So pünkt­lich war die Deut­sche Bahn 2020: Das Ergeb­nis mei­nes Experiments.

07.01.2021

Als ich im Janu­ar 2020 mein Deut­sche-Bahn-Expe­ri­ment star­te­te, konn­te noch (kaum) jemand etwas vom Coro­na­vi­rus und sei­nen Fol­gen auch für die Rei­sen­den ahnen. Mei­ne Idee damals: Wie pünkt­lich ist die Bahn wirk­lich? Stim­men die vie­len nega­ti­ven Geschich­ten, die wir alle zu erzäh­len haben? War­um schrei­be ich als DB-Viel­fah­rer nicht ein­fach ein Bahn-Tage­buch und über­prü­fe dies aus mei­ner Sicht?

Zoom statt Deut­sche Bahn fahren

Ein paar Wochen nach der Idee sah die Welt schon wie­der ganz anders aus. Der Coro­na­vi­rus schick­te uns in den ers­ten Lock­down. Auch mein Gedan­ke an ein Bahn-Tage­buch bekam dies zu spü­ren. Bin ich nor­ma­ler­wei­se rund 100 Tage pro Jahr bei Work­shops und Coa­chings unter­wegs, hieß es auch für mich 2020 oft­mals meis­tens Zoom, Micro­soft Teams, Wher­eby, Web­ex & Co. statt Deut­sche Bahn. Nicht dass dies unbe­dingt immer schlecht und unan­ge­nehm sein muss – kei­nes­wegs. Nur war dies natür­lich für die­ses Expe­ri­ment – sagen wir – semi-optimal.

Trotz­dem habe ich mein Bahn-Tage­buch über das gan­ze Jahr 2020 hin­durch sorg­fäl­tig geführt – ent­lang von 39 Fahr­ten quer durch Deutsch­land. Natür­lich gab es auch in Coro­na-Zei­ten und – meist – unab­hän­gig vom Virus und sei­nen Fol­gen – pünkt­li­che und ver­spä­te­te Fahr­ten, ent­spann­te und ver­krampf­te Momen­te, net­te und blö­de Men­schen, ver­pass­te Anschlüs­se und tech­ni­sche Macken, aus­ge­fal­le­ne Reser­vie­run­gen und Hei­zun­gen, Pro­ble­me mit Stell­wer­ken, Glei­sen und Wei­chen, feh­len­de Lok­fah­rer und gesperr­te Bahn­hö­fe, aber immer­hin kei­ne über­füll­ten Züge. Zumin­dest auf mei­nen Fahr­ten. Und auch Per­so­nen im Gleis sowie Per­so­nen­schä­den. Lei­der. Detail­liert lässt sich dies in mei­nem Tage­buch nach­le­sen.

Das Resü­mee: 39 Fahr­ten Deut­sche Bahn

Jetzt, genau 1 Jahr spä­ter, ist es Zeit, ein kur­zes Resü­mee zu zie­hen, also abzu­rech­nen: Wie pünkt­lich war sie denn jetzt, die Deut­sche Bahn, im Jah­re 2020? Und dies natür­lich rein auf Basis mei­ner eige­nen Fahr­ten und damit nur begrenzt repräsentativ?

Begin­nen wir mit der zen­tra­len Fra­ge: Ab wann gilt ein Zug als ver­spä­tet? Laut Deut­scher Bahn gel­ten Züge ab 6 Minu­ten als ver­spä­tet. Das ist der Tole­ranz­wert. Das heißt: Jeder Zug, der mit maxi­mal 5 Minu­ten und 59 Sekun­den hin­ter dem Fahr­plan in den Bahn­hof ein­fährt, gilt noch als pünkt­lich. Auch wenn ich per­sön­lich die­se his­to­ri­sche Zahl – sagen wir – sehr groß­zü­gig emp­fin­de, habe ich sie für die­sen Test als Basis genommen.

Fast 50% mit Verspätung

Wer­fen wir also einen Blick auf die Ergeb­nis­se:
Von 39 Ein­zel­fahr­ten mit der Deut­schen Bahn kamen am End­bahn­hof an:

Ver­spä­tung bei der Deut­schen Bahn 2020.
  • 1x zu früh 😉
  • 10x auf die Minu­te pünktlich
  • 11x nach Maß­stab der DB noch pünktlich
  • 11x bis zu einer Stun­de verspätet
  • 3x bis zu 2 Stun­den verspätet
  • 3x über 2 Stun­den verspätet

Dar­aus ergibt sich, dass gut 56 Pro­zent mei­ner Züge pünkt­lich waren – wie­der ori­en­tiert am DB-Maß­stab. Nicht über­ra­schend: Die IC- und Regio-Züge schnit­ten im Ver­gleich zu den ICE deut­lich bes­ser ab.

Nicht immer hat die Deut­sche Bahn Schuld

Bei der Fra­ge nach den Grün­den für die jewei­li­ge Ver­spä­tung unter­schei­de ich – und zwar zwi­schen Grün­den, die

  • die Bahn zu ver­ant­wor­ten hat und den Zug selbst betref­fen – wie feh­len­de Zug­un­ter­la­gen, feh­len­de Lok­füh­rer, aus­ge­fal­le­ne Reser­vie­run­gen und Heizungen;
  • von der DB eben­falls zu ver­ant­wor­ten sind, die aber mehr den Ablauf der Fahrt und damit auch exter­ne Fak­to­ren betref­fen – wie Wei­chen­pro­ble­me, tech­ni­sche Stö­run­gen, Gleis­sper­run­gen, der Aus­fall eines Stell­werks oder die Sper­rung eines Bahnhofs;
  • nicht in die Ver­ant­wor­tung der Deut­schen Bahn fal­len – wie Per­so­nen im Gleis oder gar Per­so­nen­schä­den, die eben­falls zu Ver­spä­tun­gen führ(t)en.
Grün­de für die Ver­spä­tung bei der Deut­schen Bahn

Wie in mei­nem Tage­buch nach­zu­le­sen ist, gab es natür­lich Über­schnei­dun­gen, da bei vie­len Fahr­ten gleich meh­re­re Pro­ble­me und damit Grün­de für eine Ver­spä­tung auftraten. 

Dar­über hin­aus zeig­te sich wie­der: Eines der Haupt­pro­ble­me auch mei­nes Jah­res mit der Deut­schen Bahn bestand im Man­gel an Infor­ma­tio­nen, die weder mich noch ande­re Pas­sa­gie­re erreich­ten. In vie­len Fäl­len hat­te sogar mei­ne App bereits Infor­ma­tio­nen zu Pro­ble­men rund um unse­ren Zug, bevor die­se Infor­ma­ti­on im Zug durch­ge­ge­ben wur­de. War­um klappt so etwas nicht besser?

Freund­lich­keit als gro­ßes Plus

Wenn ich an das Posi­ti­ve zurück­den­ke, bleibt mir vor allem die Freund­lich­keit der Zug-Bediens­te­ten im Gedächt­nis – und dies gera­de in einem Jahr, in dem die­se „an der Front“ täg­lich ihren Job für uns mach­ten und sich nicht immer und über­all mit ver­ant­wor­tungs­vol­len und ver­ständ­nis­vol­len Men­schen „her­um­schla­gen“ muss­ten. Auch für den Top-Ser­vice eines Frank­fur­ter Zug­be­glei­ters inklu­si­ve Twit­ter-Ser­vice muss ich mich für die Hil­fe bedan­ken. Naja, ich war so däm­lich, beim Umstieg mei­nen Lap­top im Zug ste­hen zu las­sen. #glück­ge­habt

Von Japan träumen …

Viel­leicht wer­de ich den Test wie­der­ho­len, wenn wir wie­der nor­ma­ler und regel­mä­ßi­ger auf Rei­sen gehen kön­nen. Und viel­leicht ver­ste­he ich bis dahin auch, war­um die Deut­sche Bahn so star­ken Wert dar­auf legt, mög­lichst immer schnel­ler die Men­schen von A nach B zu brin­gen und statt­des­sen nicht stär­ke­ren Wert auf Pünkt­lich­keit und Orga­ni­sa­ti­on der bestehen­den Züge und Stre­cken legt. Aber viel­leicht bin ich bei die­ser Fra­ge ein­fach von mei­nen Japan-Erfah­run­gen zu sehr beein­flusst, die ich schon vor eini­gen Jah­ren in mei­nem Wunsch­zet­tel an die Deut­sche Bahn fixiert hatte. 

Trotz­dem: Dan­ke für das Jahr, lie­be Deut­sche Bahn. Ich blei­be ein Fan von dir!

#Domi­niksDB

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