stärker boomender Werbung überhaupt noch Sichtbarkeit mit unseren Inhalten? Oder sind viele Ex-Menschenkanäle endgültig zu reinen Werbesäulen geworden?
Zu Fragen wie diesen habe ich meinen Newsletter wieder mit 10 lesenswerten Beiträgen vollgepackt. Und auch wenn sich viele Fragen nicht eindeutig beantworten lassen: Es ist höchste Zeit für uns alle, dass wir uns darüber eigene Gedanken machen. Schließlich geht es um unsere Kommunikation, um unseren Austausch, um unsere Beziehungen.
In eigener Sache.
Über das finale Ende von Social Media.
- Warum KI ein Abgesang auf Social Media ist
KI-Inhalte sind der »Sargnagel« für Social Media, schreibt Christian Jakubetz. Weil die KI massenweise billigen (Fake-)Content und Kommentare produziert und damit die ursprüngliche Idee der menschlichen Vernetzung ad absurdum führt, wie ich auch in meinem Buch geschrieben habe. Landen wir in einem KI-getriebenen Perpetuum mobile? Drastische, aber wahre Worte. Danke dafür, Christian.
- Wie stark Social Media Sucht verbreitet ist
Immer mehr Menschen zeigen Suchsymptome bei der Social-Media-Nutzung. Dies ist das Ergebnis des deutschen Gesundheitsbarometers, zudem 20.000 Personen ab 18 Jahren untersucht wurden. Danach zeigen 28% suchtartige Tendenzen quer durch alle Altersstufen. Bei den Unter-20-Jährigen sind sogar über 50% betroffen, bei den 20-39-Jährigen auch noch 35%.
- Kommt das Social-Media-Verbot für Jugendliche in der EU?
Wie lassen sich gerade Kinder und Jugendliche vor den Gefahren auf den Social-Media- und KI-Plattformen besser schützen? 2026 dürfte eines der wichtigsten Jahre für neue Regeln werden, gerade falls die EU dem australischen Vorbild folgen würde. Aber bringt uns ein Verbot alleine weiter?
Über die Suche nach Sichtbarkeit und Reichweite.
- Wie Du auf LinkedIn Reichweite mit Emotionen erzielst
»Je emotionaler Deine Postings sind, desto größer ist Deine Reichweite auf LinkedIn.« Doch was nützt eine Aufmerksamkeit, die nicht auf die eigene Positionierung einzahlt? Aber wie erhalten fachliche Postings wirkliche Reaktionen? Klaus Eck hat 12 strategische Tipps formuliert – zu Tiefe und Wahrnehmung, zu Expertise und Personality und zu Relevanz.
- Wann Webseiten von der KI zitiert werden
Die neue Währung für Sichtbarkeit in der KI-Suche heißt Citations, Erwähnungen, Quelle sein. Doch was ist dafür zu tun? Sistrix hat 100 meistzitierte Webseiten analysiert. Das Gemeinsame: Alle sind als Sammlung von Antwort-Bausteinen konzipiert, bilden eine fachlich glaubwürdige, aktuelle Quelle und sind für Maschinen gut lesbar.
- Warum sich KI-generierte Inhalte nicht von der Masse abheben
Wie kann ich mich als Marke von diesem »Meer der Gleichheit« abheben, wenn KI-generierte Inhalte das Internet überschwemmen? Individueller Stil und Authentizität für die Markenidentität werden immer stärker zum Sichtbarkeitsfaktor. Dies verdeutlicht Justin Pohl in diesem Beitrag.
Über die Rollen von PR und Content-Marketing
- Welche Rolle Content-Marketing im KI-Zeitalter spielt
»Sprachmodelle werden niemals in der Lage sein, individuelle, kreative, qualitativ hochwertige Texte zu liefern«, blickt Thomas Knüwer im PR Report skeptisch auf die KI-Entwicklung. Sie helfe eher Unternehmen, schlechte in mittelmäßige Kommunikation zu verändern. Für wirkliche Sichtbarkeit benötigen sie dagegen eine durchdachte Content-Strategie.
- Wird PR zur Schlüsseldisziplin für LLM-Sichtbarkeit?
Viele Empfehlungen in den KI-Suchmaschinen basieren auf Quellen, die Vertrauen und Reputation in sich vereinen. Genau hier spiele die PR eine große Rolle, schafft sie diese Autorität, indem sie Marken in journalistischen und thematischen Ökosystemen platziert, heißt es in der Marketingbörse. Beginnt ein neues PR-GEO-Zeitalter?
- Welche Pressebereiche sind gut aufgestellt?
Was macht einen erfolgreichen Pressebereich aus? Damit Medienvertreter schnell relevante Informationen finden und die Inhalte selbst eine hohe Sichtbarkeit erhalten? Der MR Benchmark Report hat sich Presseportale deutscher Unternehmen angesehen. Wer sich an den Top 5 mit E.ON an der Spitze orientiert, geht den guten Weg.